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    London

    Charlie Chaplin trifft Batman: Londoner Museum zeigt berühmteste Filmkostüme

    Der Stoff, aus dem die Träume sind – manchmal ist es ein elfenbeinfarbenes Stück Seide mit Nackenträger und einem tiefen Ausschnitt, das Marilyn Monroe nach dem „Verflixten 7. Jahr“ (1955) zum Kultstatus einer Sex-Ikone verhalf. Kleider machen bekanntlich Leute und ganz besonders die Filmstars, die am Drehort in ein Kostüm wie in eine zweite Haut schlüpfen müssen, um zu anderen Menschen zu werden.

    Kleider machen bekanntlich Leute und ganz besonders die Filmstars, die am Drehort in ein Kostüm wie in eine zweite Haut schlüpfen müssen, um zu anderen Menschen zu werden.
    Kleider machen bekanntlich Leute und ganz besonders die Filmstars, die am Drehort in ein Kostüm wie in eine zweite Haut schlüpfen müssen, um zu anderen Menschen zu werden.

    Wenn man im Kinosaal das Realitätsgefühl verliert und mit den Darstellern mitfiebert, ist es auch ein Verdienst von kreativen Künstlern, die nie im Rampenlicht stehen – den Kostümdesignern. Eine Ausstellung im Victoria & Albert-Museum verrät jetzt einige Tricks aus Hollywoods preisgekrönten Werkstätten. Ab Samstag kann man in London die 130 berühmtesten Kostüme der Filmgeschichte bewundern, darunter Marilyns Cocktailkleid, das 2011 für einen Rekordpreis von 4,6 Millionen Dollar versteigert wurde.

    „Hat er eben seinen Kopf bewegt?“, flüstert erschrocken eine Besucherin. Wir starren auf einen kleinen Bildschirm über der massiven Gestalt in einer abgewetzten Lederjacke. Tatsächlich. Der Terminator dreht langsam sein undurchdringliches Gesicht mit der schwarzen Brille und starrt zurück. Unheimlich. In der Filmausstellung des V&A fühlt man sich… wie in einem Film. Es ist dunkel, aus den Lautsprechern tönt ein extra komponierter Soundtrack, und wenn man von Figur zur Figur geht, scheinen manche von ihnen zu leben. Audrey Hepburn in ihrem berühmten „kleinen Schwarzen“ als Holly Golightly („Frühstück bei Tiffany’s“) senkt nachdenklich ihren Kopf zur Seite. Die Haare von „Braveheart“ Mel Gibson wehen im Wind. Bruce Willis als John McClane („Stirb langsam“) in einem blutigen Unterhemd kneift entschlossen seine Lippen zusammen. Die animierten digitalen Köpfe sind eine clevere Idee, um die entkörperten Filmkostüme zum Leben zu erwecken. Doch es sind nicht die Kinohelden, die bei V&A im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Die Schau konzentriert sich vielmehr auf die Menschen, die gemeinsam mit den Darstellern die Drehbuch-Fantasien in glaubwürdige Schein-Realität verwandeln.

    Ihre Aufgabe war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch relativ einfach. Kein Ton, keine Farbe, keine technischen Tricks. „Die Stummfilme sind befreiend, weil man sich nicht über die Mikrofone sorgen muss, die an der Kleidung reiben“, sagte Mark Bridges, der Designer des 2011er Retro-Hits „The Artist“. Im V&A sieht man einige Kostüme der vergangenen Kino-Ära, die Kulturgeschichte geschrieben haben: Charlie Chaplins zerschlissenes Gewand aus „The Tramp“ (1915) und Judy Garlands blaues Kleid aus dem „Zauberer von Oz“ (1939) mit Dorothys roten Schuhen, die einem Museum in Washington so heilig sind, dass die Amerikaner sie nur für 28 Tage ausgeliehen haben.

    Der erste Teil der Londoner Schau erzählt, wie Filmkostüme und -Charakter entstehen. Hier erfährt man zum Beispiel, dass die Kleidung von Matt Damon alias Jason Bourne deswegen so grau und langweilig aussah, weil ihr Besitzer als Agent mit der Menge verschmelzen musste. Das blaue Kostüm der „Iron Lady“ Margaret Thatcher musste Kraft ausstrahlen. Weiter wird das Geheimnis der zwei Meter hohen Gestalt des dunklen Lords Darth Vader gelüftet. Sein Designer John Mollo kombinierte 1977 einen „schwarzen Motorradanzug, einen Nazi-Helm und eine Gasmaske mit einer Mönchskutte“ – fertig war eine der unheimlichsten Figuren der Filmgeschichte.

    „Die Hälfte der Arbeit an jedem Filmcharakter sind seine Kleider. Wir zeigen viel mit ihnen“, sagt der Hollywood-Star Meryl Streep in einem gefilmten Interview in der Ausstellung. Das gilt besonders für die Figuren der Superhelden, die ohne ihre fantasievollen Kostüme nicht existieren könnten. Im „Finale“ der Schau sieht man den fliegenden Superman und die düstere Gestalt von Batman, die in einem wuchtigen High-Tech-Gewand unter der Decke thront. Die technische Krönung des cineastischen Rundgangs ist ein so genannter „Mo-Cap“-Anzug aus dem Film „Avatar“, dessen eingenähte Sensoren dem Darsteller erlauben, im Computer in eine beliebige Gestalt einzunehmen.

    Hier wird deutlich, welch weiten Weg die Filmkunst in den vergangenen 100 Jahren zurückgelegt hat. Kino ist eben ein Spiegelbild der Gesellschaft. Nur die Hauptaufgabe der Designer hat sich nicht verändert. Heute wie vor 100 Jahren müssen sie mit ihren Kostümen vor allem gute Geschichten erzählen.

    Von unserem Londoner Korrespondenten Alexei Makartsev

    Die Ausstellung im Victoria & Albert-Museum (South Kensington) läuft bis 27. Januar 2013. Der Eintritt kostet 15,50 Pfund. Informationen und Tickets gibt es auf der Internetseite www.vam.ac.uk/hollywoodcostume. Die vom Londoner Museum entwickelte App „Hollywood Photobooth“ (erhältlich im Apple Store) erlaubt es den Benutzern, virtuell in manche berühmten Kostüme zu schlüpfen und sich selbst zu fotografieren.

    Berühmte Klamotte: Hollywood-Kostüme im Londoner Museum
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