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    Berlin

    Zu Fuß zur Schule: Kinder lernen und sehen mehr

    Am liebsten würden manche Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis ins Klassenzimmer fahren. Doch so lernen sie nicht, sich selbstständig im Straßenverkehr zu bewegen. Am meisten sehen und erleben die Kleinen, wenn sie zu Fuß gehen. Das will geübt werden.

    Schulweg
    Anders sehen: Um den herannahenden Verkehr zu überblicken, müssen Kinder oft ganz nah an die Straße.
    Foto: Silvia Marks - DPA

    Die Kinder in die Selbstständigkeit zu entlassen, fällt vielen Eltern schwer. Dabei ist es im Interesse der Sprösslinge, Dinge alleine zu können. Den Schulweg zu meistern, gehört definitiv dazu. Deshalb sollten Eltern schon Erstklässler nicht mit dem Auto zur Schule chauffieren.

    Was gut gemeint ist, birgt sogar Risiken für die Kinder. So ergab eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal im Auftrag des ADAC, dass der Schulweg mit dem Auto gefährlicher ist, als der zu Fuß. So kamen im Jahr 2012 zwar 2540 Kinder im Alter zwischen sechs und neun Jahren zu Schaden, die zu Fuß zur Schule gingen. Doch im Auto traf es etwas mehr als 3000 Kinder.

    «Leider sind es oft die Eltern selbst, die Probleme verursachen», sagt Ronald Winkler, Fachreferent für Stadtverkehr beim ADAC. Unmittelbar vor dem Schultor sei es am gefährlichsten. Dort treffen Kinder, die mit dem Auto gebracht werden, auf diejenigen, die zu Fuß kommen. «Nicht umsonst werden direkt vor der Schule oft absolute Halteverbote eingerichtet», erläutert Winkler.

    «Solche 'Elterntaxi-Haltestellen' oder 'Kiss-and-ride-Zonen' haben auch den Vorteil, dass die Kleinen wenigstens noch die restliche Strecke zu Fuß gehen und so das richtige Verhalten im Straßenverkehr lernen», sagt Legner. Oberste Priorität habe, dass die Kinder den Schulweg alleine meistern können. Janine Rettig vom Auto Club Europa (ACE) ergänzt: «Auf den letzten paar Hundert Metern kann ja nicht viel passieren, wenn man den Weg gut wählt. Den können dann schon Erst- und Zweitklässler alleine bewältigen.»

    Das sieht man beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) nicht anders. «Den kompletten Schulweg können Eltern ja vorher mit ihren Kindern üben und sie so behutsam an dieses komplexe System Straßenverkehr heranführen», sagt Sven Rademacher. Am besten mache man das zu Tageszeiten, zu denen die Kinder auch wirklich zur Schule müssen «und nicht am Sonntagnachmittag, wenn kein Verkehr ist».

    Dabei sollten Eltern vor allem ein gutes Vorbild sein und unter den Möglichkeiten für den Schulweg die sicherste Variante wählen, nicht die kürzeste. Laut Rademacher sind etwa komplexe Kreuzungssituation zu meiden. Und Katja Legner vom ADAC ergänzt: «Ampeln und Zebrastreifen sind anderen Straßenquerungen eindeutig vorzuziehen.»

    «Gerade, wenn Kinder in Gruppen unterwegs sind, ist auch die Ablenkung sehr groß», so Rettig weiter. Ob das Kind, wenn es schließlich ohne die Eltern unterwegs ist, wirklich den eingeübten sicheren Weg nimmt, sei fraglich. Da kann es helfen, wenn man mit dem Kind gemeinsam einen Weg erarbeitet, statt diesen vorzuschreiben.

    Katja Legner vom ADAC sagt: «Ein guter Trick ist auch, wenn die Eltern mal selbst die Kinder spielen und die Sprösslinge kontrollieren, ob sie auch wirklich alles richtig machen.» Wenn man das Kind schließlich alleine zur Schule gehen lässt, kann man ihm laut DVR-Sprecher Rademacher ruhig mal hinterhergehen.

    Prinzipiell ist die Bildung von Weggemeinschaften trotz der möglichen Ablenkungsgefahr durchaus ratsam. So können zum einen verschiedene Eltern die Kleinen abwechselnd begleiten. Katja Legner sieht noch einen weiteren Vorteil: «In Gruppen werden Kinder deutlich besser wahrgenommen.» Aus demselben Grund sei auch helle, reflektierende Kleidung gut. «Das macht auch im Sommer einen Unterschied, nicht nur wenn es morgens noch dunkel ist», sagt Rademacher.

    Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, ist nicht nur unter Sicherheitsaspekten die schlechtere Lösung. Das merkt man, wenn man die Sprösslinge ihren Schulweg malen lässt. «Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, sehen viel mehr, da entstehen bunte Bilder. Da ist die Eisdiele unterwegs mit drauf oder der Ort, wo sie immer ihre Freunde treffen», berichtet Janine Rettig. «Kinder, die mit dem Auto gefahren werden, malen ihr Haus, die Schule und dazwischen einen Strich.»

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