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München

Schlingensief-Projekt in München bejubelt

dpa

Spektakulärer, lauter Start in die Münchner Opernfestspiele: Regisseur Christoph Schlingensief hat die Festspiele am Donnerstagabend mit einem Paukenschlag eröffnet.

Christoph Schlingensief
Schlingensiefs Afrika-Projekt wurde in München bejubelt.

Sein verwirrendes Afrika-Spektakel «Remdoogo – Via Intolleranza II» kam zum ersten Mal in der bayerischen Landeshauptstadt auf die Bühne. Obwohl das Enfant terrible der deutschen Oper dem als traditionell geltenden Münchner Publikum einiges abverlangte, gab es am Schluss der knapp zweistündigen Inszenierung minutenlangen Applaus und Bravo-Rufe. Schlingensief und der Intendant der bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, fielen sich hinter der Bühne in die Arme und wirkten durchaus erleichtert.

Nur einige wenige Zuschauer verließen die futuristisch anmutende Spielstätte «Pavillon 21 MINI Opera Space», die extra für die Festspiele aufgebaut wurde und danach wieder verschwinden soll, schon lange vor dem Ende der Aufführung. Die allermeisten hielten aber bis zum Schluss durch.

Leichte Kost ist «Remdoogo – Via Intolleranza II» natürlich nicht. Die Szenencollage mit Darstellern aus Burkina Faso und Europa – darunter der Regisseur selbst – ist eine schreiende Anklage, eine laute Kritik an der kulturellen Intoleranz der Europäer dem afrikanischen Kontinent gegenüber, ein Ausdruck der Wut über ethnozentrisches Denken. In einer Szene singen Afrikaner und Europäer zusammen «Hoch auf dem gelben Wagen». Wie Eltern, die ihren Kindern einen bestimmten Weg vorgeben, gehen die Europäer mit den Afrikanern und ihrer Kultur um – so der Vorwurf, der sich durch das gesamte, verschachtelte Gewirr von ständig und schnell wechselnden Szenen zieht.

Schlingensief zieht mit «Via Intolleranza II» auch eine Bilanz seiner Arbeit in dem Operndorf «Remdoogo» bei Ouagadougou in Burkina Faso. Passend dazu wurde am Freitag in München auch zur Eröffnung der Ausstellung «Patti Smith & Christoph Schlingensief» mit Fotos von Schlingensief aus Burkina Faso und Namibia eingeladen. In seinem Opern-Projekt kritisiert Schlingensief wütend, dass eine schwache europäische Kunst sich zur Richterin über eine starke, unabhängige afrikanische Kultur machen will. Dabei lässt er auch selbstkritische Töne über seine eigene Naivität zu, die er an den Tag legte, bevor er nach Afrika ging.

In der Inszenierung, die nicht nur von Musik – von traditioneller afrikanischer Musik über Rap bis zum deutschen Volkslied ist alles dabei -, sondern vor allem auch von Projektionen und einem gewaltigen, chaotischen Bühnenbild lebt, ist immer wieder auch Schlingensiefs schlimme Lungenkrebs-Erkrankung Thema. Der Regisseur thematisiert seine Krankheit mit Zynismus und Sarkasmus. Viele Zuschauer lachen, einigen bleibt das Lachen im Halse stecken. «Ich bin außer Atem, ich habe Lungenkrebs», sagt Schlingensief, als er zum ersten Mal auf die Bühne kommt. Und: «Afrika – da fahren sowieso alle hin, die fertig sind.» Er schließt mit dem Satz: «Ab heute Abend ist Gutmensch erledigt.»

Offiziell werden die Münchner Opernfestspiele am kommenden Montag (28. Juni) mit einem weitaus klassischeren Programm im Nationaltheater eröffnet. Star-Tenor Jonas Kaufmann tritt in einer Neuinszenierung von Puccinis «Tosca» auf. Bis zum 31. Juli sind während der Festspiele in München 30 Opernaufführungen zu sehen – darunter auch eine Neuinszenierung von Richard Strauss' «Die schweigsame Frau» mit Diana Damrau.

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