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    Spannung vor dem Buchpreisfinale

    Wer erhält am kommenden Montag den Deutschen Buchpreis? Eine Prognose scheint dieses Jahr besonders schwierig – auch weil einige Titel gar nicht so richtig auf die Liste gehören.

    Philipp Winkler
    Philipp Winkler studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und ist viel durch die Welt gereist. «Hool» ist sein erster Roman.
    Foto: Hendrik Schmidt – dpa

    Frankfurt/Main (dpa) – Für die Lübecker Bloggerin Sophie Weigand liegt ein Autor völlig daneben, wenn er eine geschwollene Nase mit «Farbe und Form einer prallen Peniseichel» vergleicht. Dagegen glaubt der Hamburger Blogger Gerard Otremba, dass dies zwar komisch klingt, dennoch aber den Jargon der Hooligan-Szene gut trifft.

    Eva Schmidt
    Eva Schmidt legte nach vier Prosawerken eine schöpferische Pause ein – fast zwei Jahrzehnte lang. Nun ist sie zurück.
    Foto: Arne Dedert – dpa

    Beim Online-Streit der beiden Buchhändler geht es um die Sprache in «Hool». Der Debütroman des erst 30-jährigen Philipp Winkler über die schlagkräftigen Hardcore-Fans von Hannover 96 hat es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Vor der Preisverleihung am Montagabend (17.10.) in Frankfurt am Vorabend der Buchmesse wird in einschlägigen Foren heftig über die sechs Titel in der Endausscheidung debattiert.

    Thomas Melle
    Thomas Melle hat drei Romane geschrieben – alle waren für den Buchpreis nominiert.
    Foto: Arne Dedert – dpa

    Wer den besten deutschsprachigen Roman des Jahres geschrieben hat, ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Wer die besten Chancen hat, das lässt sich in der Regel aber ganz gut an den Preisträgern des vergangenen Jahrzehnts ablesen.

    André Kubiczek
    André Kubiczek wurde als Sohn eines Deutschen und einer Laotin in der DDR geboren. Früher «literarischer Trashpilot», heute seriöser Autor, beschreibt ihn der Börsenverein.
    Foto: Arne Dedert – dpa

    Es geht dabei nicht nur um gute Literatur. Fast immer sind Bücher ausgezeichnet worden, die mit der Verarbeitung von (Zeit-)Geschichte den Blick aufs Ganze öffnen. Das gilt für Uwe Tellkamps Dresden-Epos «Der Turm», Eugen Ruges DDR-Roman «In Zeiten des abnehmenden Lichts», Ursula Krechels «Landgericht» oder Lutz Seilers Hiddensee-Saga «Kruso». Der letztjährige Preisträger Frank Witzel macht da keine Ausnahme. Er hat in «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969» den Muff der westdeutschen Nachkriegsprovinz verarbeitet.

    Bodo Kirchhoff
    Bodo Kirchhoffs frühen Werke spielen oft im Rotlicht-Milieu. Sein bekanntestes Buch ist «Parlando». 2012 war er schon mal für den Buchpreis nominiert.
    Foto: Frank Rumpenhorst – dpa

    Dieses Jahr scheint eine Prognose zu den Favoriten aber nicht einfach. Denn die Jury hat zwei Bücher auf die Liste gesetzt, die streng genommen dort gar nicht auftauchen dürften. So hat Thomas Melle mit seinem Buch «Die Welt im Rücken» keinen Roman, sondern eher eine Art Autobiografie geschrieben. Thema ist seine bipolare Störung. Das Buch ist eine Chronik seiner manisch-depressiven Schübe. Harte Kost also. Dennoch sind die Kritiker in Feuilletons und Blogs von dem Buch fast alle regelrecht begeistert. Melle war bereits mit seinen ersten beiden Romanen für den Buchpreis nominiert.

    Reinhard Kaiser-Mühlecker
    Reinhard Kaiser-Mühlecker studierte Landwirtschaft, bevor er 2008 seinen ersten Roman veröffentlichte.
    Foto: Arne Dedert – dpa

    Auch der 68-jährige Routinier Bodo Kirchhoff hat sein neues Buch «Widerfahrnis» ausdrücklich nicht als Roman, sondern als Novelle charakterisiert, eine längere Erzählung. Der Autor lässt in seiner kleinen Road Novel einen Ruheständler mit der neuen Liebe in den italienischen Süden reisen, wo er mit der Flüchtlingsrealität konfrontiert wird. An der manchmal gespreizten Erzählweise Kirchhoffs («Parlando», «Schundroman») scheiden sich oft die Geister. Mit seinem schlanken Buch hat er aber nicht nur in der Buchpreis-Jury Freunde gefunden, wie die Kritiken in den Feuilletons beweisen.

    Eigentlich ist auch die Österreicherin Eva Schmidt mit ihrem Buch «Ein langes Jahr» – ihr erstes seit fast zwei Jahrzehnten – auf der Liste leicht fehl am Platz. Sie hat aus 38 Einzelgeschichten einen Episodenroman über das (klein-)städtische Leben gemacht. Ein ruhiges Buch wie auch der Roman des zweiten Österreichers. Reinhard Kaiser-Mühlecker widmet sich in «Fremde Seele, dunkler Wald» im Erzählstil des 19. Jahrhunderts einer Familientragödie auf einem Bauernhof.

    Beide Bücher dürften nur Außenseiterchancen haben. Bleibt noch André Kubiczek mit seinem Coming-of-Age-Roman ««Skizze eines Sommers». Leichtfüßig beschreibt er darin, wie ein 16-Jähriger die Freuden des Heranwachsens in Potsdam vor der Wende erlebt. Ein Buch, das Buchhändler bestimmt gerne mögen, weil es einen großen Leserkreis garantiert. Doch zuviel Lockerheit ist bei Buchpreisen in Deutschland immer auch ein Manko. Außerdem haben Romane, die die untergehende DDR zum Hintergrund hatten, schon mehrfach den Deutschen Buchpreis eingeheimst.

    Am Montagabend wird die siebenköpfige Jury im Frankfurter Römer ihr Geheimnis lüften. Wen immer sie kürt: Prügel wird es wohl immer geben. Einigen Kritikern hat schon nicht gepasst, dass auf der Shortlist namhafte Longlist-Autoren wie Sybille Lewitscharoff oder Joachim Meyerhoff aussortiert wurden. Bestsellerautoren wie Juli Zeh, Christian Kracht oder Benedict Wells sind erst gar nicht nominiert worden.

    Deutscher Buchpreis

    Leseproben auf buchhandel.de

    Blogger zum Deutschen Buchpreis

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