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Muscheln haben immer Saison

Bremerhaven (dpa/tmn) – Es ist kalt – genau die richtige Zeit für Muscheln. Sie haben traditionell in den Monaten mit «r» Hochsaison. Das trifft besonders auf die populäre schwarze Miesmuschel zu. Deren elegante Verwandte, die Auster, ist etwas für besondere Anlässe.

Austern
Austern gelten als edelste aller essbaren Muschelarten. Puristen verzehren sie ohne weitere Zutaten.
Foto: Andrea Warnecke – DPA

Dass Muscheln bevorzugt in der kälteren Jahreszeit gegessen werden, hat historische Gründe. Früher konnten sie in den warmen Monaten nicht ausreichend gekühlt und schnell genug transportiert werden. Sie verdarben leicht. Dieses Problem haben Technik, Logistik und Tiefkühlware gelöst – die Muschel-Tradition lebt trotzdem weiter. Zumal Kenner überzeugt sind, in der kalten Zeit sei das Aroma der Meeresfrüchte intensiver: umso kühler, desto frischer, desto besser das Innenleben.

Miesmuscheln
Miesmuscheln sind wohl am weitesten verbreitet – eine klassische Zubereitung ist die rheinische Art.
Foto: Kai Remmers – DPA

Mit dem Einzug der Mittelmeerküche hat die Vielfalt der zur Familie der Weichtiere gehörenden Meeresbewohner in deutschen Kochtöpfen zugenommen: Herz- und Venusmuschel, Meermandel, Jakobsmuschel, Meeresscheidemuschel stehen heute neben den Klassikern Miesmuschel und Auster auf den Speisekarten. Die Frische testen Verbraucher am besten beim Einkauf.

Miesmuscheln
Miesmuscheln machen in vielen Gerichten eine gute Figur: Die Mittelmeerküche kombiniert sie gern mit Pasta.
Foto: Deutsche See – DPA

Einige Kriterien listet Maria Koch, Muschelexpertin des Fisch- und Meeresfrüchte-Händlers Deutsche See in Bremerhaven, auf: «Geruch nach Meer und Algen, möglichst geschlossen, oder falls sie leicht geöffnet ist, sollte die Muschel sich beim Klopfen auf die Schale schließen.» Tut sie das nicht, ist sie ebenso ungenießbar wie ein Exemplar, dessen Schale nach dem Kochen fest verschlossen bleibt.

Jakobsmuscheln
Jakobsmuscheln bekommt man häufig in der gehobenen Gastronomie, aber auch zu Hause lassen sie sich zubereiten.
Foto: Deutsche See – DPA

Bei Miesmuscheln zeigt eine gräuliche Färbung der sonst schwarz-braunen Schale an, dass sie nicht mehr ganz meeresfrisch sind. Zu Hause werden die Meeresfrüchte bei Temperaturen zwischen vier und sieben Grad gelagert. Eiseskälte schadet ihnen. «Unter zwei Grad plus sterben sie ab», erläutert Koch. Nach dem Kochen können die Meeresbewohner zwei bis drei Tage im Kühlschrank liegen.

Miesmuscheln sind die wohl am weitesten verbreitete Spezialität. Ihre Zubereitung erfordert Zeit. «In kaltem Wasser gut bürsten, mehrmals waschen, bis kein Sand mehr im Wasser ist», beschreibt Johann Grassmugg aus Ratzeburg, Vizepräsident des Verbands der Köche Deutschlands, die Arbeitsschritte. «Muscheln rheinische Art» werden in einem sprudelnd kochenden Wurzelsud aus Lauch, Sellerie, Schalotten, Karottenstreifen und einem Hauch Knoblauch so lange gegart, bis die Schalen geöffnet sind.

Das dauert höchstens sechs Minuten, bei längerer Garzeit trocknet das Muschelfleisch aus. Zum Verfeinern dienen Safran, Thymian, Pfeffer oder ein Schuss Weißwein. Serviert werden die Miesmuscheln in einem tiefen Teller. Gängige Beilagen sind Baguette, Salat, Schwarzbrot im Rheinland oder in Belgien Pommes frites. Gekochte Muscheln nimmt Grassmugg auch zum Füllen von Maultaschen.

Die Jakobsmuschel ist in der gehobenen Gastronomie zu Hause. Gängigste Zubereitungsart ist das Überbacken. Grassmugg mag es grün-weiß-rot: Er richtet die Jakobsmuschel auf einem Spinatbett an. Darauf ruht die mit Zitrone und Salz marinierte, angebratene und mit Tomaten und Käse gratinierte Meeresfrucht. Pur hat die Jakobsmuschel einen nussigen Geschmack.

Austern gelten als edelste der etwa 10 000 Muschelarten. Sie stehen für Luxus und Genuss. Der entfaltet sich nach Überzeugung von Kochbuchautor Johann King «natur» am besten – sprich: roh, kühl, weder mit Pfeffer noch Zitrone. «Das Jodige, Salzige kann man riechen», schwärmt der Sternekoch aus Rantum auf Sylt. Stilecht wird die Auster aus der Schale geschlürft.

Frische Austern tragen King zufolge noch viel Wasser. Ein anderer Frischetest geht über die Nase: «Man riecht grundsätzlich an einer Auster, wenn man sie öffnet. Eine schlechte stinkt nach Salmiak.» Generell gilt die feine französische Bélon-Auster als vollfleischig, während die einzige deutsche Art, die Sylter Royal, zarter und nussiger ausfällt.

Service:

Johannes King u.a.: Das Kochbuch. Mit 78 Rezepten, Collection Rolf Heyne, 351 Seiten, 49,90 Euro, ISBN-13: 978-3-89910-331-1

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