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    Katholische Schwangerenberatung in Vallendar: Ein Lichtzeichen fürs Leben

    Wenn die Haustür des Fachwerkhauses an der trubeligen Hauptstraße von Vallendar hinter einer Frau zufällt, bleibt auch der Stadtlärm draußen. Drinnen fällt ihr Blick als Erstes auf große, blaue Kulleraugen, lachende Babys, Fotos jener Kinder, die es ohne Lichtzeichen e. V. wohl nicht gegeben hätte.

    Wie es diesen Frauen geht? Jenen, die in schwerer Not sind, die nicht wissen, wie sie das Leben, das in ihnen wächst, über die Runden bringen sollen? Die vielleicht sogar damit hadern, es auf die Welt zu bringen? „So wird ihr Kind auch mal lachen. Denn hier bekommen sie Hilfe“, sagt Ulrike Eichenberg offen lachend. Sie ist seit zwölf Jahren ehrenamtliche Beraterin bei Lichtzeichen, einem Verein der katholischen Schönstatt-Bewegung, der Hilfe für schwangere Frauen anbietet.

    „Lichtzeichen ist keine eingetragene Beratungsstelle“, erklärt sie. Das bedeutet, dass der Verein keinen sogenannten Beratungsschein ausstellen darf. Laut Gesetz müssen Frauen, die ihr Kind nicht zur Welt bringen wollen, noch vor der zwölften Schwangerschaftswoche eine offizielle Schwangerschaftskonfliktberatung aufsuchen, sich über Möglichkeiten und Chancen aufklären lassen und drei Tage Bedenkzeit aushalten. Erst dann darf ein Arzt eine Abtreibung vornehmen. Erst dann ist es legal. Wenn es nach Ulrike Eichenberg und ihren rund 20 Teammitgliedern, die alle ehrenamtlich tätig sind, geht, soll es dazu aber erst gar nicht kommen. „Wir sind ganz klar für das Leben. Wir wollen die Frauen darin unterstützen, sich für ihr Baby zu entscheiden, und versuchen alles uns Mögliche, dass das auch passiert“, versichert die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Oma von vier Enkeln. Neben der seelischen Begleitung durch Gespräche und Gebete steht vor allem eines im Mittelpunkt des Vereins: die praktische Lebenshilfe.

    Das hat auch etwas mit den Wurzeln von Lichtzeichen zu tun, denn alles beginnt im Advent 2000 mit der materiellen Not dreier Frauen, die Kinder erwarten. Kleidung, Windeln, Bettchen – es mangelt besonders an der Erstausstattung. Der Spendenaufruf eines Sozialausschusses kommt auch in der „Schönstattbewegung Frauen und Mütter“ an, und die Reaktionen sind überwältigend. „Das sprach sich in der Gemeinde wie ein Lauffeuer herum. Plötzlich hatten wir viel zu viel Zeug“, erinnert sich Schwester Anne-Meike Brück, die von Beginn an bei Lichtzeichen dabei ist, „und es war wie ein Zeichen von Gott, dass wir weitermachen sollen.“ Eine Handvoll Frauen schließt sich der Aktion an, in ihren Wohnzimmern stapeln sich Babywäsche, winzige Schuhe, Windeln, Schlafsäcke. Auch das Bundesheim der Schönstätter, in dem der seit 2002 eingetragene Verein Räume nutzen darf, platzt aus allen Nähten. Da kommt der Umzug in das Fachwerkhaus in der Höhrer Straße gerade recht. Dort finden sich heute ein Still- und Ruheraum, eine große Gemeinschaftsküche, Veranstaltungsräume sowie eine kleine Wohnung im Dachgeschoss, die werdende oder frischgebackene Mütter beziehen können – Frauen aus Mutter-Kind-Einrichtungen, die kein sicheres Zuhause haben, die Gewalt erlebt haben oder einfach nur Ruhe brauchen. „Sie dürfen so lange bleiben, wie sie es brauchen. Und es kostet nichts“, versichert Eichenberg.

