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Aachen

Praxiswissen ist Trumpf: Bewerbungstipps für Akademiker

dpa/tmn

Zwischen Hörsaal und Büro liegen oft Welten. Beim Berufseinstieg heißt es für Akademiker daher umschalten: Denn allein mit ihrem Abschluss und Fachwissen können Bewerber nur selten punkten, wenn es um die erste Stelle nach dem Studium geht.

Bewerbung
«Die zweite Säule zählt»: Mit Praktika und Berufserfahrung punkten Akademiker bei einer Bewerbung. (Bild: Remmers/dpa/tmn)

Sie müssen zeigen, dass sie in der Praxis etwas taugen. Um Arbeitgeber von sich zu überzeugen, reichen gute Noten und theoretische Kenntnisse in der Regel nicht. Praxiswissen sei Trumpf, sagt Lothar Dröge von der Arbeitsagentur Aachen. Im Maschinenbau könne es zwar vorkommen, dass Bewerber über Thermodynamik ausgefragt werden. In anderen Fächern wie Germanistik dürfte aber kaum jemand hören wollen, welche Vorlesungen man besucht hat. Wichtiger seien hier Praktika und Berufserfahrung. «Die zweite Säule zählt.»

Ein Hochschulabschluss ist zwar immer die Eintrittskarte für viele Stellen – er verschafft Absolventen aber nicht automatisch einen guten Job. So finden längst nicht alle Absolventen beim Berufsstart eine angemessene Stelle, wie das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover ermittelt hat. Jeder siebte FH-Abgänger (14 Prozent) und jeder achte Uni-Absolvent (13 Prozent) ist demnach ein Jahr nach dem Abschluss inadäquat beschäftigt.

Damit sie nicht zu dieser Gruppe gehören, müssen Absolventen sich gut verkaufen können. Geisteswissenschaftler und Quereinsteiger haben es dabei schwerer, den Nutzen ihres Studiums herauszustellen. «Die müssen konstruieren», sagt Dröge. Damit ist keine Hochstapelei gemeint – das sei die falsche Devise. Denn es rächt sich im Vorstellungsgespräch, wenn Absolventen zu viel versprechen. «Das ist wie mit einem Duft: Man darf nicht zu dick auftragen.»

Vielen sei aber gar nicht bewusst, was sie im Studium alles für die Berufswelt gelernt haben, hat Dröge beobachtet. Germanistik etwa habe viel mit Kommunikation zu tun – das Wissen darüber sei auch im Job wichtig. Und wer in der Fachschaft Verantwortung übernommen hat, kann damit soziale Kompetenzen belegen.

Solche «Soft Skills» sind heute überall gefragt – niemand will einen Fachidioten. Auch ein Informatiker muss zeigen, dass er technische Lösungen einem Normalsterblichen erklären kann. Wenn er als Tutor tätig war, kann das ein entscheidender Pluspunkt sein.

Es sei durchaus zulässig, sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, rät die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. In der schriftlichen Bewerbung gehe es darum, die eigenen Vorzüge zu betonen. Damit sie für den Arbeitgeber gleich erkennbar sind, sollten Bewerber sie an prominenter Stelle – etwa zu Beginn des Anschreibens – nennen oder fett hervorheben.

Vollständigkeit muss dagegen nicht sein. Absolventen sollten sich Leitner zufolge immer fragen: Ist dies eine Information, die mir zu einem Vorstellungsgespräch verhilft? Dann gehöre sie in die Bewerbung. Dass sie das Fach gewechselt haben und der Abschluss erst im zweiten Versuch geklappt hat, bleibe dagegen besser unerwähnt, wenn Bewerber fürchten, deshalb aussortiert zu werden.

Absolventen müssen sich auf Nachfragen im Vorstellungsgespräch gefasst machen, wenn in der Bewerbung etwas erklärungsbedürftig bleibt. Auf die Frage «Warum hat Ihr Studium so lange gedauert?» legten sie sich also besser eine Antwort zurecht, rät Dröge. «Und die sollte nicht sein: Weil ich einen Segelschein gemacht habe.»

Bewerbungstrainer für Akademiker: dpaq.de/bewerbungstrainer

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