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    Peking

    Ai Weiwei kritisiert Ausstellung über Aufklärung in Peking

    Die «Aufklärung am Tian'anmen» ist für Ai Weiwei nicht gelungen: «Es ist eine ausgezeichnete Ausstellung, aber am falschen Ort, zur falschen Zeit und ohne gute Wirkung.»

    Ai Weiwei
    Das Verschwinden von Ai Weiwei überschattete vor einem Jahr den Beginn der Ausstellung «Kunst der Aufklärung».
    Foto: Uwe Zucchi - DPA

    So lautet das nüchterne Fazit des Künstlers zum Abschluss der Ausstellung «Kunst der Aufklärung» im Nationalmuseum am Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen), dem Schauplatz der 1989 blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung. Sein Name ist untrennbar mit der Ausstellung verbunden: Ai Weiwei wurde kurz nach der Eröffnung festgenommen.

    «Während der Ausstellung über die Aufklärung wurde ich selber zwangsweise «aufgeklärt»», scherzt der 54-Jährige in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa in Peking über die zwei schwierigen Monate in Polizeigewalt. Seine Inhaftierung war der Höhepunkt der Repressionswelle, mit der die Sicherheitsorgane in China ein Aufflammen von «Jasmin-Protesten» nach arabischem Vorbild verhindern wollten. Vorher war aber auch schon einem der Kuratoren, dem China-Experten Tilman Spengler in der Delegation von Außenminister Guido Westerwelle, das Visum verweigert worden: Er sei «kein Freund Chinas», hieß es.

    Der Eklat war perfekt. So heftig wie lange nicht mehr wurde in Deutschland diskutiert, wie mit repressiven Systemen wie in China umzugehen ist. Kritiker warfen dem Außenminister und den Organisatoren der staatlichen Museen in Berlin, Dresden und München einen «Kotau» vor, weil sie nicht deutlich genug Position bezogen hätten. Sie forderten den Abbruch der Ausstellung. «Es war ein gutes Signal», sagt Ai Weiwei. Jeder müsse für seine Grundwerte einstehen.

    Mit dem Skandal prallten Anspruch und Wirklichkeit aufeinander. Plötzlich sollte die Ausstellung nur noch mit Kunst, aber nichts mehr mit Politik zu tun haben - obwohl das Projekt mit seinen Diskussionsrunden «Aufklärung im Dialog» den Chinesen eigentlich die Gedanken jener Epoche nahebringen sollte, die in Europa die Grundlagen für Freiheit und Menschenrechte gelegt hatten.

    Dabei hatte die Ausstellung für den treibenden Mitorganisator, den damaligen Chef der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, Martin Roth, gewollte unterschwellige Botschaften: «Ich wüsste gar nicht, wie man Ausstellungen machen sollte, die unpolitisch sind», hatte Roth noch kurz vor der Eröffnung gesagt. «Wenn eine Ausstellung keine Botschaft mehr hat, dann sollte man es lieber bleiben lassen.»

    Doch zucken die Organisatoren heute zurück, wenn nach einem «politischen Anspruch» gefragt wird. «Es ist keine missionarische Ausstellung, sondern eine Ausstellung, die sich mit einer wichtigen kulturellen Phase in Deutschland auseinandersetzt», sagt Roths Nachfolger, der kommissarische Chef der Kunstsammlungen Dresden, Dirk Syndram. Vielleicht wachse aus den «Samenkörnern» etwas. «Wir erzählen unsere eigene Geschichte, wie wir wurden, was wir sind. Das heißt noch lange nicht: Ihr müsst so werden wie wir.»

    Was immer bezweckt war, die Wirkung des Kulturprojekts erstreckte sich stärker auf Deutschland, das sich erstmals wieder ernsthaft mit dem Regime in Peking auseinandersetzte. In China selbst passierte wenig. Die Zuschauerzahlen blieben mit 450 000 bescheiden. Auch Syndram hätte sich gewünscht, «dass noch ein paar mehr kommen». Ai Weiwei sagt: «In jedem beliebigen McDonalds-Restaurant gibt es mehr Menschen als in dieser Ausstellung.» In China habe kaum für die Ausstellung geworben werden dürfen. Nur wenige hätten davon gewusst.

    «All diese Kulturaustauschvorhaben machen keinen Sinn, weil die Medien in China nicht frei sind», findet der Künstler. «Es ist eine Verschwendung von Geld und harter Arbeit auf beiden Seiten.» Eine Diskussion über die Werte der Aufklärung sei nicht zugelassen worden: Freiheit statt Absolutismus, Vernunft statt Dogmatismus - alles Themen, die im «Sozialismus chinesischer Prägung» eigentlich hochaktuell, aber bei der autokratischen Führung unerwünscht sind.

    Am Ende des schwierigen Ausstellungsjahres beschwören die deutschen Organisatoren gleichwohl den Erfolg des zehn Millionen Euro teuren, bislang größten deutschen Kulturprojekts in China. Doch Ai Weiwei ist enttäuscht: «Eine so große Ausstellung, in die so viel Geld investiert wurde - doch der Einfluss bleibt sehr gering.»

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