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Cannes

Filmfestival Cannes startet mit starker Frauenpräsenz

dpa

Diese Frage verfolgt das Filmfest Cannes seit Jahren: Welche Rolle spielen die Frauen? Dürfen sie nur glamourös über den roten Teppich laufen und starke Filmrollen übernehmen?

Das Filmfest Cannes
Das offizielle Plakat der Filmfestspiele von Cannes.
Foto: FDC/LAGENCY/TASTE/DAVID SEYMOUR/MAGNUM PHOTOS – dpa

Oder dürfen sie auch hinter der Kamera stehen und sich als Regisseurinnen feiern lassen? Immerhin sind Filme von Frauen in Cannes seit langem eine Rarität, was immer wieder für heftige Diskussionen sorgte. Umso überraschender mag da zunächst sein, dass Festivalleiter Thierry Frémaux die 68. Internationalen Filmfestspiele an diesem Mittwoch (13.5.) mit dem Werk einer Regisseurin eröffnet. Die Einschränkung auf diese Ankündigung folgte allerdings schnell – «Standing Tall» von Emmanuelle Bercot läuft außer Konkurrenz und wird nicht um die Goldene Palme konkurrieren. Der Wettbewerb bleibt bis auf zwei Ausnahmen wieder eine Männerdomäne.

Nichtsdestoweniger könnte die Französin Bercot mit ihrem Werk einen Vorgeschmack auf die diesjährige Auswahl geben. «La tête haute», wie der Film im Original heißt, erzählt, wie eine Jugendrichterin (Catherine Deneuve) einen jungen Kleinkriminellen wieder auf die richtige Bahn bringen will. Sozialkritik gleich zum Auftakt, das gab es selten, meist stand da Glamour im Vordergrund. «Wir wollten das Festival mit einem etwas anderen Film eröffnen, einer, der mutig und gleichzeitig bewegend ist», erklärte Frémaux. Überhaupt scheinen sich in den darauffolgenden Tagen häufig gesellschaftskritische Töne mit Startrubel zu verbinden.

Eine besonders hohe Promidichte wird in Südfrankreich für die Filme außer Konkurrenz erwartet: Woody Allen bringt für «Irrational Man» um einen hadernden Philosophieprofessor Joaquin Phoenix und Emma Stone auf der Leinwand zusammen. George Miller lässt seine legendäre Filmfigur «Mad Max» nach rund 30 Jahren wiederauferstehen und zeigt den mit Spannung erwarteten neuen Teil «Fury Road» mit Tom Hardy und Charlize Theron an der Côte d’Azur. Und Oscar-Preisträgerin Natalie Portman («Black Swan») darf ihr Regiedebüt «A Tale of Love and Darkness» in einer Sondervorführung vorstellen.

Aber auch der Wettbewerb muss sich bei all dem nicht verstecken. Neben etablierten Regisseuren bekommen dieses Mal gleich mehrere vielversprechende jüngere Talente die Chance aufs Rampenlicht. Yorgos Lanthimos etwa ist einer der bekanntesten Jungregisseure Griechenlands. Nun schickt er die dystopische Zukunftsvision «The Lobster» mit Colin Farrell und Rachel Weisz ins Palmen-Rennen.

Auch der Australier Justin Kurzel ist dabei: Sein «Macbeth» mit dem Deutsch-Iren Michael Fassbender und Oscargewinnerin Marion Cotillard könnte – ersten Bildern zufolge – eine äußerst düstere und rohe Angelegenheit werden. Die Französin Valérie Donzelli hingegen, eine von gerade mal zwei Frauen im Wettbewerb, erzählt mit «Marguerite et Julien» eine Inzestgeschichte um die Liebe zweier Geschwister.

Zu den bekannteren Namen in der Palmen-Auswahl gehört Jacques Audiard, der nach seinem Erfolg «Ein Prophet» nun mit «Dheepan» eine Flüchtlingsstory aus Frankreich vorlegt. Paolo Sorrentino (Oscar für «La Grande Bellezza») lässt in «Youth» Michael Caine und Harvey Keitel über das Leben sinnieren. Aus den USA kommen Gus Van Sants «The Sea of Trees», in dem Matthew McConaughey am Fuji Selbstmord begehen möchte, sowie «Carol» von Todd Haynes, in dem Cate Blanchett und Rooney Mara nach einer Romanvorlage von Patricia Highsmith eine lesbische Liebe erleben.

Für Spekulationen, wer am Pfingstsonntag die Goldene Palme gewinnt, ist es natürlich noch viel zu früh. Angesichts der starken Konkurrenz dürften der Jury unter Vorsitz der Brüder und mehrfachen Oscargewinner Ethan und Joel Coen («No Country for Old Men») allerdings einige Diskussionen bevorstehen.

Eines aber wird es in diesem Jahr mit Sicherheit nicht geben: einen deutschen Gewinnerfilm. Denn unter 19 Wettbewerbsbeiträgen, davon allein fünf aus Frankreich, kommt kein einziger aus Deutschland – nicht einmal als Ko-Produktion. Das Filmland Deutschland steht in dieser Festivalausgabe also noch schlechter da als die Frauen.

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