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Berlin

Der Trend geht zum Hutbürger

dpa

Vielleicht ist es der Kate-Effekt. Die Deutschen werden langsam wieder zu Hutbürgern. Wagen sich mit eigenwilligen Kreationen auf die Rennbahn und zur Vernissage.

Hutmode
Neue Hüte auf der Accessoires-Messe «Date» in Düsseldorf.
Foto: Roland Weihrauch – DPA

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Blickfänger beim Lady's Day in Ascot
Foto:Charlie Crowhurst – DPA

Das jedenfalls ist die Analyse von Manfred Röhrl (71), und der ist immerhin Leiter des Hutmuseums Lindenberg im Allgäu und hat vorher 33 Jahre in der Damenhutfabrikation gearbeitet. «Es kommt immer mehr», sagt er der Nachrichtenagentur dpa. Er meint die «Tupferl» auf dem Kopf. «Die Damen sind sehr modisch geworden und passen sich immer mehr dem englischen Königshaus, den englischen Schönheiten, an.» Früher habe Paris die Hutmode bestimmt, heute seien es die Königshäuser, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchten. Stilbildend hier: Kate Middleton, die Gattin Prinz Williams. Of course.

Hutmode
Entwurf von Lena Hoschek bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin 2011.
Foto: Sören Stache – DPA

Wer auf sich hält – so sagen die, die dran verdienen -, der lässt sich einen individuellen Kopfputz anfertigen, passend zum Kleid. Bei den Herren liegt der handgeflochtene Panama-Hut im Trend, der auch gleich mal 500 Euro kosten kann.

Hutmode
Schauspieler Ben Becker mit Hut.
Foto: Georg Wendt – DPA

Erlebt Deutschland eine Renaissance des Hutes? Eine kleine vielleicht. Mit früher ist es nicht zu vergleichen. In den 20er und 30er Jahren ging ja kein Herr ohne Hut aus dem Haus. Der Hut war ein Kommunikationsmittel, das sieht man noch in alten Filmen: Wenn Oliver Hardy («Dick und Doof») zum Beispiel wütend ist, zerknüllt er seine Melone oder trampelt darauf herum. Ist er verlegen, dreht er sie in den Händen. Will er eine Frau beeindrucken, schiebt er sich den Hut keck in die Stirn. Und manchmal, wenn ihm das Teil vom Kopf geflogen ist, unternimmt er lebensgefährliche Sachen, um es zurückzubekommen. Ein Mann ohne Hut war kein Mensch.

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Basthut von Diesel.
Foto: Britta Pedersen – DPA

Herr Röhrl sagt also, dass Deutschland beim Hut über den Kanal schaut. Es kann nicht exzentrisch genug sein. Doch Vorsicht: Ausgerechnet die Pferderennbahn Ascot («My Fair Lady») hat gerade neue Hut-Vorschriften erlassen. «Die Regeln sind ein bisschen strenger geworden», erläutert Leander Rougier vom Londoner Hutmacher James Lock & Co, gegründet 1676, der Nachrichtenagentur dpa. «Wenn man in der Royal Enclosure bleibt, dann muss der Hut einen Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern haben.»

Royal Enclosure? Das ist da, wo auch die Mitglieder der Königsfamilie das Rennen verfolgen. Zuletzt waren dort kleine «fascinators» trendy, berichten britische Medien. Eigenwillige Schöpfungen, die kaum noch an Hüte erinnern, sondern eher an Frisbeescheiben, Elchgeweihe, Kranich-Massaker.

Man kann alles übertreiben. «Und nicht jeder Hut steht jedem», erläutert Leander Rougier. «Es hängt von der Körpergröße ab, von der Gesichtsform und von der Hautfarbe.» Bei James Lock wird die Kopfform noch mit einer speziellen Metallmaschine vermessen. In einer Vitrine ruht der schwarze Zweispitz von Admiral Nelson aus der Schlacht von Trafalgar.

Um dem Hut in Deutschland endgültig zum Durchbruch zu verhelfen, müsste sich vermutlich auch mal Angela Merkel mit Kopfputz sehen lassen. Gerade in ihrem Fall würde es sich empfehlen, den Rat eines Fachmanns einzuholen, sagt Röhrl. «Sie müsste einen kleineren Hut tragen, nicht so einen großen, der würde nicht zu ihr passen. Sie mag ja große Politik machen. Aber der Hut sollte klein sein.»

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