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    Lyriker Tomas Tranströmer mit Nobelpreis geehrt

    Kopenhagen/Stockholm (dpa) - Ovationen für einen Literaturnobelpreisträger, der kaum sprechen und nur mit größter Mühe Buchstaben schreiben kann.

    Nobelpreisverleihung
    König Carl XVI. Gustaf überreicht den Literaturnobelpreis an Tomas Tranströmer.
    Foto: Anders Wiklund - DPA

    Der 80-jährige Lyriker Tomas Tranströmer hat am Samstag bei der Verleihung des berühmtesten Literaturpreises der Welt in seiner Geburtsstadt Stockholm Begeisterungsstürme ausgelöst. Tranströmer dankte von seinem Rollstuhl aus mit einem unwiderstehlich offenen, frohen Lachen.

    Nobelpreisverleihung
    Verleihung der Nobelpreise in Stockholm.
    Foto: Anders Wiklund - DPA

    Bei der Entgegennahme der Nobelmedaille und des Diploms schien er sogar mit Schwedens König Carl XVI. Gustaf kurz zu witzeln. Seit seinem Schlaganfall 1990 kann der auch von Lyrikerkollegen hoch verehrte Schwede nur noch einzelne Worte wie «ja», «nein» und «gut» sagen, versteht aber alles und hat völlig intakte Sinneswahrnehmungen.

    Nobelpreisverleihung
    Kronprinzessin Victoria zwischen den Physiknobelpreisträgern Adam G. Riess (l) und Brian P. Schmidt.
    Foto: Jonas Ekstromer - DPA

    Tranströmer bekommt nicht zuletzt auch die Dotierung von zehn Millionen Kronen (1,1 Mio Euro). Sein Gesamtwerk von 13 schmalen Gedichtsammlungen hat den Poeten bestimmt nicht reich gemacht. Seit zwei Jahrzehnten stand Tranströmer Jahr für Jahr auf den Kandidatenlisten für den Nobelpreis, und am Ende meistens sehr weit oben. «Er ist einer der wenigen schwedischen Autoren, die Einfluss auf die Weltliteratur gehabt haben», sagte Kjell Espmark vom Nobelkomitee in seiner Laudatio. Als Beweis führte er den 1996 gestorbenen Lyriker Joseph Brodsky an, der 1987 den Nobelpreis bekommen hatte: «Er hat zugegeben, dass er mehr als nur ein Bild von Tranströmer gestohlen hat.»

    Nobelpreisverleihung
    Das Nobelbankett im Stockholmer Rathaus nach der Preisverleihung.
    Foto: Jonas Ekstromer - DPA

    Beim abendlichen Nobelbankett, bei dem Preisträger traditionell eine kleine Rede halten, sprach Monica Tranströmer für ihren Mann. «Er ist unglaublich gerührt», zitierte «Aftonbladet» daraus. Dass der Poet wegen seiner Behinderung die gewaltige Aufregung um den Nobelpreis nicht verkraften würde, galt in Stockholmer Kreisen als eine Begründung dafür, dass der Lyriker Jahr um Jahr als Favorit gehandelt, aber dann doch nicht ausgezeichnet wurde. Nun bekam er den Preis doch, weil er, so die Begründung der Schwedischen Akademie, «uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen weist».

    Tranströmers Freude an der Auszeichnung und der ihm entgegengebrachten Wärme war völlig eindeutig. Als er sich im Rollstuhl den 1500 geladenen Gästen im Konzerthaus zuwandte und begeistert beklatscht wurde, hob Tranströmer leicht die intakte linke Hand und zeigte ein frohes Lächeln, wie es nur wenige hinbekommen. In einem seiner kurzen Haikus «Aus dem Gefängnis», also nach dem Schlaganfall entstanden, heißt es: «Als der Ausreißer gefasst wurde, hatte er die Taschen voller Pfifferlinge.»

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