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    London

    Hilary Mantel gewinnt erneut den Man-Booker-Preis

    Lange Zeit wurden Historienwälzer von Kritikern eher selten mit dem Attribut anspruchsvoll bedacht - doch dann kam Hilary Mantel.

    Hilary Mantel
    Spezialistin für historische Romane: Hilary Mantel.
    Foto: Andy Rain - DPA

    Für den zweiten Teil ihrer Roman-Trilogie über Macht und Intrigen am Hof von Englands Heinrich VIII. mit dem Titel «Bring up the Bodies» hat die britische Autorin den renommierten Man-Booker-Preis bekommen. Die 60-Jährige ist damit die erste Frau und die erste Britin, die die Ehrung zum zweiten Mal erhält. 2009 war der Vorgänger des diesjährigen Preisträger-Buches, «Wolf Hall», ausgezeichnet worden.

    Der 1969 gegründete Booker-Preis ist mit 50 000 britischen Pfund (rund 61 700 Euro) dotiert und wird jährlich vergeben. Er gilt als eine der wichtigsten literarischen Ehrungen für englischsprachige Autoren aus Großbritannien, dem Staatenbund Commonwealth und Irland.

    «Diese doppelte Anerkennung ist mehr als verdient», sagte der Juryvorsitzende Peter Stothard bei der Preisvergabe am Dienstagabend in London. «Die beste englische Prosa-Schreiberin lässt die wahrscheinlich berühmteste Periode englischer Geschichte auferstehen. Es ist eine bekannte Geschichte mit einem unumgänglichen Ende, aber sie bringt sie zum Leben, als ob sie zum ersten Mal erzählt würde.» Mit ihrer Sprache schaffe sie moralische Ambivalenz und stelle die Unsicherheit politischen Lebens dar.

    In ihrer Trilogie erzählt Mantel die Geschehnisse am Hof Heinrich VIII. bis zum Jahr 1540 aus der Perspektive von dessen engstem Berater Thomas Cromwell. Im Fokus steht Heinrichs Liebe zu Anne Boleyn, für die er sich in einem historisch einmaligen Schritt vom Papst in Rom lossagte. Während «Wolf Hall» («Wölfe») Heinrichs Scheidung von seiner ersten Frau und Königin und die neue Ehe mit Anne Boleyn beschreibt, geht es in «Bring up the Bodies» um die Hinrichtung Anne Boleyns. Der dritte Teil «The Mirror and the Light», an dem Mantel derzeit arbeitet, soll vom Fall Cromwells handeln.

    «Ich weiß, wie privilegiert ich bin, heute Abend hier zu stehen, und wie viel Glück ich habe», sagte Mantel. Neben Mantel waren unter anderem die Autoren Will Self, Deborah Levy und Alison Moore nominiert gewesen.

    Die Sieger-Bücher des Booker-Preises werden meistens zu Bestsellern. Seit 1996 hat jedes von ihnen mehr als eine Million Pfund eingebracht, einige deutlich mehr. Zu den Preisträgern gehört etwa Yann Martels «Life of Pi», in Deutschland als «Schiffbruch mit Tiger» erschienen. Im vergangenen Jahr gewann Julian Barnes mit «The Sense of an Ending», «Vom Ende einer Geschichte». Die Jury wurde in den vergangenen Jahren häufiger kritisiert, zu kommerzielle Bücher auszuwählen. Hauptsponsor ist die Finanzfirma Man, hinter dem Preis steht außerdem die Booker Stiftung.

    Mantel war nach einem Jura-Studium zunächst Sozialarbeiterin geworden. Wegen einer Krankheit entschied sie sich, ihren Beruf aufzugeben und Schriftstellerin zu werden. Zwar schreibt sie schon seit vielen Jahren, der große Durchbruch kam aber erst gegen Anfang des neuen Jahrtausends.

    Man Booker Prize

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