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Bremen

Tatort-Preview: Ein halbherziges Lehrstück zum Terror

Terroristen tragen die Gewalt aus ihrer Heimat in den Westen zurück, den sie für die Toten, die Kriege, die Konflikte verantwortlich machen. Islamistische Terroristen wollen so vor allem Angst schaffen, Staaten wie Frankreich oder Belgien verunsichern. Anders im neuen Bremer Tatort "Der hundertste Affe". Die Gruppe um Umweltaktivistin Luisa Christensen (Friederike Becht) will den Wissenschaftler Dr. Urs Render (Manfred Zapatka) aus der Haft freipressen, damit er Gutes tut.

Redakteur Christian Kunst hat sich den neuen „Tatort“ aus Bremen angesehen. Sein Urteil: Starkes Thema, tolle Schauspieler, Geschichte mit Schwächen

Renders soll der Öffentlichkeit die Wahrheit über seine Forschung für einen Biotechnologiekonzern sagen: Der Wissenschaftler hatte eine Methode entwickelt, wie Pflanzen ohne Dünger und Pestizide auskommen und dabei sogar mehr Ertrag bringen. Sein Arbeitgeber, ein großer Saatgutkonzern, hält das unter Verschluss, weil er Milliarden mit genverändertem Saatgut und Pflanzenschutzmitteln verdient.

Bio-Terror in Bremen

Der Fall beginnt mit einer E-Mail an das Bremer Polizeipräsidium, in deren Anhang die Fotos von 57 toten Afrikanern stecken, die durch die Pestizide des Konzerns ums Leben gekommen sein sollen. Renders soll reden, sonst sterben viele Bremer, lautet die Drohung. Die Umweltterroristen wollen das Wasser verseuchen. Und sie machen ihre Drohung wahr. "Wir haben es verbockt", sagt Kommissarin Inga Lürsen zu ihrem Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen). Auftakt für einen rasanten Wettlauf gegen die Zeit. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass sich Politik und Bundeskriminalamt (BKA) einmischen. Linda Seib (Luise Wolfram) vom BKA, ausgestattet mit Sex-Appeal und einer unglaublich kühlen Arroganz ("Ich bin am besten, wenn man mich allein lässt"), rüttelt das Ermittlerteam ziemlich durcheinander und verdreht Stedefreund auch noch den Kopf. Starker Auftritt.

Foto: frei

Stark ist auch die Besetzung: Zapatka als Dr. Renders und Barnaby Metschurat als Leiter des Krisenstabs sind allein schon das Einschalten wert. Auch gelingt es Regisseur Florian Baxmeyer, die Angst der Menschen vor dem schmutzigen Terror spürbar zu machen. Doch der eigentliche Kern, der Terror einer Stadtguerilla wie zu RAF-Zeiten, verliert im Laufe des Krimis immer mehr seinen Schrecken, weil er sich mit persönlichen Verwicklungen der Täter verquickt. Hier bleibt der "Tatort" halbherzig – wie moderne Terroristen selten handeln würden.

Es ist wie mit dem Prinzip des hundertsten Affen, das übrigens auf einem nicht belegten Mythos beruht: Auf einer japanischen Insel haben Forscher Affen Süßkartoffeln zum Essen gegeben. Nach und nach verbreitete sich unter den Tieren die Fähigkeit, die Kartoffeln vor dem Verzehr zu waschen. Als der hundertste Affe dies erlernt hatte, soll eine kritische Masse überschritten worden und dann ein kollektives Bewusstsein gewachsen sein: Auch Affen auf dem Festland sollen das Waschen praktiziert haben. So wollten auch die Bremer Umweltterroristen die Menschen überzeugen. Dem "Tatort" gelingt dies beim Thema Terror nur selten.

Die Schauspieler Oliver Mommsen (v. l.), Sabine Postel, Luise Wolfram und Matthias Brenner posieren in Bremen am Rande der Dreharbeiten zum neuen Bremer "Tatort"- Krimi "Der hundertste Affe".
Die Schauspieler Oliver Mommsen (v. l.), Sabine Postel, Luise Wolfram und Matthias Brenner posieren in Bremen am Rande der Dreharbeiten zum neuen Bremer "Tatort"- Krimi "Der hundertste Affe".
Foto: dpa

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