40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Magazin
  • » News & Leute
  • » Gauck und Rehhagel: Die Alten müssen wieder ran
  • Aus unserem Archiv
    Berlin

    Gauck und Rehhagel: Die Alten müssen wieder ran

    Jung, erfolgreich, fotogen: Die Guttenbergs und Wulffs wurden in ihren besten Zeiten in einem Atemzug mit den Kennedys genannt. Aber die Glanzzeit der Glamourpaare ist erst einmal vorbei.

    Joachim Gauck
    Joachim Gauck soll Bundespräsident werden.
    Foto: Jörg Carstensen – DPA

    Der anstehende Einzug Joachim Gaucks ins Schloss Bellevue lässt sich als Indiz für einen gesellschaftlichen Wandel deuten – wie damals, als auf den Zigarren schmauchenden, etwas machohaften Kanzler Gerhard Schröder mit Angela Merkel eine nüchterne ostdeutsche Physikerin folgte.

    Mit Gauck wird künftig ein 72 Jahre alter DDR-Bürgerrechtler mit bewegter Biografie den Deutschen ins Gewissen reden, die Ehrenurkunden für Bundesjugendspiele unterschreiben und den Bundespresseball eröffnen. Altkanzler Helmut Schmidt wird mit 93 auf Parteitagen bejubelt, Fußballtrainer Otto Rehhagel soll mit 73 Jahren Hertha BSC retten. Die Alten müssen ran.

    Die Generation der Babyboomer sei gescheitert, erklärt Frank Schirrmacher in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «In Gestalt von Christian Wulff, Jahrgang 1959, hat ein Angehöriger dieser Generation das Höchste erreicht und in nie gesehener Geschwindigkeit alles vermasselt.» Die zwischen 1955 und 1970 Geborenen hätten keine Ideen hervorgebracht, bis auf den Neoliberalismus.

    «Sie haben auf jeden Fall ihre Chancen nicht genutzt», sagt der Hamburger Gesellschaftsforscher Peter Wippermann über die Babyboomer. Auch in der Wirtschaft kehrten Altgediente zurück. Durch Gauck werde sich «ziemlich viel» ändern: Mit 72 steht dieser laut Wippermann für die älter werdenden Deutschen, Gauck sei ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung.

    Politisch wertet Wippermann die Bellevue-Entscheidung als Schritt zu einer bürgerlich-konservativen Grundhaltung, hin zu weniger Showeffekten und mehr Besonnenheit. «Ich glaube, das ist für die Situation im Land außerordentlich positiv, weil man das Gefühl hat: Es gibt sie noch, die guten alten Traditionen.»

    Wippermann spielt damit auf einen Slogan des «Manufactum»-Katalogs voller Retro-Produkte an: «Es gibt sie noch, die guten Dinge». Und er verweist auf die hohe Auflage des Magazins «Landlust», das den Deutschen Heimeliges wie Marmelade kochen und Gärtnern nahe bringt. «Da sehen Sie, wo das Herz einer großen Gruppe der Gesellschaft schlägt.»

    Der Berliner Historiker Paul Nolte (Freie Universität) interessiert sich mehr für die politischen Gesichtspunkte als für die Stilfragen. Wulff sei kein glamouröser Präsident gewesen, meint er. Und Sehnsucht nach honorigen Staatsmännern? «Aber Gauck ist ja gar keiner, das ist doch der Punkt!» Ein Staatsmann sollte es ja gerade nicht werden, unterstreicht Nolte. «Honorig» erscheine man meistens erst hinterher, mit Abstand und Verklärung. «Die meisten Bundespräsidenten waren ganz normale Parteipolitiker, als sie ins Amt kamen, und in der Regel sind wir damit sehr gut gefahren.»

    Offen ist, welche Rolle Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt (52) spielen wird. Traditionell werden von einer First Lady Auftritte bei Staatsbesuchen und Empfängen, ehrenamtliches Engagement und Schirmherrschaften erwartet. Aber in Stein gemeißelt ist das nicht. Trendforscher Wippermann hält es für möglich, dass Schadt ähnlich im Hintergrund bleiben darf wie der Mann der Kanzlerin, Joachim Sauer. Auch das wäre ein Kontrastprogramm zu Bettina Wulff, ihrer vielfotografierten Vorgängerin.

    Schirrmacher-Artikel «Der Sturz der Babyboomer»

    Trendforscher Wippermann

    «Nürnberger Zeitung» zu Daniela Schadt

    Magazin
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst
    Maximilian Eckhardt
    0261/892743
    Kontakt per Mail
    Fragen zum Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Montag

    5°C - 7°C
    Dienstag

    8°C - 9°C
    Mittwoch

    8°C - 13°C
    Donnerstag

    6°C - 12°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    RTL-Dschungelcamp

    Am Freitag, den 19. Januar, startet eine neue Staffel des RTL-„Dschungelcamps“. Schauen Sie sich die Sendungen an?

    UMFRAGE
    Brauchen wir ein Alkoholverbot bei Karnevalsumzügen?

    In den vergangenen Jahren ist es bei Karnevalsumzügen in der Region immer wieder zu teils unschönen Szenen mit stark alkoholisierten jungen Menschen gekommen. Sollte ein grundsätzliches Alkoholverbot ausgesprochen werden, um das Problem zu lösen?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!