    Lichtzeichen finanziert sich rein aus Spenden seiner Mitglieder oder von Sponsoren. Auch Sachspenden sind gern gesehen. Die finden im Erdgeschoss Platz, in der mehrräumigen Kleiderkammer, in der jetzt Wintermäntel und Jeans neben Minisocken und Bettwäsche sortiert sind. Unten im Keller stapeln sich Kinderwagen und größere Ausstattung, auch ganze Kinderzimmer hat Eichenberg schon vermittelt: „Viele Frauen kommen zu uns, weil sie materielle Not haben. Sie haben noch nicht mal Geld für das Nötigste.“ Und zwischen Kleiderbügeln und Klamottenregalen findet sich Zeit für ein Gespräch, häufig kommen dann ganz andere Probleme an die Oberfläche. „Die Kleiderkammer ist ein guter Ort, um mit den Frauen in Kontakt zu treten“, weiß die erfahrene Beraterin zu berichten.

    In ihren zwölf Jahren, in denen sie hauptsächlich im Kreis Mayen-Koblenz arbeitet, aber auch schon mal bis nach Würzburg zu einer bedürftigen Frau gefahren ist, hat sie schon so viele Geschichten erlebt, dass sie sich über nichts mehr wundert. Zum Beispiel erinnert sie sich an die dreiköpfige Familie, in der der kleine Bruder nicht erwünscht war und nach langem Ringen doch abgetrieben werden sollte. Doch seine große Schwester, selbst noch ein Kleinkind, brüllte im Arztzimmer so laut, als wollte sie verhindern, was die Erwachsenen dort vorhatten. Heute lachen beide Kinder um die Wette. Solche Beispiele gibt es viele in der 15-jährigen Geschichte von Lichtzeichen. Wie zum Beweis kommen jeden Mittwoch, wenn das sogenannte Storchennest bei Lichtzeichen zum Kaffeetreff öffnet, die Mütter mit jenen Kindern vorbei, denen Lichtzeichen geholfen hat: zum Quatschen, Austauschen oder auch mal, um ein bisschen Ruhe zu genießen. Denn dann kümmern sich die Ehrenamtler ein bis zwei Stunden um die Kinder, die Mütter sitzen beim Beautytreff in großer Runde oder ziehen sich einfach mal zurück. „Das Stärken des Selbstwerts ist uns sehr wichtig. Die Frauen sollen sich bei uns gut und stark fühlen. Das kennen sie häufig von zu Hause schlicht nicht“, so Eichenberg.

    Im Storchennest finden regelmäßig auch Kurse statt, in denen die jungen Mütter lernen, ihr Baby zu pflegen, auch Erste-Hilfe-Kurse, richtiges Spielen oder Pekip werden unterrichtet. „Die Mütter haben so was oft zu Hause selbst nicht gehabt. Woher sollen sie es denn wissen?“, weiß Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Die Bendorferin ist Schirmherrin von Lichtzeichen und steht voll hinter dem Verein: „Auch Verantwortung ist etwas, das beigebracht werden muss. Das holen die Mitarbeiter hier bei vielen Frauen erfolgreich nach.“

    Doch bei allen Erfolgsgeschichten müssen Eichenberg und ihr Team auch Rückschläge aushalten. Die jüngste werdende Mama kam mit 13 in Begleitung ihrer Hebamme zu Lichtzeichen, brachte ihr Baby voller Zuversicht zur Welt – und gab es dann doch nach elf Tagen zur Adoption frei. Eine andere, bereits Mutter von drei Kindern, meldete sich verzweifelt per E-Mail, wieder schwanger mit Zwillingen, aber kaum mehr in der Lage, mit ihrem Mann die drei geborenen Kinder zu ernähren. In großer Not wartete sie auf Hilfe, bereits mit einem Abtreibungstermin im Nacken. Die Lichtzeichen-Mitarbeiter trafen sich rasch zur Sitzung, bewilligten regelmäßige finanzielle Zuwendungen, schrieben der Frau – und hörten ein paar Tage nichts mehr. Die E-Mail kam zu spät, der Eingriff war vollzogen. „So etwas passiert uns nie, nie wieder“, bekräftigt Eichenberg traurig, „das war uns eine Lehre, dass wir auch schnell sein müssen, um so etwas zu verhindern.“

    Hin und wieder bleiben ihre Bemühungen ungehört, hin und wieder brechen Frauen ihre Schwangerschaften ab. Doch auch dann können diese auf Unterstützung hoffen. „Hier hebt keiner den moralischen Zeigefinger. Wir begleiten Frauen auch in dieser Not und bei allem, was solch ein Eingriff mit ihnen macht“, sagt Ulrike Eichenberg, „wir müssen barmherzig sein, auch wenn die Entscheidung für eine Abtreibung fällt.“ Der Glaube gebe ihr dafür genug Kraft.

    Von unserer Reporterin Marta Fröhlich

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