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    Berlin

    Katharina Thalbach begeisterte am «Schiffbauerdamm»

    Katharina Thalbach, die wunderbare Schauspielerin aus Filmen wie der DDR-Rückschau «Sonnenallee», ist am legendären Berliner Ensemble groß geworden. In Bertolt Brechts einstigem Theater am Schiffbauerdamm brachte die 56-Jährige jetzt erstmals selbst ein Stück auf die Bühne.

    Schiffbauerdamm
    Katharina Thalbach besetzte Gustav Peter Wöhler (l) und Sabin Tambrea im Theater am Schiffbauerdamm.

    Mit ihrer lustvoll schrägen Inszenierung von Brechts sperrigem Frühwerk «Im Dickicht der Städte» gewann sie am Samstagabend die Herzen des Publikums im Sturm.

    Thalbach übersetzt das schwer verdauliche Stück vom «Kampf zweier Männer in der Riesenstadt Chicago», so der Untertitel, in eine dicht verwobene, opulente Beziehungstragödie. Neben ihr erhielten bei der Premiere besonders die beiden Hauptdarsteller Gustav Peter Wöhler und Sabin Tambrea begeisterten Beifall.

    Das Stück, in den 1920er Jahren in mehreren Fassungen entstanden, ist eine absurde Parabel auf den kapitalistischen Klassenkampf: Der malaiische Holzhändler Shlink (Wöhler) fordert den entlassenen Bibliotheksangestellten Garga (Tambrea) ohne ersichtlichen Grund zum Duell auf Leben und Tod heraus. Er überschreibt ihm seinen Reichtum und bringt den Gegner so dazu, seine Überzeugungen und die ihm nahestehenden Menschen Schritt für Schritt zu opfern. «Es ist nicht wichtig, der Stärkere zu sein, sondern der Lebendigere», erkennt Garga zum bitteren Schluss.

    In einem für Brechtsche Verhältnisse ungewöhnlich bunten und bewegten Bühnenbild (Momme Röhrbein) lässt Thalbach ihre Protagonisten in existenzieller Not aufeinander los: Da wird gesoffen, gelitten, gehurt und gequält, dass die Fetzen fliegen. «Ich möchte wissen, wie Sie das alles unter einen Hut bringen wollen», heißt es einmal in einem Zwischentext, den das Publikum mit dankbarem Lachen aufnimmt.

    Trotz der Zuspitzung auf das Duell der Männer gelingt Thalbach eine ungewöhnlich vielschichtige und facettenreiche Inszenierung - nicht zuletzt dank ihrer starken Frauenfiguren. Mara Widmann als Gargas besorgte Mutter, Judith Strößenreuter als verkaufte Schwester und Janina Rudenska als bodenlos betrunkene Freundin holten sich Sonderapplaus.

    Für die Regisseurin war der Abend ein doppeltes Heimspiel. Brecht sei für sie «eine Art Zuhause», sagte sie in einem Zeitungsinterview («Die Welt»). Zudem sei sie praktisch am Berliner Ensemble «geboren». Die Brecht-Witwe Helene Weigel hatte Thalbach seit dem Tod ihrer Mutter 1966 gefördert. «Pupperl, du bist begabt», wusste sie schon nach dem ersten Vorsprechen.

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