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Berlin

Nicht ausbrennen! So beugen Studenten dem Burnout vor

Mit Feuereifer stürzen sie sich ins Studium, stellen sich mit enormem Zeitaufwand den Anforderungen, streben nur Bestnoten an. Doch plötzlich ist von der positiven Energie nicht mehr viel da: Immer mehr Studenten leiden unter dem Burnout-Syndrom.

Manchmal geht gar nichts mehr
Manchmal geht gar nichts mehr: Immer mehr Studenten sind von Ansprüchen, die sie an sich selbst stellen, überfordert.
Foto: Jens Kalaene – DPA

Es ist drei Uhr morgens. Die 21-jährige Jessica wälzt sich im Bett schlaflos von einer Seite auf die andere. «Du schaffst es nicht», geht der Studentin permanent durch den Kopf. Durch eine wichtige Klausur ist sie schon durchgefallen, zwei weitere Semesterabschlussklausuren liegen noch vor ihr.

Als sie wieder über den Büchern hockt, bekommt sie einen Nervenzusammenbruch. Alles erscheint ihr zu viel, sie fühlt sich völlig kraftlos. Ihre Weinkrämpfe bekommt sie kaum unter Kontrolle. Die Eltern bringen sie zum Hausarzt, der ihr starke Beruhigungsmittel gibt und sie zur psychosozialen Beratungsstelle an ihrer Uni schickt.

Jessica ist erfunden – aber ihr Schicksal ist es nicht: So oder so ähnlich ergeht es immer mehr Studenten. «Die Inanspruchnahme von psychologischer Beratung hat unter Studenten stark zugenommen», sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. Rund 27 700 Studierende haben 2012 die psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke besucht, 2003 waren es nur 11 600. Wie viele von ihnen unter Burnout leiden, darüber gebe es keine verlässlichen Statistiken. Fest steht laut Grob jedoch, dass Burnout, einst eine klassische Manager-Krankheit, auch unter Studenten vorkommt.

Es sind Angststörungen und Depressionen, die den akademischen Nachwuchs plagen. «Viele stehen aufgrund der Bachelor-Studiengänge, bei denen viel Pensum in kurzer Zeit absolviert werden muss, enorm unter Stress», erläutert Grob. Mit dem Druck und der Geschwindigkeit kommen die einen gut klar – andere eben nicht. Sie bekommen quälende Selbstzweifel. Manche verfallen ohne erkennbaren Anlass in eine tiefe Traurigkeit. Solche Zustände können sich steigern bis zu einer völligen körperlichen und mentalen Erschöpfung.

«Es sind oft die besonders Ehrgeizigen unter den Studierenden, die unter psychischen Störungen bis hin zu Burnout leiden», sagt Wilfried Schumann von der Psychosozialen Beratungsstelle von Uni und Studentenwerk Oldenburg. «Häufig ist der Stress hausgemacht, weil die Studierenden Dinge von sich erwarten, die einfach nicht realistisch sind.» Ein anspruchsvolles Studienfach, zusätzlich Fremdsprachen lernen und obendrein jobben – das ist einfach zu viel.

«Studenten müssen lernen, Prioritäten zu setzen», rät Grob. Was muss während des Semesters dringend erledigt werden? Sind die Kurse in der zweiten Fremdsprache wirklich erforderlich? Kann der Nebenjob reduziert werden? Die frei werdende Zeit sollte bewusst zum Auftanken genutzt werden. «Solche privaten Oasen im Alltag braucht jeder, um beruflich ans Ziel zu kommen», sagt auch Norbert Hüge vom Deutschen Bundesverband für Burnout-Prophylaxe und Prävention (DBVB).

Doch wer sich in einer Phase der tiefen Erschöpfung befindet, tut sich häufig schwer damit, aus eigener Kraft heraus die Ursachen für sein Ausgebranntsein auszumachen. Experten wie Schumann loten daher gemeinsam mit dem Betroffenen aus, welche Faktoren genau den Burnout ausgelöst haben. Danach wird ein Tagesablauf ins Auge gefasst, in dem auch Hobbys und soziale Kontakte einen Platz haben. «Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga können für Betroffene ebenfalls hilfreich sein», sagt Hüge.

Entscheidend sei die innere Einstellung, hat Schumann festgestellt. Studierende, denen alles über den Kopf wächst, müssten bereit sein, zu erkennen, dass zugunsten ihres Wohlbefindens Änderungen in ihrem Alltag nötig sind. Schließlich geht die Welt von einer vermasselten Klausur nicht unter.

Was ist das Burnout-Syndrom?

Beratungsangebote der Studentenwerke

DBVB-Infos für Betroffene

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