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    Peking/Berlin

    Sorge um verschwundenen Künstler Ai Weiwei

    Der chinesische Gegenwartskünstler und Regimekritiker Ai Weiwei bleibt verschwunden. Einen Tag nach seiner Festnahme auf dem Pekinger Flughafen gab es am Montag kein Lebenszeichen von ihm.

    Ai Weiwei
    Keine Spur von Ai Weiwei.
    Foto: DPA

    Sein Mobiltelefon blieb abgeschaltet, Chinas Staatsmedien berichteten nicht über den Fall. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter riefen Freunde des Künstlers zu seiner Freilassung auf.

    Auch in Deutschland wuchs die Sorge um Ai Weiwei: Unter anderem Bundesaußenminister Guido Westerwelle, das PEN-Zentrum Deutschland, das Goethe-Institut und die Akademie der Künste in Berlin forderten Chinas Regierung auf, den Künstler freizulassen. Amnesty International sprach von Dreistigkeit der Behörden.

    Ai Weiwei war am Sonntag von der Grenzpolizei festgenommen worden. Die Polizisten hätten ihm erklärt, er habe «andere Sachen» zu erledigen und könne seinen Flug nicht antreten, sagte eine Mitarbeiterin des Künstlers. Ai Weiwei wollte am Sonntag nach Hongkong fliegen. Am 29. April wollte er außerdem eine Ausstellung in Berlin eröffnen.

    Der Regimekritiker genießt wegen seiner Kunstwerke und Installationen international hohes Ansehen. Als künstlerischer Berater war er auch an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking beteiligt. Ais Holz-Konstruktion aus Türen und Rahmen zerstörter chinesischer Häuser war eine der Haupt-Attraktionen auf der documenta in Kassel im Jahr 2007.

    Der 53-Jährige hatte kürzlich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt, er wolle ein neues Studio in Berlin eröffnen, auch weil er in Peking immer stärker am Arbeiten gehindert werde. Der Künstler hat Deutschland bereits häufiger besucht.

    Die chinesische Polizei hatte sein Studio in Peking durchsucht und acht Mitarbeiter auf eine örtliche Polizeistation gebracht. Sie wurden am Sonntag zu später Stunde wieder freigelassen. Das Studio wurde von der Polizei abgesperrt, rund 30 Computer wurden beschlagnahmt, sagten Mitarbeiter am Montag.

    Bundesaußenminister Westerwelle erklärte, er habe «mit großer Sorge» von der Festnahme erfahren. «Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder frei kommt», erklärte Westerwelle, der erst vor wenigen Tagen Peking besucht hatte.

    «Wir sind empört über die Festnahme, weil sie allen Thesen von einer mählichen Verbesserung der Verhältnisse widerspricht», erklärte das PEN-Zentrum Deutschland. Die Festnahme sei «ein weiterer Beleg für die selbstherrliche Uneinsichtigkeit der chinesischen Führung», teilte die Schriftstellervereinigung in Darmstadt mit.

    Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, wies darauf hin, dass China für 2012 ein Kulturjahr in Deutschland vorbereite. Eine Verhaftung oder gar Verurteilung Ai Weiweis würde katastrophale Folgen für eine solche Veranstaltung in Deutschland haben. «Die willkürliche Verhaftung und die Weigerung, Gründe dafür anzugeben und den derzeitigen Aufenthaltsort zu nennen, sind auch nach chinesischem Recht ein klarer Verstoß.»

    Sollte Ai Weiwei nicht sofort freigelassen werden, werde die in Peking gerade eröffnete deutsche Ausstellung «Kultur der Aufklärung» eine Farce, erklärte Klaus Staeck. Die Akademie der Künste in Berlin freue sich, dass der Künstler Berlin als weiteren Arbeitsort gewählt habe. Staeck verwies auf ein Zitat Friedrich Schillers: «Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.»

    Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation China Human Rights Defenders in Hongkong stehen mehr als 200 Aktivisten unter «einer Art Hausarrest», seit Mitte Februar in China zu «Jasmin»-Kundgebungen aufgerufen wurde. Damit hatten sie auf die «Jasmin-Revolution» in diesem Jahr in Tunesien angespielt.

    Scharfe Kritik an der Festnahme Ai Weiweis äußerte Amnesty International in London. Es sei beängstigend darüber nachzudenken, wie die Behörden mit weniger bekannten Dissidenten umgingen, «wenn sie so dreist sind, sich diesen weltberühmten Künstler bei hellem Tageslicht auf dem Flughafen Peking zu schnappen», erklärte Amnestys Asien-Pazifik-Direktor Sam Zafiri.

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