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Mannheim

Freyer inszeniert Wagners «Walküre»

Geheimnisvolle Bilder überfluten die Zuschauer im Mannheimer Nationaltheater: Ein kiffender, fantasievoll gekleideter Herr tänzelt immer wieder von links auf die Bühne, um gleich darauf wieder zu verschwinden.

Achim Freyer
Achim Freyer hat Richard Wagners «Walküre» in Szene gesetzt.
Foto: Wolfgang Kluge – DPA

Ein ganzes Hunderudel läuft dressiert diagonal durchs Bild. Acht schwarz gekleidete Frauen tragen auf dem Kopf skurrile Figuren. Dazu rotiert die Drehbühne unter zwei gleißenden roten und weißen Leuchtstäben – Achim Freyer, der international gefeierte Poet unter den Regisseuren, war am Werk und hat Richard Wagners «Walküre» in Szene gesetzt.

Die Premiere am Sonntagabend gab dem Publikum manches Rätsel auf. Vieles wurde aber im Laufe der Aufführung klar: Die schwarzen Frauen sind die Walküren, Wotans kriegerische Töchter, die den berühmten, «Walkürenritt» zum Auftakt des dritten Aktes mit scheinwerferbewaffneten Rollstühlen, Einkaufswagen und rollenden Paletten zelebrieren. Der kiffende Herr entpuppt sich am Schluss als Feuergott Loge. Die Hunde gehören zu Hundings Meute. Der weiße Leuchtstab ist Wotans Speer, der rote das Schwert «Nothung». Dennoch bleiben viele rätselhafte Bilder.

Der vielseitige Künstler ist beim gesamten Mannheimer «Ring des Nibelungen» für Regie, Bühne, Kostüme und Lichtkonzept verantwortlich. In der nächsten Spielzeit wird das «Bühnenfestspiel» durch «Siegfried» und «Götterdämmerung» komplettiert werden. Im Gespräch räumte Freyer ein: Wie es weitergehen wird, ist noch offen, obwohl viele poetische Spuren gelegt sind. Schon zur «Halbzeit» steht aber fest: Achim Freyer hat den fast nicht mehr zu überschauenden «Ring»-Deutungen seine eigene Sicht hinzugefügt.

Das Wälsungenpaar trägt Wolfsdress. Heike Wessels (Sieglinde) ist ein jugendlich-frischer dramatischer Sopran. Endrik Wottrich (Siegmund), ihr Zwillingsbruder und Geliebter, singt mit baritonal gefärbtem Heldentenor. Hunding, Sieglindes Zwangsehegatte, ist als Hund verkleidet. Manfred Hemm serviert das mit düsterem Charakterbass. Karsten Mewes (Bariton) singt einen hoch differenzierten Wotan. Edna Prochnik als Wotans Gattin Fricka beeindruckt nicht nur durch das schwarze Baguette als Kopfputz, sondern auch mit ihrem wohlklingenden Mezzo. Und Judith Nemeth als Brünnhilde ließ mit ihrem voluminösen Sopran keine Wünsche offen.

Das Orchester des Nationaltheaters unter Dan Ettinger hatte für die «Rheingold»-Premiere viel Kritik kassieren müssen: zu rustikal, unsauber – so war zu lesen. Bei der «Walküre» ging es glimpflich ab. Die Koordination zwischen Bühne und Orchestergraben klappte professionell. Dennoch blieben viele Wünsche offen: Die Dynamik wirkte zu pauschal. Ein echtes Piano war nie zu hören. Dafür deckte das schwere Blech die Sänger oft zu. Am Schluss viel Beifall für die Sänger und manches Buh für Regisseur Achim Freyer.

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