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    Duisburg

    Fünf Regenmäntel: Ai-Retrospektive in Duisburg

    Als entschiedener Regimekritiker und eigenwilliger Künstler ist der Chinese Ai Weiwei unumstrittener Medienliebling des Westens.

    Ai Weiwei Ausstellung
    Fünf Regenmäntel des chinesischen Künstlers Ai Weiwei in Duisburg.

    Den künstlerischen Gehalt im Werk des 1957 geborenen Mannes aus Peking, der mit spektakulären Auftritten bei der Documenta 2007 in Kassel und unlängst im Haus der Kunst in München auf sich aufmerksam gemacht hat, untersucht jetzt eine Retrospektive in Duisburg. Das private Museum DKM zeigt ab Freitag (bis 20. September) unter dem Titel «Barely Something» rund ein Dutzend skulpturale Arbeiten, eine Reihe von Fotografien und Künstlerbücher Ais aus 15 Jahren.

    Selbstverständlich fehlen Großfotos von Röntgenaufnahmen seines Gehirns als das wohl bekannteste «Werk» Ai Weiweis auch in Duisburg nicht: Sie dokumentieren die gefährlichen Hirn-Blutergüsse, die der Chinese im vergangenen August erlitten hatte, als ihn die chinesische Polizei zusammenschlug. Über die notwendige Operation in München informierte der emsige Blogger, seit seinem USA-Studium an Performance und Konzeptkunst geschult, die weltweite Fangemeinde und setzte so seine «öffentliche Person» den dauernden Nachstellungen der chinesischen Behörden entgegen.

    Viel poetischer ein nie gezeigtes Frühwerk von 1986, das Ai auf Bitten des Ausstellungskurators Roger M. Buergel aus seinem Fundus gekramt und nach Duisburg gebracht hat. «Fünf Regenmäntel» aus froschgrünem Gummi liegen flach am Museumsboden, rote Kupferrohre geben Struktur: Alles wirkt wie europäische Arte Povera, ist aber voller Anspielungen auf den Alltag im rasant modernisierten China. Subtil verbrämte Kritik an der Traditionsvergessenheit der Pekinger Staatsführung: Auf einer Performance-Fotoserie von 1995 lässt Ai eine kostbare Vase am Boden zerschellen – die Scherben sind in der Retrospektive ausgelegt.

    In bester chinesischer Handwerksarbeit ließ Ai acht Balken von zerstörten alten Tempeln nahtlos zu einem riesigen Balken zusammenfügen, in dessen hohlem Kern der Umriss Chinas als Negativform erkennbar ist. Und beinahe schmerzhaft als Menetekel jedweder Intoleranz wirkt der Anblick sorgsam gesockelter Bruchstücke von steinernen Buddha-Figuren, die bereits in uralten Religionskriegen in China zerschlagen worden sind.

    Das chinesische Talent, Fremdes rasch zu integrieren, drückt der gegen jede bewusstlos-brutale Modernisierung seines Landes opponierende Künstler sehr augenfällig aus. Auf eine wohl 2000-jährige Ton-Urne der Han-Dynastie pinselte er sorgsam den Schriftzug «Coca Cola», dessen weltbekannter Schwung sich auf dem bauchigen Gefäß durchaus passend ausnimmt.

    www.stiftung-dkm.de

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