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Osnabrück

Applaus für Oper über Irans tapfere Frauen

dpa

Über der Leiche einer Leidensgenossin schließen Nushabe, Fitna und Turandot mit ihrem bisherigen Leben ab. Nader Mashayekhis Oper «Neda – Der Ruf», die am Samstag in Osnabrück uraufgeführt wurde, erzählt vom Widerstand der Frauen gegen die Gier ihrer Männer nach Macht und Gewalt.

Neda Agha-Soltan
Neda Agha-Soltan – 2009 erschossen – wurde zur Symbolfigur einer Protestbewegung.

Das Werk des iranischen Komponisten basiert auf Erzählungen aus dem 12. Jahrhundert und ist doch bestechend aktuell.

Ursprünglich sollte Mashayekhis Oper nach dem persischen Dichter Nizami (1141-1209) benannt werden, der die stolzen Frauen einst erfunden hatte. Doch als die Regierung um Präsident Mahmud Ahmadinedschad im vergangenen Jahr gewaltsam gegen die iranische Opposition vorging, entschied sich der Komponist für einen neuen Titel.

«Neda» (deutsche Übersetzung: Der Ruf) erinnert als Zeichen der Solidarität nun an Neda Agha-Soltan, die am 20. Juni 2009 in Teheran erschossen und zur Symbolfigur der Protestbewegung wurde.

Nader Mashayekhi hatte 2006 die Leitung des «Tehran Symphony Orchestra» übernommen, das infolge der Islamischen Revolution aufgelöst wurde. Ein Jahr später gab der Musiker den Posten nach Querelen um Programme und Besetzungen wieder auf. Auch seine neue Oper dürfte im Iran auf absehbare Zeit nicht aufgeführt werden, formuliert sie doch das Recht der Frauen auf ein selbstbestimmtes Leben.

Dabei mischen sich in dem knapp 90-minütigen Werk Fantasie und Wirklichkeit ebenso virtuos wie Vergangenheit und Gegenwart. Der Dichter Nizami trifft auf die eigensinnige und höchst reale Sklavin Apak und auf Fantasiegestalten, die sich den Machtansprüchen der Männer widersetzen. «Wir gründen ein neues Reich, wo niemand herrscht und keiner dient», droht Nushabe und provoziert damit den Vorwurf der Ketzerei, dem die Gelehrten sogleich die Todesstrafe folgen lassen wollen.

Nader Mashayekhis Partitur umgibt die Auseinandersetzungen mit einem schillernden Klanggewand, das der Expressivität ebenso viel Raum gibt wie der intimen Momentaufnahme. Die anspruchsvollen Hauptpartien sind mit dem herausragenden Marco Vassalli (Nizami), Lina Liu (Turandot), Eva Schneidereit (Nushabe), Natalia Atamanchuk (Fitna), Anja Meyer (Apak) und Mark Hamman (Freund) hochklassig besetzt.

Neben der schnörkellosen Inszenierung von Carin Marquardt, die zwischen schwarzen Mauerblöcken (Bühne/Kostüme: Martin Fischer) die Zeitlosigkeit der dargestellten Konflikte betont, trägt das hervorragend disponierte Osnabrücker Symphonieorchester unter Daniel Inbal entscheidend zum positiven Gesamteindruck bei. Ein Sonderlob gebührt dem Chor und Extrachor des Theaters (Einstudierung: Peter Sommerer).

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