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    Waldbesitzer plädieren für "naturnahe Nutzung"

    50.000 Beschäftigte, 8400 mittelständische Betriebe, 40 Prozent stoffliche Verwertung (von Möbel bis Holzhaus) und heute vor allem: natürlicher Energierohstoff Nummer eins, der Umwelt und Energie miteinander versöhnt: Das ist unser Wald.

    Foto: picture-alliance/ dpa

    Gastbeitrag von Hans-Günter Fischer

    50.000 Beschäftigte, 8400 mittelständische Betriebe, 40 Prozent stoffliche Verwertung (von Möbel bis Holzhaus) und heute vor allem: natürlicher Energierohstoff Nummer eins, der Umwelt und Energie miteinander versöhnt: Das ist unser Wald.

    42 Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz bestehen aus Wald, der von rund 300 000 privaten Waldbesitzern und mehr als 2000 öffentlichen Kommunen gepflegt, geschützt und naturnah bearbeitet wird. Das neue Energiezeitalter will weg vom Öl, raus aus der Kernkraft - und hin zu erneuerbaren Energien. Der Wald ist mit Abstand die stärkste Ressource als nachwachsende Rohstoff- und Energiequelle - und dabei Klima schützend, weil CO2-neutral. Der Wald bringt nicht nur Naturschutz, Biosphäre und Erholung für Mensch und Tier, sondern auch Wärme und Energie. Ohne Wald werden wir dieses Ziel nicht schaffen. Wer, wenn nicht der Wald, soll bei der Energiewende, vom Standort für Windräder bis zur Erzeugung von Energie aus Holz, die tragende Rolle für klimafreundliche Energie übernehmen?

    Nachhaltig bewirtschaften

    Die politischen Folgen diskutieren nicht nur die privaten und kommunalen Waldbesitzer, die im Waldbesitzerverband Rheinland-Pfalz organisiert sind. Die Politik muss aber auch umdenken, neu denken und nachsteuern - und altes Denken aus alter Zeit hinter sich lassen. Sonst droht die Energiewende zu scheitern.

    Für Waldbesitzer sichert nur nachhaltige Waldbewirtschaftung langfristigen Erfolg. Rücksichtsloses Abholzen wie in anderen Teilen der Welt ist lange verbannt, der Wert des Waldes sowie seine vielfachen Funktionen sind tägliches Brot. Gerade diejenigen, die nicht nur "nah am, sondern mitten drin im Wald" sind, wissen besser als ferne Bürokratie, was der Wald wirklich braucht, um seine Funktionen nachhaltig und auf Dauer erfüllen zu können. Die Waldbesitzer haben hier eine Schlüsselfunktion. Die privaten und kommunalen Waldbesitzer als Träger des Schutzes und Akteure der Energiewende zu übersehen oder gar auszugrenzen, würde Wald und Politik Schaden zufügen.

    In der Energiedebatte kommt nachwachsenden Rohstoffen zu Recht eine tragende Rolle zu. Der Klimaschutz in der Energieversorgung darf nicht nur propagiert, sondern muss vor allem intelligent praktiziert werden. Wenn die Politik von "erneuerbar" redet, muss sie sich selbst erneuern. Wir müssen offen und über die neue Rolle des Waldes bei erneuerbarer Energie reden.

    Wer im Jahr 2011, nach Fukushima, weg von Primärenergie will, beim Wald aber primär auf Flächenstilllegung setzt, der muss sich sagen lassen: Hier sieht man vor lauter ideologischen Bäumen den Wald nicht mehr.

    Naturschutz ist ein natürlicher, kein ideologischer Prozess. Naturschutz findet im Wald seit Jahrzehnten und auf riesigen Flächen statt. Die übergroße Mehrheit des Waldes, nämlich zwei Drittel, sind Schutzgebiete, im Gegensatz zu anderen Ländern und Kontinenten ist Naturschutz im Wald in Deutschland selbstverständlich und massiv ausgeweitet worden.

    Der Schutz der Natur steht auch bei der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes, ob für Erholung oder bei Rohstoff und Energie, immer mit im Vordergrund. Holzeinschlag findet mit großer Umsicht und immer mit Blick auf das Nachwachsen des Rohstoffes statt, ohne den Holznutzung nicht dauerhaft gesichert werden kann. Die Holznutzer würden sich den eigenen Ast absägen, wenn sie nicht nachhaltig und naturnah arbeiten. Dazu braucht es keinerlei bürokratische "Hilfestellung".

    Bürokratisches Unterholz

    Wenn vor dem Hintergrund dieser ganz zentralen Bedeutung des Waldes zur Sicherung von Energie, also auch klimafreundliche Heizen mit Holz, nun zu den bereits stillgelegten Waldflächen weiter mit dem alten und falschen Bild operiert wird, nur toter, nicht genutzter Wald sei guter Wald, dann stimmt etwas nicht in der Balance zwischen Natur und Politik. Die Natur hat ihre biologische Vielfalt durch Naturschutzgebiete, FFH- und Vogelschutzgebiete. Noch besser wird der Wald gehegt und gepflegt durch kommunale und private Waldbesitzer, die "mitten drin im Thema Wald" stecken und kein Unterholz bürokratischer Vorgaben brauchen, um "ihren", letztlich unser aller Wald zu schützen.

    Wir leben in einer globalisierten Welt. Und wenn die Politik hier in Rheinland-Pfalz Waldflächen aus der traditionell schonend vorgenommenen Nutzung aussperrt, dann verursacht sie Waldvernichtung und gigantische Klimaschäden in anderen Ländern. Denn das Holz, das wir hier nicht naturnah fördern dürfen, wird oft unmittelbar mit katastrophalen Folgen für Umwelt und Klima in anderen Ländern geschlagen. Es wäre Irrsinn, das genaue Gegenteil vom Ziel zu erreichen.

    Politik braucht Praxis, der Wald braucht naturnahe Nutzung. Ideologie schadet, Dialog und Expertise sind gefragt. Die Landesregierung ist am Zug.

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