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München

Nach 26 Jahren: Batic und Leitmayr in der Sinnkrise

„Franz!“ – „Ivo!“ – „Franz!“ – „Was!?“ Ivo Batic und Franz Leitmayr brüllen sich an. Der eine liegt mit Schusswunde im Klinikbett und knurrt: „Keine Frau, kein Leben, nur Leichen. Der Tod ist unser ganzes Leben!“ Der andere steht an einer Krücke vor ihm, kriegt den Mund nicht zu und schüttelt den Kopf. Dann brüllt er: „Du egoistisches Arschloch!“ Und: „Wenns sein muss, schieb ich dich im Rollstuhl zum nächsten Tatort!“

Gebrüll am Klinikbett: Ivo Batic (Miroslav Nemec, 62) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 58) sinnieren über ihr Leben. Foto: BR/X Filme/Keller
Gebrüll am Klinikbett: Ivo Batic (Miroslav Nemec, 62) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 58) sinnieren über ihr Leben.
Foto: BR/X Filme/Keller

Es ist die Freundschaft zweier Männer, die den neuen Münchner „Tatort“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) so sehenswert macht. Zweier ergrauter Junggesellen, die seit 26 Jahren gemeinsam auf Mörderjagd gehen, die nur ihren Beruf haben – aber von Familie reden.

Doch vor allem ist der 75. Fall von Ivo Batic (Miroslav Nemec, 62) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 58) ein packender Krimi: Im Oktober 2016 jagten beide im Fall „Die Wahrheit“ einen Killer, der am Leonrodplatz im Stadtteil Neuhausen grundlos einen Passanten erstach. Aber: Sie fanden ihn nicht. Ein Novum in ihren 26 gemeinsamen Jahren. Jetzt, ein halbes Jahr später, schlägt der Killer erneut zu. In „Der Tod ist unser ganzes Leben“ läuft er über den Weißenburger Platz in Haidhausen und sticht auf einen Passanten ein. Diesmal schnappen sie ihn. Es ist vorbei, denken sie ...

Der Krimi ließe sich auf einem Bierdeckel erzählen – aber er nimmt sich viel Zeit. Für Leitmayrs Humpeln, das an einen Kriegsveteranen erinnert. Für Batics Tränen, die langsam seine Wangen herunterkullern. Für die Stille nach dem Gebrüll. Und den Zynismus eines Killers, der nach dem Zufallsprinzip tötet und Freude am Leid seiner Opfer hat.

Foto: frei

Im Fall „Die Wahrheit“ ist Batic am Ende. Er sitzt morgens mit zerknautschtem Blick auf der Bettkante – lange bevor um 7 Uhr sein Wecker piepst. Er findet keinen Schlaf, schluckt Tabletten, hat Panikattacken und verliert seinen Schuh. Im aktuellen Fall ergeht es ihm nicht viel besser – und auch Leitmayr wirft sich plötzlich reihenweise Tabletten ein. Beide „Tatort“-Folgen bauen aufeinander auf. Aber auch wer die erste nicht gesehen hat, versteht alles.

Ivo-Batic-Darsteller Miroslav Nemec ist ein Spaßvogel, der bei Dreharbeiten gern Witze erzählt: „Man muss einfach zwischendurch ein Ventil haben.“ Anders ist das im neuen „Tatort“. Dort steht er als Hauptkommissar im Herbst seines Berufslebens und zieht eine düstere Bilanz. „Jemand hat mal gesagt, unser Beruf ist ein einziger großer Fehler“, zischt er in der Szene an seinem Klinikbett. Er löchert Leitmayr mit Fragen, ohne auf dessen Antworten zu warten: „Was kommt denn jetzt noch? Was kommt noch? Danach? Was?!“

Die „Tatort“-Macher wollten die Kommissare an den Rand ihrer Männerfreundschaft bringen. Das ist ihnen hervorragend gelungen, auch wenn der Film nicht immer 100-prozentig plausibel sein mag.

Fazit: Unser Autor meint: Ein gelungener Krimi. Unbedingt einschalten!

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Unser Redakteur Hartmut Wagner hat sich den neuen Münchner „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: ein sehr gelungener Krimi.

Unbedingt einschalten!
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