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Gary Oldman: Rolle als Churchill war ein Geschenk

Seine unglaubliche Verwandlung in den Staatsmann Churchill werde ihm den Oscar einbringen, hieß es – sogar noch bevor der Film „Die dunkelste Stunde“ in die Kinos kam. Gary Oldman im Gespräch.

Gary Oldman
Gary Oldman hat als Winston Churchill gerade einen Golden Globe gewonnen. Auch beim Filmfestival in Palm Springs wurde er für «Die dunkelste Stunde» ausgezeichnet.
Foto: Chris Pizzello/Invision – dpa

London (dpa) – Gary Oldman wirkt drahtig, witzig und vor allem gesund – das Gegenteil des korpulenten Staatsmann Winston Churchill, der eine Zigarre nach der anderen rauchte und im Bett, auf der Toilette und in der Badewanne arbeitete.

In der Filmbiografie „Die dunkelste Stunde“ spielt der 59-Jährige den legendären Staatsmann. In London stellte sich der Brite den Fragen der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Für die meisten Männerrollen in Hollywood muss man muskulös sein. Wie war diese Verwandlung ins Gegenteil?

Antwort: Ich sehe Churchill überhaupt nicht ähnlich und trotzdem gab Regisseur Joe Wright mir diesen großen Vertrauensvorschuss. Sogar der Spezialeffekte-Designer Kazuhiro Tsuji sagte, das wird sehr schwierig – und wenn es irgendjemand in der Welt gibt, der das schaffen kann, dann er. Wir gingen alle mit blindem Vertrauen rein.

Ich erinnere mich, dass ich hier in London auf einem Balkon mit Blick auf die Downing Street stand und mein damaliger Produzenten-Partner sagte „Weißt du was? Churchill!“ Und ich lachte mich krank. Stan Laurel hätte ich mir noch vorstellen können. Aber nicht diesen großen, robusten Mann. Was für ein Geschenk, die Chance zu haben, diesen Mann zu spielen und die Worte „Blut, Tränen und Schweiß“ zu sagen (Churchills bekannteste Rede vor dem britischen Parlament).

Frage: Trugen Sie einen Fettanzug oder haben Sie zugenommen?

Antwort: Oh nein, das war alles Polsterung. Man nimmt natürlich von dem verdammten Essen am Set zu, das passiert immer. Aber wenn man von diesem Zeug umhüllt ist, können Sie naschen, ohne dass es auffällt!

Frage: Ist Ihnen nach dem Dreh etwas von Churchill geblieben?

Antwort: Nikotinvergiftung war ein Problem...

Frage: Sie haben in der Vergangenheit einige Bösewichte gespielt. Wie war es, einen Helden zu spielen, besonders einen wie Churchill?

Antwort: Es war eine bewusste Entscheidung, den Guten zu spielen. Ich habe ein paar Gangster gespielt, und nach der ganzen Luc-Besson-Geschichte wurde ich immer auf einen Typen festgelegt: „Wir brauchen einen Bösewicht, meinst du, wir können Gary dazu bringen, für eine Szene vorbeizukommen?“.

Frage: Wie wählen Sie Ihre Rollen?

Antwort: Oft sind das die einzigen, die durch den Briefkastenschlitz flattern! Es ist nicht so, dass ich auf sieben oder acht oder zehn Angeboten hocke. Nehmen Sie „Nil by Mouth“ (Oldmans Regiedebüt 1997) – ich konnte keinen Penny auftreiben. Aber dann sagte Luc Besson, klar mache ich Garys Film. Er hatte das Drehbuch nicht einmal gelesen. Und er machte den Deal auf einer Papierserviette und sagte „okay“. Und als es um das „Fünfte Element“ ging (mit Luc Besson als Regisseur), las ich das Skript und wusste, jetzt kann ich mich revanchieren. Der Anruf kam und ich sagte, klar mache ich es. Da wusste ich noch nicht, dass ich dieses komische Ding aus Gummi auf dem Kopf tragen musste!

ZUR PERSON: Der 59-jährige Schauspieler Gary Oldman ist vor allem für seine vielseitigen Porträts bekannt – vom Sex Pistol-Bassisten Sid Vicious bis hin zu Ludwig van Beethoven. In den 90ern machte er sich als Bösewicht einen Namen („Léon – der Profi“, „JFK – Tatort Dallas“). Die Hauptrolle in „Dame, König, As, Spion“ brachte ihm 2012 eine Oscar-Nominierung ein. Für seine Rolle in „Die dunkelste Stunde“ gewann er gerade den Golden Globe als bester Hauptdarsteller.

Die dunkelste Stunde

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