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    Ein “Chamäleon” verzaubert London: Gerhard Richters “Panorama” begeistert die Briten

    London - In der Tate Modern kann man jetzt oft dieses Bild sehen: In einem weiten, hell erleuchteten Raum blicken verwunderte, verstörte, amüsierte und entzückte Besucher zwischen zwei benachbarten Gemälden hin und her, die scheinbar gar nicht zusammengehören. Rechts eine gewaltige Abstraktion mit kräftigen Blau-, Gelb- und Rottönen, die einen von Sonnenstrahlen erleuchteten Wald darstellen soll. Links ein feines und romantisch verklärtes Porträt einer „Leserin“, mit unsichtbaren Pinselstrichen so delikat gemalt, dass man es auf den ersten Blick für ein Foto halten könnte.

    Gerhard Richter: Lesende, 1994.
    Gerhard Richter: Lesende, 1994.
    Foto: San Francisco Museum of M

    London - In der Tate Modern kann man jetzt oft dieses Bild sehen: In einem weiten, hell erleuchteten Raum blicken verwunderte, verstörte, amüsierte und entzückte Besucher zwischen zwei benachbarten Gemälden hin und her, die scheinbar gar nicht zusammengehören.

    Gerhard Richter: Betty, 1988.
    Gerhard Richter: Betty, 1988.
    Foto: Saint Louis Art Museum ©

    Rechts eine gewaltige Abstraktion mit kräftigen Blau-, Gelb- und Rottönen, die einen von Sonnenstrahlen erleuchteten Wald darstellen soll. Links ein feines und romantisch verklärtes Porträt einer „Leserin“, mit unsichtbaren Pinselstrichen so delikat gemalt, dass man es auf den ersten Blick für ein Foto halten könnte. Es fällt manchen Kunstliebhabern in London schwer zu glauben, dass beide Kunstwerke von einem Genie stammen können, das seit Anfang Oktober die Metropole in seinem kreativen Zauber gefangen hält: Gerhard Richter, dessen nahenden 80. Geburtstag (am 9. Februar 2012) die Briten mit einer großen Retrospektive namens „Panorama“ feiern.

    Gerhard Richter: Abstraktes Bild, 1990.
    Gerhard Richter: Abstraktes Bild, 1990.
    Foto: Privatsammlung © Gerhard

    Der berühmte deutsche Künstler ist ein alter Bekannter für die Inselbewohner, die zuletzt 2008 und 2009 manche seiner Werke in den Londoner Galerien bewundern konnten. Jedoch ist die derzeitige Tate-Show anders als die bisherigen Ausstellungen: größer, komplexer und vielseitiger, voller Widersprüche, Brüche und Überraschungen. Abstrakte, unruhige Kompositionen hängen hier neben intimen und zarten Porträts. Ölbilder wurden mit Spiegeln, Fotos und Kunstwerken aus Glas und Metall zusammengeführt. Fantasie und Realität verschmelzen in einem von Energie und Farben sprühenden Kaleidoskop, der zwischen Lebensfreude und Melancholie schwankt. So wird das Publikum, das sich eben noch an ätherischen Wolkengemälden ergötzt hat, im nächsten Raum mit schwarz-weißen Leichenbildern hart auf den Boden der Tatsachen geholt.

    Das „Panorama“, das in enger Zusammenarbeit mit Richter entstand, zeigt eine fünf Jahrzehnte umfassende Karriere zwischen den Extremen, die von einer permanenten Suche geprägt war. „Das ist das Besondere an diesem unkonventionellen Künstler in meinen Augen – dass er unentwegt Fragen über die Materialität der Malerei und ihr Verhältnis zur Fotografie und Geschichte stellt – uns dabei aber niemals Antworten gibt“, sagt der Leiter der Ausstellung, Mark Godfrey. „Das sind universelle Fragen, die jeden betreffen: Deshalb ist Richter für die Briten nicht weniger interessant als für die Deutschen“. Godfrey hat nach eigenen Worten zwei Jahre lang hart daran gearbeitet, die verschiedenen Puzzleteilchen der spektakulären Show aus Amerika und Europa zusammenzutragen. Er ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Sie wird für echte Fans und alle, die Richter noch nicht kennen, eine wirkliche Offenbarung sein“.

    Die Reaktionen sind in der Tat fast durchgehend euphorisch. „Beste Ausstellung aller Zeiten. Dieser geniale Mann ist wie ein Chamäleon“, hat ein unbekannter Besucher auf ein Kärtchen an der Tate-Pinnwand geschrieben. „Ich musste meine Mutter anrufen und ihr erzählen, dass ich eben vor Freude geweint habe“, teilt eine andere gerührte Kunstliebhaberin mit. Auch die Fachleute sind sich einig: Der große Deutsche habe für einen kulturellen Höhepunkt des Jahres an der Themse gesorgt. „Er kann gar nicht anders, als auf der Leinwand immer neue Wunder zu erschaffen“, preist der „Independent“. Der Kritiker des „Guardian“ staunt über die Fähigkeit des Deutschen, die „Welt auszuradieren und sie stets in aller Komplexität neu zu erschaffen“. Manche haben ihn mit Picasso verglichen.

    Mark Godfrey erwartet, dass „Panorama“ bis 8. Januar mindestens 150 000 Besucher in die Tate Modern locken wird. Die Wanderausstellung wird danach in der Berliner Neuen Nationalgalerie (12. Februar bis 13. Mai) und dem Pariser Centre Georges Pompidou (6. Juni bis 24. September) zu sehen sein.

    Von unserem Londoner Korrespondenten Alexei Makartsev

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