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    New York

    «Es war großartig»: Talk-Ikone David Letterman hört auf

    Madonna fluchte, Drew Barrymore sprang auf den Tisch und zog ihr T-Shirt hoch und Julia Roberts gab ihm einen Kuss auf den Mund - aber David Letterman blieb bei all dem Chaos um ihn herum stets stoisch ruhig, unendlich höflich und trocken witzig.

    David Letterman
    David Letterman will mehr Zeit mit der Familie verbringen.
    Foto: Dennis Van Tine - DPA

    Nach mehr als drei Jahrzehnten als Late-Night-Moderator rief das gefeierte Urgestein der Szene vor der Aufzeichnung seiner Sendung am Donnerstag in New York seinen Sender-Chef Leslie Moonves an und verkündete das irgendwann Unausweichliche. «Leslie, es war großartig, aber ich gehe in den Ruhestand.»

    Ein genaues Datum steht noch gar nicht fest, mindestens ein Jahr will der 66-Jährige erstmal noch auf Sendung bleiben, aber Amerika betrauert schon jetzt den Abschied des Talk-Königs. «Es gibt mehr als zehn Gründe dafür, dass David Letterman uns fehlen wird», kommentierte US-Präsident Barack Obama per Kurznachrichtendienst Twitter - in Anspielung auf eine beliebte Show-Rubrik des Moderators. «Fernsehen wird nicht mehr das selbe ohne dich sein», twitterte Lettermans Kollegin und Oscar-Moderatorin Ellen DeGeneres. Und auch Late Night Show-Konkurrent Jimmy Kimmel verbeugte sich. «David Letterman ist der beste, den es gibt und den es je gab.»

    Letterman hat alles erreicht, was man in seiner Branche erreichen kann: Nach kleineren Jobs bei Radio, Fernsehen und als Comedian war er mehr als 30 Jahre lang Moderator einer Late Night Show, seit 1993 der «Late Show with David Letterman» bei CBS. Er hatte alle bekannten Stars zu Gast, erfand Dutzende heute allgegenwärtige Show-Rubriken, gewann zahlreiche Auszeichnungen und prägte den späten Fernsehabend in den USA wie kein anderer. Auch die Oscars und die Emmys moderierte Letterman jeweils einmal. Bis heute gilt er als einer der originellsten und kreativsten Köpfe der Branche.

    In den USA wird Letterman vor allem auch sein Auftritt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York hoch angerechnet. Als erster Moderator kehrte er mit seiner Sendung schon sechs Tage später auf den Bildschirm zurück und sprach tief bewegt über das Erlebte. Damit habe er dem Land die Freiheit zu Lachen wiedergegeben, schrieb die «New York Times». «Wenn man es zuvor nicht geglaubt hat, muss man es jetzt auf jeden Fall glauben», sagte Letterman in der Sendung. «New York City ist die großartigste Stadt der Welt.»

    Aber inzwischen ist Letterman vor allem auch müde. Mehr als 6000 Stunden Fernsehen wird er bis zu seinem endgültigen Abschied 2015 moderiert haben, rechnete die «New York Times» vor. Er werde in der kommenden Woche 67 Jahre alt und er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, gab der 1947 im US-Bundesstaat Indiana geborene Moderator selbst als Gründe für seinen Ruhestand an. Letterman ist zum zweiten Mal verheiratet und hatte 2003, mit weit über 50 Jahren, noch einen Sohn bekommen.

    Sein Abschied wird auch den Generationenwechsel in der Late Night Show-Szene weiter vorantreiben. Vor zwei Monaten erst hatte Lettermans Kollege Jay Leno (63) seine «Tonight Show» an Jimmy Fallon (39) abgegeben, der seitdem außergewöhnliche gute Kritiken und hohe Einschaltquoten eingefahren hat. Zeitgleich mit Letterman läuft beim Sender ABC zudem auch noch die Late Night Show des ebenfalls sehr beliebten Moderators Jimmy Kimmel (46). Lettermans Einschaltquoten dagegen sanken in letzter Zeit.

    Die Spekulationen über die Nachfolge Lettermans laufen in den US-Medien bereits heiß: Stephen Colbert, der eine Late Night Show beim Sender Comedy Central moderiert? Der Star der gerade zu Ende gegangenen Serie «How I Met Your Mother», Neil Patrick Harris? Oder warum nicht auch mal eine Frau, die Komikerin Chelsea Handler zum Beispiel, Tina Fey, oder Amy Poehler? Offizielle Äußerungen dazu gibt es noch nicht.

    Letterman will seinen Abschied so handhaben, wie er es seine ganze Karriere lang gemacht hat: Stoisch ruhig, unendlich höflich - und natürlich witzig. «Wenn diese Show einmal keinen Spaß mehr macht», sagte er seinem Publikum am Donnerstag. «Dann gehe ich in den Ruhestand - zehn Jahre danach.»

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