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    London

    Britische Thronfolge: Ein alter Zopf scheint zu fallen

    Wenn es um große Feste mit viel Pomp und Pathos geht, stehen zwei Institutionen in der Weltrangliste ganz oben: Die katholische Kirche und das britische Königshaus. Geht es um die Wahrung von Althergebrachtem, sieht die Tabellenspitze nicht anders aus.

    Königliche Familie
    Die königliche Familie auf dem Balkon des Buckingham Palastes in London.
    Foto: Daniel Deme - DPA

    Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass die britische Krone mit ihren Traditionen bricht, heißt es. Doch ausgerechnet in der heiklen Frage der Thronfolge scheint es jetzt so weit zu sein.

    Die Jahrhunderte alte Benachteiligung von Frauen, festgeschrieben im «Act of Settlement» von 1701, soll aufhören. Die britische Regierung um Premierminister David Cameron ist dafür. Und die Queen soll zumindest nicht dagegen sein, wollen britische Parlamentarier erfahren haben. Bisher dürfen Frauen in Großbritannien nur zur Königin gekrönt werden, wenn sie keine Brüder haben - selbst dann nicht, wenn sie älter sind als ihre männlichen Geschwister.

    Queen Elizabeth II. wurde 1952 nur deshalb zur Monarchin proklamiert, weil ihr Vater, George VI., keine Söhne hatte. Elizabeths Tochter, Prinzessin Anne (61), steht in der Thronfolge nur an Nummer 10 - hinter ihren jüngeren Brüdern Andrew und Edward - und bizarrerweise sogar hinter deren Töchtern Beatrice, Eugenie und Louise. Eine «Anomalie» nennt Cameron die derzeit geltende Regelung sogar.

    Warum also nicht sofort weg mit diesem alten Zopf? Weil es im britischen Königshaus nicht nur traditionell, sondern oft auch recht kompliziert zugeht. Die Entscheidung kann nicht einfach London treffen. Die britische Regierung braucht die Zustimmung von 15 weiteren der 54 Mitgliedsländer des ehemaligen britischen Empires und heutigen Commonwealth. Diese Länder haben die Queen noch immer als offizielles Staatsoberhaupt und dürfen deswegen über ihren künftigen Monarchen mitbestimmen.

    Die Regierungen und Parlamente in Ländern wie Australien oder Kanada, aber auch Tuvalu oder Papua-Neuguinea reden ein Wörtchen mit, wer künftig in London das Zepter schwingen soll. Premierminister Cameron musste alle 15 Amtskollegen anschreiben und um Unterstützung bitten. Am Freitag treffen sie sich im australischen Perth und beraten unter anderem über das Thema Thronfolge.

    Australiens Premier Julia Gillard signalisierte bereits Unterstützung. «Es ist ja zu erwarten, dass ich als erste Frau in diesem Amt überzeugt bin, dass Frauen Männern in jeder Hinsicht ebenbürtig sind, und deshalb unterstütze ich einer Änderung (in der Thronfolgeregelung)», sagte die Premierministerin am Rande eines Staatsbesuchs der Queen. Auch Kanadas Premier Stephen Harper will zustimmen. Von den anderen 13 Ländern wird ebenfalls keine ernsthafte Gegenwehr erwartet.

    Damit ist der komplexe Vorgang aber noch lange nicht über die Bühne gegangen. Der frühere britische Justizminister Jack Straw hatte bereits 2008 darauf hingewiesen, dass für das scheinbar einfache Vorhaben sage und schreibe neun Gesetze geändert werden müssen - darunter die Bill of Rights aus dem Jahr 1688. Unter anderem geht es auch um das heikle Gesetz zur Union mit Schottland. Kritiker glauben, dass eine Änderung extrem komplizierte Verfassungsfragen aufwerfen könnte, die Rechtsgelehrte monatelang beschäftigen werden.

    Zumal noch eine zweite Änderung geplant ist - das Verbot der Heirat mit Mitgliedern der katholischen Kirche. Derzeit hat die Thronfolgeregelung zwar kein Problem damit, wenn Anwärter auf die Krone Muslime, Hindus oder Jedi-Ritter heiraten. Wer sich aber mit einem Katholiken oder einer Katholikin vermählt, fliegt aus der Liste. Das ging zum Beispiel Prinz Michael von Kent so, als er Marie Christine von Reibnitz heiratete. Und auch der Hannoveraner Erbprinz Ernst August, einst auf einem Platz um die 400 geführt, ward nicht mehr im Register gesehen, nachdem er Caroline von Monaco zur Frau genommen hatte.

    Bereits Anfang des Jahrtausends hatte das britische Unterhaus eine eigene Kommission beauftragt, sich mit diesen Fragen zu befassen. «Jetzt ist in der Tat eine hervorragende Zeit, diesen Aspekt der Thronfolge zu reformieren. Besonders weil die nächsten Drei in der Thronfolge - Prinz Charles und seine Söhne William und Harry - Männer sind», heißt es in deren Abschlussbericht. Eine Reform würde deshalb niemanden direkt treffen. Der Bericht erschien im Jahr 2003.

    Tatsächlich ist Eile erst seit der Hochzeit von Prinz William und seiner Frau Kate im April geboten. «Die Hochzeit liegt fünf Monate zurück, die Uhr tickt», sagte der britische Labour-Abgeordnete Keith Vaz vor ein paar Tagen. Sollte Kate schwanger werden und eine Tochter gebären, müsste man ausgerechnet an ihr ein Exempel statuieren. Die Politiker würden an einer konkreten Person Schicksal spielen.

    Bis sie - wenn es sie je geben sollte - allerdings tatsächlich Königin werden könnte, vergehen so wie die Dinge liegen noch Jahrzehnte. Als nächstes ist erst einmal Prinz Charles dran. Danach kommt sein ältester Sohn William an die Reihe. Und die Queen vermittelt trotz ihrer 85 Jahre im Moment nicht den Eindruck als wollte sie in allernächster Zukunft abdanken. Und einem neuen Gesetz über ihre Nachfolge muss sie ohnehin erst zustimmen.

    Act of Settlement

    Untersuchung für das britische Parlament

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