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Humlebæk

Daniel Richter im Louisiana-Museum

dpa

Ein Schlauchboot auf See, schon halb im pechschwarzen Wasser versunken. Darin: sieben zusammengekauerte Gestalten in gleißenden Farben, ihre Blicke ängstlich, ernst, abgewendet.

Daniel Richter
Daniel Richter, Alles ohne Nichts, 2006-2007.
Foto: Jochen Littkemann/Louisiana-Museum Humlebæk – dpa

Das riesige Ölgemälde, das im dänischen Louisiana-Museum gezeigt wird, ist auf unheimliche Weise aktueller als je zuvor. Dabei hat Daniel Richter die Flüchtlinge schon 2001 gemalt, in der Zeit, die Kritiker seine zweite Schaffensphase nennen.

Daniel Richter
Das dänische Louisiana-Museum zeigt Arbeiten von Daniel Richter aus den letzten 20 Jahren.
Foto: Louisiana-Museum Humlebæk – dpa

Ab Anfang der 2000er malt der deutsche Künstler politisch, figurativ; davor abstrakte Arbeiten; und seit kurzem: verschlungene Figuren und verschwommene Farbflächen. Bilder aus allen drei Perioden zeigt das Museum bis zum 8. Januar in einer großen Retrospektive.

Daniel Richter
Daniel Richter, Bill, 2015.
Foto: Jens Ziehe/Photographie/Louisiana-Museum Humlebæk – dpa

Was Richters Arbeiten ihre Wirkung entfalten lässt, wenn man davor steht, sind nicht nur die knalligen Farben und riesigen Formate. Bei manchen sind es auch die Widersprüche, die sich darin verbergen. Bei anderen ist es das Unmittelbare: die ausdruckslosen Gesichter, die Gewalt, die Aggression, gemalt in den buntesten Tönen. «Bei Daniel gibt es keinen Filter», sagt Louisiana-Direktor Poul Erik Tøjner.

Mit den gesellschaftspolitischen Arbeiten hat er abgeschlossen. Der Bruch erfolgte aus «Frustration, aber auch, weil es eine Herausforderung ist». Verspürt er nicht gerade in dieser politisch aufgeladenen Zeit den Drang, politische Bilder zu malen? «Ich sehe keinen Grund, mitzumachen, wenn alle Welt jetzt Bedenkenträgerei produziert. Ich habe die Bilder gemalt, weil mich das unmittelbar selber anging», sagt Richter. «Und damit ist das auch erledigt.»

Seine jüngsten Bilder zeigen verschwommene, breite Farbfelder, schemenhafte Figuren. Den Pinsel hat er dafür zur Seite gelegt und die Ölfarbe vor allem mit dem Spachtel aufgetragen. In der Schirn in Frankfurt präsentierte er die Werke im Oktober erstmals öffentlich. Bis dahin dauerte es zwei Jahre. Dazwischen hat der 53-Jährige «gegrübelt, korrigiert, weggewischt, neugemalt, experimentiert». Das Ergebnis ist im Westflügel im Louisiana-Museum zu sehen.

Unter dem Titel «Lonely Old Slogans» stellt das Haus 45 Arbeiten aus, die die Geschichte einer Künstlerkarriere erzählen, von 1995 bis 2015. Von dem jungen Mann aus der linksautonomen Hamburger Szene bis zum querköpfigen Popstar der deutschen Malerei. Vor der Eröffnung sei er «total aufgeregt» gewesen, wie immer, sagt Richter, der, wie Tøjner den dänischen Besuchern erklärt, nicht mit seinem Namensvetter Gerhard Richter verwandt ist.

Auf dem Weg zu den neueren Werken kommt der Betrachter unter anderem an einem kleineren Ölgemälde von 1999 vorbei. Es verbindet die frühe Schaffensphase Richters mit ihren abstrakt-ornamentalen Werken mit der zweiten. «Europa – Immer Ärger mit dem Sogenannten», heißt es. «Das ist ein ganz heiteres Bild mit Fragmenten und liquiden Figuren, die vorbeiziehen, und nichts ist wirklich platziert, nichts fügt sich zusammen», sagt Richter. «Das ist wahrscheinlich auch ein Bild von ewiger Gültigkeit.»

Lonely Old Slogans

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