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    Paris

    Der Reiz des Verbrechens: Von Goya bis Degas

    Die Guillotine hat unter den Zeitgenossen damals sicherlich mehr Angst und Schrecken verbreitet als heute. Doch eine symbolträchtigere Einführung in die seit Dienstag geöffnete Ausstellung «Schuld und Sühne» hätte das Pariser Orsay-Museum nicht finden können.

    Austellung über Verbrechen und Strafe
    Düster: Ein Gemälde von Gustave Moreau in der Pariser Schau.

    Der Apparat zum Abschlagen von Köpfen steht symbolhaft für Verbrechen und Strafe, Themen, die Generationen von Künstlern fasziniert haben. Die abgetrennten Köpfe von Théodore Géricault und Jean-Baptiste Carpeaux, die von Bomben zerstückelten Soldaten eines George Grosz oder die Kannibalen von Goya, die ihre Opfer auseinander nehmen, spiegeln Schrecken und Faszination wider, aber auch den Geist der Epoche, in denen die Gemälde, Zeichnungen und Fotografien entstanden sind.

    Der Titel der riesigen Ausstellung – mehr als 450 Exponate zusammen mit den anatomischen Abbildungen von Verbrechergehirnen und Verbrecherfotos – lehnt sich bewusst an den Roman «Schuld und Sühne» (in älteren Übersetzungen auch «Verbrechen und Strafe») von Fjodor Dostojewski an. Denn vielen Künstlern diente die Literatur als Inspirationsquelle, in der die Kriminalität ein gewichtiges Thema ist. «Die moderne Literatur hat unzählige Verbrechen und berühmte Verbrecher geschaffen, angefangen von de Sade über Baudelaire bis hin zu Dostojewski. Sie haben einen starken Niederschlag in der bildenden Kunst gefunden», sagte der Direktor des Museums, Guy Cogeval.

    So war Théodore Guéricault von der Bestialität des Mordes an dem Richter Fualdès zur Zeit der Restauration so schockiert und fasziniert, dass er zahlreiche Zeichnungen anfertigte, die darstellen, wie eine wilde Bande sich brutal auf den Richter stürzt. Auch Victor Hugo, dessen weltberühmtestes Werk «Die Elenden» die Kriminalität zum Thema hat, diente manchem Maler als Inspirationsquelle. Nicht zuletzt griff der Dichter selber zu Pinsel und Farbe und malte das Motiv des «Gehängten», ein Sujet, das später auch von Georges Rouault aufgegriffen wurde.

    Die thematisch aufgebaute Ausstellung behandelt das Verbrechen und die Strafe unter den verschiedensten Aspekten. Die Revolution und der Mord an dem Revolutionsführer Marat, der in der Badewanne erstochen wurde, der Mord aus Wahnsinn oder aus Liebe, das sexuelle und medizinische Verbrechen finden ihren Niederschlag in den Werken zahlreicher Künstler wie Picasso, Edgar Degas, Edvard Munch, René Magritte oder David Lynch.

    Dass der Ursprung allen Übels auf Adam und Eva zurückgeht, zeigt Alexandre Cabanel in seinem «Verlorenen Paradies» aus dem Jahr 1867. Ihm folgen Gemälde von Gustave Moreau und George Grosz, die sich bildlich mit dem Brudermord, dem «zweiten Sündenfall» beschäftigen. Die zahlreichen Zeiten- und Stilsprünge innerhalb eines Ausstellungssaals wirken zum Teil verwirrend. Auch ist die bis 27. Juni geöffnete Schau zu dicht, die Manuskripte in den Vitrinen zu zahlreich. Doch einen Andy Warhol neben einem Diego Velázquez oder einen Munch neben einem Carpeaux zu sehen, bleibt dennoch ein Kunstgenuss.

    www.musee-orsay.fr

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