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London

Staunen in Hogwarts: Londoner Harry-Potter-Tour entzaubert ein Märchen

Ein wilder Ritt auf einem Nimbus-2000-Besen durch Großbritannien ist keine große Zauberei. Man muss dazu nur eine aerodynamische Haltung auf dem bequemen Sitz einnehmen, indem man sich vorbeugt und mit einer Hand den Stiel ergreift.

London – Ein wilder Ritt auf einem Nimbus-2000-Besen durch Großbritannien ist keine große Zauberei. Man muss dazu nur eine aerodynamische Haltung auf dem bequemen Sitz einnehmen, indem man sich vorbeugt und mit einer Hand den Stiel ergreift.

Die Beine zusammengepresst und um die Hüften einen Sicherheitsgurt geschnallt, fegen wir im Zickzack durch den Londoner Verkehr über die Themse bis zu den Highlands. Am Ende macht das borstige Transportmittel eine rasante Kurve über einem majestätischen Schloss mit vielen spitzen Türmen: Hogwarts. Im Flugsimulator des Leavesden-Studios schreien die „Besenpiloten“ freudig auf, als sie auf ihren Bildschirmen die berühmte Schule von Harry Potter erblicken.

Es gibt eine gute Nachricht für die Fans des Zauberlehrlings: Das sagenumwobene Hogwarts ist nur 30 Kilometer von der Londoner City entfernt und auch für „Muggels“ (Nichtzauberer) frei zugänglich. Es gibt allerdings auch eine schlechte Nachricht. Während die Potter-Tour des US-Filmstudios Warner Bros. die Besucher in die phantastische Welt von Joanne K. Rowling entführt, entzaubert sie einen Mythos. Ab 31. März verraten die Macher der erfolgreichsten Filmserie aller Zeiten (Umsatz: 7,7 Milliarden Dollar) die geheimen Tricks, mit denen sie zehn Jahre lang das Publikum in Spannung gehalten haben. Psst… Hagrid war in Wirklichkeit kein Riese, die prächtigen Einbände in Dumbledores Zimmer sind überklebte Telefonbücher und in den Zaubertrank-Phiolen von Severus Snape stecken abgeschnittene Tierschwänze aus dem Zoo. Vielleicht werden manche Besucher enttäuscht sein. Warner glaubt jedoch fest daran, dass die neue Londoner Attraktion zu einer globalen Pilgerstätte für Millionen Fantasyfreunde werden wird.

Die Tour beginnt mit einem Videogruß von Hermine, Ron und Harry: „Wir sind in diesen Studios aufgewachsen. Erleben Sie die Welt, die unser Zuhause war“. In Leavesden wurden bis 1994 die Rolls-Royce-Motoren zusammengeschraubt, ehe die Fabrik in ein Studio umgewandelt wurde. Als hier 2000 die Dreharbeiten am ersten der acht Potter-Filme begannen, war die Bestseller-Autorin Rowling bereits ein Star. Die wichtigsten Schauplätze der Zaubersaga wurden jetzt mit Riesenaufwand wieder aufgebaut und in zwei Hangars von der doppelten Fläche des Kölner Doms zusammengeführt. Der Rundgang durch die Potter-Welt startet in der Großen Halle von Hogwarts, die dem Speisesaal des Christ-Church-College in Oxford nachempfunden ist. Im majestätischen Raum mit geflügelten Fackelträgern an den Wänden stehen lange hölzerne Tische, an denen Harry und seine Mitschüler gefeiert haben. Im Hintergrund sind die Originalkostüme von Dumbledore und den anderen Lehrern zu sehen.

Man merkt schnell, wo die Magie aufhört und die Realität beginnt. Erstens fehlt der 36 Meter langen Halle ihre phantastische Decke mit Wolken, Sternen, Galaxien und schwebenden Kerzen – sie wurde in den Filmen digital erzeugt. Die Besucher machen die zweite Entdeckung, wenn sie den mittelalterlichen Festsaal verlassen: Seine soliden Wände bestehen in Wahrheit aus dünnen Holzbrettern mit einer Mörtelschicht. Diese Illusion wiederholt sich überall im Filmstudio. Sie ist jedoch so raffiniert und detailreich kreiert, dass man sich immer wieder leicht in der Potter-Welt verliert.

Alles wirkt authentisch: Die ungeputzten Fensterscheiben, Spinnweben und die abblätternde Wandfarbe in der gepflasterten Winkelgasse, deren Zaubergeschäfte Kristallkugeln, Kräuter und Eulen anbieten. Das in dreimonatiger Arbeit aufgebaute Set des Gemeinschaftsraumes von Gryffindor besticht durch wertvolle Ölbilder und gestickte Wandteppiche (in Wahrheit ist es ein bemalter Stoff). Der Staub hier riecht nach den vergangenen Jahrhunderten.

Im Schlafzimmer der Zauberlehrlinge trocknen die Socken am Ofen. Harrys und Rons Betten waren den kräftig gewachsenen Darstellern zuletzt viel zu klein, so dass sie entweder heimlich die Füße anziehen oder aus besonderen Perspektiven gefilmt werden mussten. Die filmische Potter-Magie ist besonders stark im Arbeitsraum von Dumbledore zu spüren, wo 48 Porträts der früheren Hogwarts-Direktoren hängen. In Wahrheit stellen die Bilder verkleidete Warner-Mitarbeiter dar. In einer Ecke liegt der berühmte spitze Hut, der die Schüler in die vier Zauberhäuser einsortiert hat. Manche kleinen Besucher des Studios stehen ewig davor, um ihn sprechen zu hören.

Der Hut bleibt leblos, dafür sieht man woanders einen künstlichen Kopf von Hagrid, der die Lippen bewegt. Vor dem Haus des Wildhüters verrät die Führerin Jo-Anne East, dass für manche Filmszenen eine zweite, verkleinerte Hütte gebaut wurde, um den 1,85 Meter großen Schauspieler Robbie Coltrane darin riesig erscheinen zu lassen. Jo-Anne arbeitet bei Warner, um ihr Literatur-Studium zu finanzieren. „Wir haben einen Monat lang gebüffelt, um uns alle Potter-Fakten einzuprägen. Ich träume jede Nacht von diesen Filmen“, sagt die 20-Jährige. Sie ist überzeugt, dass die Fans die Sets lieben werden: „Es grenzt an Magie, wie die Romanfiguren hier zum Leben erweckt wurden“.

Auf dem Höhepunkt des Rundgangs steht man vor einem Hogwarts-Modell im 1:24-Maßstab, das bei den Außenaufnahmen eingesetzt wurde. 86 Künstler haben sechs Monate Zeit gebraucht, um diese Kopie des märchenhaften Schlosses mit 2500 Lämpchen, Puppengeschirr und Mini-Eulenfiguren anzufertigen. Ein paar Schritte weiter werden im Studioladen blinkende Besen, Spielzeugeulen und Hermine-Kleider für 240 Pfund verkauft. Die Besucher mit Kindern werden über magische Kräfte verfügen müssen, um die Londoner Harry-Potter-Welt ohne ein Souvenir zu verlassen.

Info: Die Harry-Potter-Tour in Leavesden bei London kann über die Seite www.wbstudiotour.co.uk gebucht werden, wobei man sich ein Zeitfenster an einem bestimmten Tag aussuchen muss. Vor Ort werden keine Tickets verkauft. Der Rundgang im Studio kostet für Erwachsene 28 Pfund und für Kinder 21 Pfund.

Von unserem Korrespondenten Alexei Makartsev

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