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Zugunglück in Meerbusch: Lokführer erhielt Fahrauftrag

Beim Zugunglück von Meerbusch scheint die beiden Lokführer der kollidierten Züge keine Schuld zu treffen. Vieles deutet auf einen Fehler der Fahrdienstleitung oder technisches Versagen hin.

Zugunglück in Meerbusch
In Meerbusch-Osterath war am Dienstagabend ein Regionalexpress auf einen Güterzug aufgefahren.
Foto: Lisa Ducret – dpa

Meerbusch (dpa). Vor dem Zugunglück von Meerbusch hat der Lokführer der Regionalbahn einen Fahrauftrag erhalten, obwohl die Strecke noch nicht frei war. „Damit durfte er weiterfahren“, sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn der Deutschen Presse-Agentur.

Der Fahrauftrag hebe das Haltesignal auf. Dies bedeute aber noch nicht, dass das Unglück auf einen Fehler der Fahrdienstleitung zurückgeht. „Auch technische Ursachen sind noch möglich“, sagte er und bat um Geduld. „Wir rekonstruieren das Ereignis im Ist-Ablauf. Das kann lange dauern.“

Inzwischen stehe außerdem fest, dass der Güterzug, auf den der Personenzug aufgeprallt ist, gerade wieder angefahren war, hieß es seitens der Bundesstelle. Er hatte zuvor das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath erhalten. Dadurch sei der Aufprall gemildert worden.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und die Bundespolizei ermitteln wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Sie berichteten am Donnerstag von „mehr als 50 Verletzten“ unter den nach jüngsten Angaben mehr als 180 Passagieren in dem Zug.

Die Auswertung, der an der Unfallstelle gesicherten Spuren und Beweise, der Aufzeichnungen über den betrieblichen Ablauf, der elektronischen „Fahrtenschreiber“ sowie des Funkverkehrs dauere an.

Die Strecke bei Neuss ist weiterhin gesperrt. Die Menschen in dem Regionalzug – darunter auch die Verletzten – mussten in dem Zug lange ausharren, bis die Gefahr aus der herabgerissenen Oberleitung mit 15 000 Volt Hochspannung gebannt war.

Die Fahrtenschreiber beider Züge sind sichergestellt und ausgelesen worden. Auch in den Stellwerken wurden Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr wurde aufgezeichnet.

Die Rettungskräfte hatten den Lokführer gelobt. Er habe sich, obwohl selbst deutlich mitgenommen, um die Fahrgäste gekümmert und geholfen, das alles ruhig abgelaufen sei. Mit seiner Notbremsung habe er Schlimmeres verhindert.

Die Bundesstelle hatte die Kollision als schweren Unfall mit mindestens zwei Millionen Euro Schaden eingestuft. Ein schwerer Kran hatte am Mittwoch mit der Bergung der kollidierten Züge begonnen, die teilweise entgleist waren.

Beide Züge waren nach Norden in Richtung Krefeld unterwegs, als sie am Dienstag gegen 19.30 Uhr auf offener Strecke kollidierten – der Regional-Express der Linie 7 und der leere Güterzug von DB Cargo, der in Rotterdam beladen werden sollte. Auf der Strecke ist für unbestimmte Zeit ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

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