Washington

Memoiren der ehemaligen First Lady: Michelle Obama will US-Präsident Trump niemals verzeihen

Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA, spricht an ihrer ehemaligen Schule, der Whitney M. Young Magnet High School, mit Schülern über ihr neues Buch „Becoming“.
Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA, spricht an ihrer ehemaligen Schule, der Whitney M. Young Magnet High School, mit Schülern über ihr neues Buch „Becoming“. Foto: dpa

An US-Präsident Trump lässt die frühere First Lady Michelle Obama kein gutes Haar. Verrückt, gemein, rücksichtslos, ein Stalker – sie will ihm nie verzeihen. In einer Biografie gibt Obama aber auch viel Privates preis.

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Die ehemalige First Lady Michelle Obama rechnet in ihren Memoiren mit dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump ab, dem Nachfolger ihres Ehemannes Barack Obama. Sie werde Trump niemals verzeihen, weil er öffentlich in Frage gestellt habe, dass ihr Ehemann überhaupt amerikanischer Staatsbürger sei. Die Vorwürfe seien verrückt und gemein gewesen. Fanatismus und Fremdenfeindlichkeit seien schwer zu übersehen, sagte Obama in einem Interview mit dem Sender ABC, das am Freitag vor dem Erscheinen von Obamas Memoiren ausgestrahlt wurde.

„Was, wenn jemand mit einer labilen Psyche sein Gewehr lädt und nach Washington fährt. Was, wenn jemand nach unseren Mädchen Ausschau hält. Donald Trump hat mit seinen rücksichtslosen Unterstellungen meine ganze Familie einem Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Das werde ich ihm nie verzeihen“, schreibt Obama in einer 426 Seiten langen Biografie, aus der die „Washington Post“ und der Sender CNN am Freitag berichteten. Das Buch soll an diesem Dienstag in den USA im Handel erscheinen.

In drei großen Kapiteln schreibt Obama über ihr Leben in Chicago, wie sie mit Ehemann Barack eine Familie gründete und wie sie ihr Leben als öffentliche Person erlebte. Obama spricht erstmals über ihre Fehlgeburt: „Ich habe mich als Versagerin gefühlt, weil ich nicht wusste, wie verbreitet Fehlgeburten sind, und weil wir nicht darüber sprechen.“ Ihre beiden Töchter seien Ergebnis einer In-vitro-Fertilisation. Dabei werden in einem Labor Samen und Eizelle vereint.

Michelle Obama
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Obama schreibt auch, dass ihre Ehe mit dem Politiker Barack nicht immer einfach gewesen sei: „Eheberatung war ein Weg für uns zu lernen, wie wir über unsere Differenzen reden können.“ Sie wolle auch andere Paare, die mit ihrer Ehe zu kämpfen hätten, dazu ermutigen.

Einen Großteil der Biografie nimmt auch der Rückblick auf den Präsidentenwahlkampf von 2007 ein. Sie habe gewusst, dass es schwer werden würde, aber sie sei nicht auf Kritiker vorbereitet gewesen, die sie als „unpatriotisch“ und „wütende schwarze Frau“ beschimpft hätten. „Ich war eine Frau, schwarz und stark, was einige Leute nur mit wütend übersetzt haben.“ Was sie am meisten getroffen habe, seien die fortwährenden falschen Anschuldigungen gewesen, ihr Mann sei insgeheim ein Muslim und im Ausland geboren worden.

Mit dem amtierenden Präsidenten geht sie auch an anderer Stelle mehrfach hart ins Gericht. Ihr Körper habe gebebt vor Zorn, als sie die Tonaufnahmen gehört habe, auf denen sich Trump brüstete, wie er sich an Frauen vergangen habe.

Michelle Obamas Memoiren werden aus dem Stand zum Bestseller
Begleitet von enormem Medienwirbel ist am Dienstag das neue Buch der früheren First Lady Michelle Obama im US-Buchhandel erschienen. Das Werk brach nach US-Medienberichten bereits vor seiner Veröffentlichung Rekorde – schon am Freitag, mehrere Tage vor der offiziellen Veröffentlichung, war es beim Online-Buchhändler Amazon auf Platz 1 der Bestseller-Liste gesprungen.

Unter dem Titel „Becoming“ („Werden“) beschreibt die 54 Jahre alte Ehefrau von Ex-Präsident Barack Obama ihren Werdegang – von der Kindheit im rauen Süden Chicagos bis ins Weiße Haus. Obama hatte zuvor bereits andere Bücher veröffentlicht, darunter 2009 eine Abhandlung über ihre Rolle als First Lady („In Her Own Words“) und 2012 ein Werk zu gesunder Ernährung am Beispiel des von ihr angelegten Gartens für die Küche des Weißen Hauses. dpa

Sie erinnere sich auch noch daran, wie Trump während einer Wahlkampfdebatte seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton regelrecht gestalkt habe. Trump war Clinton seinerzeit über die Bühne gefolgt und hatte sich hinter sie gestellt. Trump habe versucht, Clintons Präsenz zu verkleinern, schreibt Obama. Seine Botschaft sei gewesen: „Ich kann dich verletzten und komme damit durch.“

Obama verrät auch, was sie bei der Wahl von Trump am 8. November 2016 fühlte. Sie sei überrascht gewesen, dass so viele Frauen einen Frauenhasser den Vorzug gegenüber einer außergewöhnlich qualifizierten Kandidatin gegeben hätten. Sie habe versucht, die Wahl Trumps zu verdrängen.

Obama stellt auch klar, dass sie bei der Präsidentenwahl im November 2020 nicht für die Demokraten kandidieren wird. „Ich war niemals ein Fan von Politik, und meine Erfahrungen in den vergangenen zehn Jahren haben wenig dazu beigetragen, das zu ändern. Die Gemeinheit stößt mich weiter ab.“ Michelle Obama ist bei den Demokraten weiterhin sehr beliebt. Einige haben gehofft, dass sie 2020 gegen Trump antreten wird. Obama hatte allerdings schon mehrfach klargestellt, dass sie nicht kandidieren wird. dpa