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Hamburg

Bewegender Abschied von Heidi Kabel

dpa

«Slaap goot, Heidi: Wir vergessen Dich nicht!»: Mit einer bewegenden Trauerfeier haben am Freitag im Hamburger «Michel» Familie, Freunde und Prominente Abschied von Heidi Kabel genommen.

Trauerfeier für Heidi Kabel
Der Sarg und ein Bild der verstorbenen Volksschauspielerin Heidi Kabel in der St. Michaeliskirche in Hamburg.

Spätestens, als am Ende die Kinder der Finkwarder Speeldeel das Lieblingslied der beliebten Volksschauspielerin «In Hamburg sagt man Tschüs» anstimmten, hatten viele Menschen in der Kirche und vor dem Fernseher Tränen in den Augen. «Für die Hamburger war sie einfach nur: Uns Heidi! Ein herzlicher Ritterschlag, eine wunderbare Liebeserklärung», meinte Ohnsorg-Intendant Christian Seeler. Am 15. Juni war die «berühmteste Hamburger Deern» im Alter von 95 Jahren in einem Seniorenheim gestorben.

An den Eingängen der prachtvollen Barockkirche konnten sich die Trauergäste zwischen Autogrammkarten und weiß-roten Nelken in Kondolenzlisten eintragen. Auch der aufgebahrte mahagonifarbene Sarg im Vorraum der Kirche war mit Nelken in den Hamburger Farben rot und weiß bedeckt – daneben ein Ölbild von Heidi Kabel in jungen Jahren. Vor dem Sarg lag ein Kranz der Kinder mit den Lieblingsblumen der Schauspielerin: rosa Rosen und blauer Rittersporn. «Slaap goot, din Kinner» stand auf den Schleifen. Zusammen mit Hauptpastor Alexander Röder und dem ehemaligen «Michel»-Pastor Helge Adolphsen betrat die Familie die Kirche: Tochter Heidi Mahler, die Söhne Jan Rasmus und Heiko Mahler und die fünf Enkelkinder mit ihren Ehefrauen.

Nach Mozarts Requiem von Chor und Orchester der St. Michaelis- Kirche begrüßte Adolphsen die Trauergäste, darunter Prominente wie die Schauspieler Uwe Friedrichsen und Jan Fedder, die ehemaligen «Tagesschau»-Sprecher Dagmar Berghoff und Wilhelm Wieben sowie Regisseur Detlev Buck, in dessen Film «Hände weg von Mississippi» die Volksschauspielerin eine letzte kleine Rolle hatte. «Heidi Kabel – ein klingender Name. Was für ein Leben!», meinte Adolphsen. «Was ist das Geheimnis ihrer Erfolge, ihrer Beliebtheit? ... Das Geheimnis liegt darin, was ihr geschenkt wurde: die große Liebe zum Leben!»

«Wenn Sie geliebt werden wollen, müssen Sie zuerst die Menschen lieben – mit all ihren Schwächen!» Dieser Satz sei Heidi Kabels Lebensmotto gewesen, sagte der Geistliche. «Sie trug ihr Herz auf der Zunge, auf missingsch, op platt. Viele konnten sich mit ihr identifizieren», meinte der ehemalige «Michel»-Pastor. «Es gibt für mich nichts Schöneres, als mein Publikum zum Lachen, zum Nachdenken und zum Weinen zu bringen», auch dieser Satz stehe für die Grande Dame des Volkstheaters. «Ihr war es immer ernst bei aller Heiterkeit.» So habe sie auch drei kleine Kinder während des Krieges großgezogen, den frühen Tod ihres Mannes verkraftet und 40 Jahre lang alleine gelebt.

«Heidi Kabel hat uns aus der Seele gesprochen und gespielt», meinte Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Bescheiden, bodenständig, mit einer großen Portion Humor sei sie eine Botschafterin Hamburgs in ganz Deutschland gewesen. «Tschüs und Danke Heidi Kabel», sagte er stellvertretend für ihre Heimat. «Die Klassiker mit Heidi Kabel bleiben ein Stück Fernsehgeschichte», sagte NDR-Intendant Lutz Marmor und erinnerte an «Tratsch im Treppenhaus» – ein «Straßenfeger». Der frühere Bürgermeister Henning Voscherau (SPD), ein Freund der Familie, würdigte die «große Menschendarstellerin» und den bescheiden gebliebenen Star. «Heidi Kabel hob nie ab», sagte Voscherau. «Heidi Kabel konnte alles – auf der Bühne und im Leben.»

Der Optimismus und die Natürlichkeit der Schauspielerin haben auch Prominente beeindruckt: «Ich habe sie nie beleidigt, sauer, böse grantig erlebt. Sie war eigentlich immer liebenswürdig und sehr heiter», sagte die ehemalige Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff. Schauspieler Uwe Friedrichsen fasste zusammen: «Sie war einmalig! Und sie war – ohne diese abgenutzten Begriff jetzt strapazieren zu wollen – ungeheuer menschlich.» Heidi Kabels Tochter Heidi Mahler trug der Trauergemeinde zum Abschluss das Gedicht «Harvst» (Herbst) des plattdeutschen Dichters Johann Hinrich Fehrs vor. «Es war wunderschön, es war auch nicht tragisch», sagte Mahler nach der Trauerfeier. «Meine Mutter war so ein fröhlicher Mensch und so soll sie auch in Erinnerung bleiben.»

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