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Weimar

Tatort-Preview: Dorns und Lessings irre Wirrungen

Achtung „Tatort“-Fans! Wer Krimis nur mag, wenn man vor Spannung an den Fingern knibbelt oder an den Chips herumknabbert – ohne Klamauk, durchgedrehte Geschichte und mit vielen klugen Sprüchen –, der sollte sich an diesem Sonntagabend etwas anderes vornehmen. Denn diesmal heißt es wieder Vorhang auf für eines der schrägsten Ermittlerteams der Republik: Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).

Tod in der Schlackegrube: In ihrem neuesten Fall bekommen es die Kommissare Dorn und Lessing (links stehend) mit dem „Mann aus Stahl“, Roy Weischlitz, zu tun.
Tod in der Schlackegrube: In ihrem neuesten Fall bekommen es die Kommissare Dorn und Lessing (links stehend) mit dem „Mann aus Stahl“, Roy Weischlitz, zu tun.
Foto: MDR/Anke Neugebauer

Redakteur Christian Kunst hat sich den neuen „Tatort“ aus Weimar angesehen. Sein Urteil: grandiose Schauspieler, starkes Drehbuch. Nur Mut: einschalten, genießen!

Ihr dritter Fall „Der treue Roy“ beginnt für die Weimarer Kommissare überaus unappetitlich – mit dem Fund menschlicher Überreste in der Schlackegrube eines Stahlwerks. Das Skelett gehört dem Absticharbeiter Roy Weischlitz (Florian Lukas), der mit seiner Schwester Siegrid (Fritzi Haberlandt) zusammenlebte. Nur auf den ersten Blick waren sie ein Herz und eine Seele. In einem Karton finden die Kommissare Hunderte alte Lottoscheine, auf denen Roy in Spiegelschrift Tagebuch geführt hat. Mit interessanten Erkenntnissen: „Gegen Roys Leben war die spanische Inquisition eine Bachblütentherapie“, sagt Kriminalhauptkommissar Kurt Stich (Thorsten Merten). Siegrid steckte Roys Katze in die Waschmaschine, sie verfärbte seine Wäsche oder versalzte sein Essen. Grund für ihre Wut auf den Bruder: Sie gibt ihm die Schuld dafür, dass ihr Verlobter Karsten Schmöller sein Bein verloren hat und damit auch den Halt im Leben.

Schmöller, den alle nur Flamingo nennen, gerät in Verdacht, weil er in der Mordnacht eine Extraschicht am Hochofen schob. Und dann ist da noch sein Kumpel Frank. Der ist mit der Prostituierten Irina Kratochvílová alias Vanessa Fink verbandelt, die in einem Wohnwagen am Stadtrand ihrem Gewerbe nachgeht.

Nicht nur die Geschichte dieses „Tatorts“ steckt voller Irrungen, Wirrungen und Wendungen. Aberwitzig sind auch manche Dialoge zwischen den Komissaren – sie sind ein Paar mit Kind –, die herrlich über den Umzug in eine neue Bleibe streiten. In Erinnerung bleiben auch etliche Sentenzen von Kommissar Lessing, der Goethe und die Philosophen liebt. Manchmal sind es aber auch einfach nur Kalauer à la Otto Waalkes oder Heinz Erhardt, wenn der Vorarbeiter im Stahlwerk sagt: „Für meine Schicht lege ich meine Hand ins Feuer.“ Oder wenn Roy zu seinem Kumpel Karsten meint: „Den Schuh mit Deinem Bein muss ich mir anziehen bis ins Grab.“ Oder wie wär's mit Dorns Ausruf: „Wer sitzt denn da im Schrank? Frank. Krank!“

Dieser „Tatort“ steckt voller urkomischer Ideen, wenn etwa Roy als der „Mann aus Stahl“ im Fernsehen gezeigt wird, der den Abriss mehrerer DDR-Wohnsilos überlebt, obwohl er bei der Sprengung im Treppenhaus war. Diese Szenen wirken wie Sequenzen aus „Good bye, Lenin!“

Auch wenn man den Weimarer „Tatort“ für überdreht, fast meschugge halten mag – was man den Machern zugutehalten muss, ist ihre Liebe für winzige Details und feine, überraschende Wendungen. Selbst die Dialoge von Kleinstdarstellern sind ausgefeilt. Und die Besetzung ist hochkarätig: Allein die grandios aufspielenden Fritzi Haberlandt und Florian Lukas sind das Einschalten wert.

Vielleicht ist es einfach so, dass man sich für diesen Sonntagabend vornehmen sollte, einmal alle Klischees eines guten „Tatorts“ von Bord zu schmeißen – vergesst rasante Verfolgungsduelle oder den mittlerweile fast penetranten tiefenpsychologischen Mehrwert. Man stelle sich vor, man befände sich in einem richtig guten Theaterstück namens „Der treue Roy“ – und wird begeistert sein.

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