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    Köln

    Deutsch-französische Kathedralen-Ausstellung in Köln

    Die Gewöhnung macht den Kölner Dom für die Einwohner der Stadt häufig unsichtbar. Aber dann gibt es wieder Situationen, in denen er sie überrascht.

    Ausstellung «Die Kathedrale»
    Der Wasserspeier aus der Kathedrale von Reims in Köln.
    Foto: Henning Kaiser - DPA

    Zum Beispiel wenn seine massigen Umrisse nach längerer Heimfahrt am Horizont auftauchen. Dann kann es sein, dass auch derjenige, der ihn schon tausendmal gesehen hat, für einen Moment wieder wie vom Donner gerührt ist. Diesen besonderen Moment kann man jetzt in einer großen Gemäldeausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum nachempfinden.

    Ausstellung «Die Kathedrale»
    Die Figur «Die Kathedrale» (1908) von Auguste Rodin in der Kölner Schau.
    Foto: Henning Kaiser - DPA

    180 Kathedralen-Darstellungen von Caspar David Friedrich bis Roy Lichtenstein hat das Museum gemeinsam mit dem Musée des Beaux-Arts in der französischen Domstadt Rouen zusammengebracht. Alle Künstler hatten ein ähnliches Motiv und malten doch ganz unterschiedliche Bilder.

    Ausstellung «Die Kathedrale»
    Blick aus dem Wallraf-Richartz-Museum auf den Kölner Dom.
    Foto: Henning Kaiser - DPA

    Einige der berühmtesten - und für viele auch schönsten - Kathedralenbilder stammen von Claude Monet. Er malte die Kathedrale von Rouen in den Jahren 1892 bis 1894 gleich 33 Mal, immer zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei anderem Wetter. Monet zeigt mit seiner Bilderserie, was jeder Kölner aus Erfahrung weiß: Ein Dom kann seine Farbe wechseln. Der Kölner Dom zum Beispiel ist keineswegs immer schwarz. Im warmen Nachmittagslicht leuchtet er golden. Nachts im Schein der Fluchtlichtscheinwerfer schimmert er blass.

    Doch es ist ein anderes Ausstellungsstück, von dem man wohl sagen kann, dass kaum ein Besucher es je wieder vergessen wird. Kein Gemälde ist es, sondern die Skulptur eines Höllenhund-Kopfes, eines Wasserspeiers von der Kathedrale von Reims, dazu gedacht, Regenwasser vom Dach abzuleiten. Doch vor 100 Jahren - im September 1914 - wurde die einstige Krönungskirche der französischen Könige von deutschen Truppen beschossen.

    Der Dachstuhl fing Feuer. Die Hitze sprengte nicht nur die mittelalterlichen Fenster, sondern ließ auch das Blei schmelzen, mit dem das Dach der Kathedrale bedeckt war. So spuckte der Höllenhund kein Wasser mehr, sondern Blei. Als es später wieder erkaltete, verband es sich für immer mit dem Gestein. Ein ganzer Raum der Ausstellung dokumentiert in Gemälden, Aquarellen, Fotos und eben in dieser Skulptur das Ausmaß der Verwüstung. Die Franzosen empfanden den Beschuss als einen Angriff auf ihre Identität.

    Als 1248 der Grundstein des Kölner Doms gelegt wurde, war die Gotik am Rhein noch als der «französische Stil» bekannt. Dass sich die Deutschen später einbildeten, den Stil selbst erfunden zu haben, geht wesentlich auf eine Bildungslücke des jungen Goethe zurück, der 1773 über das Straßburger Münster schrieb: «Das ist deutsche Baukunst, da der Italiener sich keiner eigenen rühmen darf, viel weniger der Franzos.» Später erkannte er seinen peinlichen Irrtum, doch da hatte sich dieser längst in den Köpfen seiner Leser festgesetzt. So konnte der Weiterbau der Kölner Domruine im 19. Jahrhundert zu einem Symbol für das Zusammenwachsen Deutschlands und ein Übertrumpfen Frankreichs werden.

    Die Kathedrale von Reims ist heute einer der wichtigsten Erinnerungsorte der deutsch-französischen Freundschaft, denn eben hier feierten Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle 1962 ihre berühmt gewordene Friedensmesse. In einem Jahr, in dem der europäische Friede erneut bedroht scheint, nimmt man dies plötzlich als weniger selbstverständlich hin. Der Blei spuckende Wasserspeier mahnt.

    Informationen zur Ausstellung

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