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    Nebenjob Konzertarzt: Wenn bei Beethoven die Arbeit ruft

    In einem Notfall ist er in der Alten Oper schnell zur Stelle: der Konzertarzt. Kaum ein Zuschauer weiß, dass er bei jeder Vorstellung unter Ihnen ist, um für die Sicherheit aller zu sorgen.

    Internist Dieter Miesbachbach (47) ist einer von vielen Konzertärzten, die im Notfall zur Stelle sind, wenn jemand im Theater Hilfe braucht.
    Internist Dieter Miesbachbach (47) ist einer von vielen Konzertärzten, die im Notfall zur Stelle sind, wenn jemand im Theater Hilfe braucht.
    Foto: dpa

    Frankfurt/Mainz. Eben noch ließ sich Wolfgang Miesbach von Beethovens „Eroica“ verzaubern, da vibriert auch schon sein Mobiltelefon in der Jackentasche. Was für einen gewöhnlichen Konzertgänger äußerst peinlich wäre, ist für Wolfgang Miesbach der Ruf zum Dienst. Der Mediziner ist seit rund zwölf Jahren ehrenamtlicher Konzertarzt in der Frankfurter Alten Oper. Gemeinsam mit 21 Kollegen sorgt er dafür, dass Konzertbesuchern im Falle eines Falles schnell geholfen wird.

    Ein- bis zweimal pro Monat wird der 47-Jährige zum Dienst im Konzertsaal eingeteilt. Er bekommt dann zwei Eintrittskarten für Plätze in der Nähe des Ausgangs, von dort aus kann er im Notfall schnell eingreifen. Rein äußerlich sieht man ihm seine Funktion an diesen Abenden nicht an. „Der Arztkittel bleibt zu Hause, die Utensilien sind bei den Hostessen oder im Sanitätsraum untergebracht“, sagt Wolfgang Miesbach.

    Es kommt oft zu Zwischenfällen

    Ein lauer Job ist das nicht: In gut der Hälfte aller von ihm besuchten Konzerte kommt es zu Zwischenfällen: „Meistens aber sind es nur kleinere Kreislaufschwächen oder eine Unterzuckerung, die schnell behandelt werden können.“ Bei gravierenderen Fällen wie etwa Herzproblemen muss ohnehin der Notarzt geholt werden.

    Der gelernte Internist, der ebenso wie seine Kollegen eine notfallmedizinische Ausbildung hat, suchte schon während des Studiums Anfang der 1990er-Jahre den Kontakt zur Musikwelt. „Als Konzertarzt kommt man in Veranstaltungen, die man normalerweise niemals besuchen würde“, sagt der musikbegeisterte Mediziner. Den Liedermacher Konstantin Wecker oder den Spaßvogel Helge Schneider erlebte er auf diese Weise – stets mit Vibrationsalarm in der Jackentasche.

    Die Dienste werden freiwillig eingeteilt

    Rein rechtlich sind Konzertärzte nicht vorgeschrieben. „Die Versammlungsstättenverordnung des Landes schreibt bei Veranstaltungen mit weniger als 5000 Teilnehmern lediglich Sanitätspersonal in ausreichendem Umfang vor“, zitiert Gail Raven von der Verwaltungsabteilung der Alten Oper die Vorgaben. Gleichwohl sind bei allen Veranstaltungen Mediziner vor Ort, die auch entsprechende Technik wie etwa Defibrillatoren zur Verfügung haben. Auch kleinere Opernhäuser halten Ärzte vor. Im Staatstheater Kassel sind beispielsweise sage und schreibe 84 Ärzte im Einsatz.

    Die Theater in Rheinland-Pfalz halten ebenfalls Plätze für Bereitschaftsärzte frei. Verpflichtet sind sie dazu nicht. Im Staatstheater Mainz sitzt ein Mediziner bei Vorstellungen im Großen und im Kleinen Haus in den Zuschauerreihen. Das Ärzteteam organisiert sich selbst, die Dienste werden unter den Opernliebhabern und Schauspielfreunden abwechselnd eingeteilt. Allerdings sitzt nicht in jeder Vorstellung ein Mediziner, heißt es aus der Pressestelle des Mainzer Theaters. Ist kein Mediziner im Haus, wird im Notfall auf die reguläre ärztliche Bereitschaft zurückgegriffen.

    "Das Angebot ist ein freiwilliger Service"

    Ähnlich sieht es im Stadttheater Koblenz aus: Dort sitzt regelmäßig einer von sieben Ärzten, allesamt notfallmedizinisch ausgebildet, im Zuschauerraum im großen Haus. Mitunter gehen auch dort Vorstellungen ohne Arzt über die Bühne. „Das Angebot ist ein freiwilliger Service der Koblenzer Ärzteschaft“, erklärt Theater-Pressesprecher Markus Scherer.

    Auch das Ludwigshafener Theater im Pfalzbau hat regelmäßig Mediziner im Publikum. Wie in den anderen Häusern treten sie allerdings nicht in Erscheinung, sofern ihre Hilfe nicht benötigt wird. „Daher“, sagt Pressesprecherin Roswitha Schwarz, „bekommen die Zuschauer von diesem Service in der Regel auch nichts mit.“

    Von Matthias Gerhart und Anke Hoffmann

     

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