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    Klassik Stiftung Weimar sucht Präsidenten

    Thüringen ist gespalten: In Pro oder Contra für den Präsidenten der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann.

    Klassik Stiftung Weimar
    Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (r.) und Noch-Präsident Hellmut Seemann (l) beim Jahresempfang der Klassik Stiftung Weimar.
    Foto: DPA

    Seit zehn Jahren steht der brillante Redner an der Spitze der zweitgrößten Kulturstiftung Deutschlands – und hat in dieser Zeit international nicht für die wissenschaftliche Strahlkraft gesorgt, die sich der Stiftungsrat und das Land Thüringen einst von dem aus Frankfurt/Main kommenden Germanisten erwartet hatten. Der Stiftungsrat unter Leitung von SPD-Kulturminister Christoph Matschie zog deshalb im Herbst die Reißleine und verlängerte Seemanns Vertrag nicht.

    Am Donnerstag entscheidet der Stiftungsrat, voraussichtlich in Berlin, über seinen Favoriten. Seemann (57) ist nach dpa-Informationen zusammen mit dem Berliner Literaturwissenschaftler Ernst Osterkamp in der Endauswahl. Die nur vier Sätze umfassende Empfehlung der Findungskommission nennt keinen eindeutigen Favoriten, tendiert aber mehr zu dem Mann von der Humboldt-Universität Berlin.

    Kulturinstitutionen sind keine Erbhöfe, schon gar nicht die Klassik Stiftung, ist Matschies Meinung. Er wirft Seemann als oberstem Siegelverwahrer der deutschen Klassik vor, zu plan- und konzeptionslos agiert zu haben. Mehr als 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist die Stiftung immer noch auf Identitätssuche.

    Wichtige Projekte wie das neue Bauhaus-Museum, der Bau des Kunstdepots und die Umgestaltung des Weimarer Stadtschlosses als neue Stiftungsmitte gehen zu schleppend voran. Dabei hatten Bund und Land Thüringen nach der verheerenden Brandkatastrophe der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Jahr 2002 mit zusammen rund 90 Millionen Euro zusätzlich reagiert. Eine Galgenfrist, die der 2001 nach Weimar berufene Seemann ungenügend nutzte.

    Noch gewichtiger ist die Kritik von Experten, Geldgebern und Literaturverbänden, dass unter Seemanns Leitung keine klare Konzeption zustande kam, wie klassisches Erbe in Gegenwart und Zukunft geholt werden kann. Vor allem die Jugend ist auf gewohnten Pfaden nur schwer für die Ideen von Goethe, Schiller, Liszt oder von den Bauhaus-Künstlern zu begeistern. Im vergangenen Jahr besuchen knapp 800 000 Gäste aus aller Welt die Dichterstätten, Museen, Schlösser und Gärten in Weimar – rund sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Es gab Kritik – auch vom Landesrechnungshof – über teure Projekte, die nicht zum Spektrum einer Literaturstiftung gehörten.

    Umso überraschender, dass unter den 27 Bewerbern für das Amt wieder der Name Seemann auftauchte. Rückenstärkung bekam er vorrangig aus konservativen Kreisen der Klassikerstadt. Der Donnerstag könnte für Seemann ein stiller Triumph werden, für Kulturminister Christoph Matschie eine Schwächung – auch mit Blick auf seine Durchsetzungskraft bei der Strukturreform der Theater und Orchester.

    Die Findungskommission gehören neben den Geldgebern Bund, Land und Stadt Weimar, auch zwei – dem Lager Seemann zugerechnete – Vertreter des wissenschaftlichen Beirates sowie Prinz Michael von Sachsen-Weimar und Eisenach an. Das Gremium hat sich in seiner Empfehlung äußerst salomonisch ausgedrückt. Die Kommission «ist der Ansicht, dass mit den Herren Seemann und Osterkamp zwei geeignete Persönlichkeiten für die Besetzung des Amtes des Präsidenten der Klassik Stiftung Weimar zur Verfügung stehen», heißt es da.

    Und weiter: «Sie erkennt an, dass es bei der bisherigen Arbeit der Stiftung Defizite gegeben hat. Sie hält diese aber nicht für hinreichend schwerwiegend, um einen Wechsel der Führungspersönlichkeit zwingend vorzunehmen.»

    Entscheidend ist der nächste Satz. «Sollte die Leitung der Stiftung sich in der Zukunft verstärkt auf wissenschaftliche und intellektuelle Strahlkraft und weniger auf gleichzeitige Betonung der Management-Aufgaben konzentrieren, wäre Herr Osterkamp der geeignetere Kandidat.» Gerade die «Strahlkraft» der Stiftung wäre also ein starkes Argument für einen Wechsel.

    Klassik Stiftung

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