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    Berlin

    Feilschen bis zuletzt – Suhrkamp verliert Vargas Llosa

    Walser, Kehlmann, Ruiz Zafón - und jetzt auch noch Mario Vargas Llosa: Die Abwanderung prominenter Autoren vom Suhrkamp Verlag reißt nicht ab.

    Mario Vargas Llosa
    Mario Vargas Llosa stellt seinen Roman «El sueño del celta» in Madrid vor.

    Mit dem Weggang des diesjährigen Literatur- Nobelpreisträgers, der sein neues Werk «El sueño del celta» (Der Traum des Kelten) auf Deutsch bei Rowohlt herausbringt, verliert das Traditionshaus wieder einen prominenten Schriftsteller. Suhrkamp, maßgeblich am Erfolg der Literatur aus Spanien und Lateinamerika in Deutschland beteiligt, hat 26 Titel von Vargas Llosa im Programm - ausgerechnet das Buch nach der Nobelpreiskür wandert zur Konkurrenz.

    «Der Wechsel ist Ergebnis eines harten Bieterbewerbs», sagt Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil. Bis zuletzt habe sich das Feilschen um den Peruaner hingezogen - ein Hinweis darauf, dass Vargas Llosas Agentin Carmen Balcells aus Barcelona nach der Nobelpreis-Bekanntgabe hoch gehandelt hat. «Wir hätten den Roman gerne verlegt», betont Postpischil.

    Ob Vargas Llosas «Die Stadt und die Hunde» und «Das Fest des Ziegenbocks» oder Isabel Allendes «Geisterhaus» - mit lateinamerikanischen Autoren konnte Suhrkamp immer wieder Kasse machen, nicht zuletzt dank Michi Strausfeld, die sich als «Literaturscout» jahrelang um die Schriftsteller kümmerte. 2008 ging sie zu S. Fischer - und mit ihr auch Carlos Ruiz Zafón und sein Bestseller «Das Spiel des Engels». Für Vargas Llosa habe aber S. Fischer nicht geboten, sagte Strausfeld jetzt auf Anfrage.

    «El sueño del celta» war am Mittwoch mit einer Startauflage von einer halben Million Exemplaren auf dem spanischsprachigen Markt in den Handel gekommen. In der gerüchtefreudigen deutschen Buchbranche wird der Verlust von Vargas Llosa als «Katastrophe für Suhrkamp» und Ausdruck eines verlegerischen Richtungswechsels gewertet. Vermutlich, so wird spekuliert, habe Suhrkamp sich schon vor der Nobelpreisvergabe von ihm getrennt. Es sei peinlich gewesen, dass am Suhrkamp-Stand auf der Frankfurter Buchmesse kein einziges Buch von ihm griffbereit gewesen sei. Und Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz soll allzu deutlich ihre Vorliebe für den Israeli Amoz Oz ausgedrückt haben.

    Der Weggang von Michi Strausfeld «im Bösen» sei, wie ein Branchenkenner sagt, ein Indiz dafür, dass die lateinamerikanische Literatur bei Suhrkamp nicht mehr den Stellenwert habe wie früher zu Zeiten des Patriarchen Siegfried Unseld. «Es stellt sich die Frage, ob Suhrkamp überhaupt noch Lust hatte, für die Lizenzausgabe von Vargas Llosas neuem Roman 150 000 oder 200 000 Euro auszugeben - in jedem Fall war es eine finanzielle und verlegerische Fehlentscheidung.»

    Noch Ende August hatte Suhrkamp nach seinem Umzug nach Berlin groß den 60. Verlagsgeburtstag gefeiert. Ob Brecht, Hesse und Frisch, Jürgen Habermas oder Theodor W. Adorno - lange galt der 1950 von Siegfried Unseld gegründete Verlag in der Verbindung von Literatur und Geisteswissenschaften als intellektuelle Heimat der Republik.

    Der jüngste Wechsel ist auch Folge eines verschärften Wettbewerbs in der Buchbranche. Verlage setzen immer stärker auf Spitzentitel, die sie dann mit der ganzen Kraft des Marketings bewerben - und für die sie auch bereit sind, große Summen beim Rechtekauf zu bezahlen. Der «neue Vargas Llosa» dürfte ein guter Griff sein. Allerdings konnte Suhrkamp auch in umgekehrter Richtung Siege verbuchen, etwa mit Uwe Tellkamp («Der Turm»), den Suhrkamp von Rowohlt holte.

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