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    Berlin

    Schätze des Aga Khan in Berlin

    Wie Geschichten aus Tausendundeiner Nacht: Erstmals ist die weltberühmte Kunstsammlung des Aga Khan in Deutschland zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt die Meisterwerke islamischer Kunst bis zum 6. Juni in einer kompakten, sorgfältig edierten Schau.

    Schätze des Aga Khan Museum
    Monumentale Vase aus dem Zentraliran aus dem 13. Jahrhundert im Gropius-Bau in Berlin.

    Die rund 200 Gemälde, Zeichnungen, Manuskripte, Gefäße, Keramiken und Holzarbeiten dokumentieren über tausend Jahre Kulturgeschichte der Moslems. «Die Sammlung belegt, wie vielfältig und wunderbar die islamische Kunst ist», sagt Museumsdirektor Gereon Sievernich in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Mit der Ausstellung wollen wir den Dialog mit der islamischen Welt auf eine andere und positive Weise beeinflussen.» Zur Eröffnung am Dienstagabend wurde in Berlin auch Karim Aga Khan IV. selbst erwartet.

    In einem Grußwort rief das Oberhaupt der schiitischen Religionsgemeinschaft der Ismailiten zu einer besseren Verständigung zwischen Ost und West auf. Der «Kampf der Zivilisationen» habe vor allem mit Unwissenheit auf beiden Seiten zu tun, sagte er. «Deutschland, und vor allem Berlin, ist ein lebendiges Beispiel für einen kulturellen und ethnischen Pluralismus, der aus den letzten Jahrzehnten seiner Geschichte heraus entstanden ist.»

    In der Ausstellung werden Exponate aus allen Regionen der islamischen Welt gezeigt, von der Iberischen Halbinsel bis China. Besonderes Prunkstück sind einige Seiten aus dem «Buch der Könige» des persischen Dichters Firdausi, das vor genau tausend Jahren entstand. 1522 beauftragte der damalige Schah die größten Künstler des Landes mit einer aufwendigen Illustration des Heldenepos – sie wurde die prachtvollste jemals in Persien entstandene Handschrift.

    Der Amerikaner Arthur A. Houghton, der das Buch in den 1960er Jahren erwarb, riss das einmalige Kunstwerk später auseinander und verkaufte die Blätter einzeln. Das New Yorker Metropolitan Museum of Art und der Iran besitzen die beiden größten Teilsammlungen. Neun Blätter gehören dem Aga Khan, fünf davon werden in der Ausstellung gezeigt – wegen des hochempfindlichen Papiers nur in einem abgedunkelten Raum.

    «Diese Miniaturen gelten als die Van Goghs der islamischen Kunst», sagt Ausstellungskurator Benoit Junod. «In Berlin sind sie für lange Zeit das letzte Mal zu sehen.» Der in Frankreich lebende Aga Khan, der als direkter Nachfahre des Propheten Mohammed gilt und den weltweit rund 20 Millionen Ismailiten vorsteht, will seine Sammlung voraussichtlich vom Jahr 2013 an in einem eigenen Museum in Toronto zeigen.

    Die besondere Bedeutung des Korans wird in der Berliner Ausstellung immer wieder deutlich. So gibt es ein großes, grün gefärbtes Baumwolltuch aus Indien, auf dem die gesamte heilige Schrift der Moslems in winziger Tintenschrift festgehalten ist. Ein Doppelblatt des berühmten «Blauen Korans» stammt aus dem Nordafrika des 9. oder 10. Jahrhunderts. Und sogar auf einem Kastanienblatt aus der Türkei ist in kalligraphischer Komposition eine Koran-Sure zu lesen.

    Daneben gibt es zahlreiche Exponate, die Gemeinsamkeiten zwischen dem Islam, dem Christen- und dem Judentum belegen. So zeugt eine antike Wasserschale von der gemeinsamen Tradition, sich vor dem Gebet zu reinigen. Und ein versilbertes spanisches Sternmessgerät aus dem 14. Jahrhundert vereinigt arabische, jüdische und christliche Symbole. «Wenn man zu nur einem Gott betet, muss es wohl derselbe sein», sagt Kurator Junod.

    http://dpaq.de/OszLu

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