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UN-Behörde: Milizen lassen Tausende Kindersoldaten frei

Ob im Südsudan oder in Syrien, Zehntausende Kinder werden weltweit in Konflikten als Kämpfer eingesetzt. Auch wenn die Befreiung endlich kommt, ist das Trauma noch lange nicht beendet. Projekte wie die des BAP-Rockers Wolfgang Niedecken versuchen zu helfen.

Kindersoldaten freigelassen
Gewehre ehemaliger Kindersoldaten aus dem Südsudan bei einer Feier anlässlich ihrer Freilassung auf dem Boden.
Foto: Sam Mednick/Archiv – dpa

New York (dpa). In wenigen Stunden werden die Kindersoldaten von ihren Rebellengruppe entlassen. Im Dienste ihrer Miliz mussten sie womöglich töten und plündern. Kurz vor ihrer Befreiung klammern sich einige der Jungen noch immer an ihre Holzwaffen, die sie zur Übung erhalten hatten.

Viele der Kinder, die in dieser Einrichtung von Hilfsorganisationen in Yambio im Südsudan übergangsweise übernachten und darauf warten, in die Normalität zurückzukehren, wirken noch verstört, wie Mark Nonkes von World Vision erzählt. „Sie haben einige der schlimmsten Dinge erlebt, die die Menschheit zu bieten hat.“

Die Kinder haben nach Monaten, manchmal Jahren des Leidens nun Glück gehabt. Sie gehören zu rund 300 Kindern, die von zwei Rebellengruppen freigelassen werden. Doch in dem Bürgerkriegsland im Osten Afrikas gehören dem UN-Kinderhilfswerk zufolge immer noch etwa 19 000 Kinder bewaffneten Gruppen an. Weltweit sind es nach UN-Angaben Zehntausende – eine genaue Zahl gibt es nicht. Projekte wie „Rebound“, das von World Vision und BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken gegründet wurde, versuchen Ex-Kindersoldaten einen Neustart nach den grausamen Erfahrungen zu ermöglichen. Auf das Schicksal der Betroffenen macht der Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am Montag aufmerksam.

Wo ein Konflikt herrscht, werden oft auch Kinder mit hineingezogen und zu Tätern gemacht. In Ländern wie dem Südsudan, Irak, Somalia, der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Afghanistan werden jedes Jahr Tausende Kinder von bewaffneten Gruppen im Kampf eingesetzt; einige werden zwangsrekrutiert, andere schließen sich freiwillig an. Nicht nur Rebellen, sondern auch Regierungskräfte sind dafür verantwortlich.

Die Kinder sind zugleich Opfer und Täter. Sie werden zu brutalen Taten gezwungen. Sie müssen Dörfer überfallen, Menschen töten oder vergewaltigen, oftmals unter Androhung des eigenen Todes. Kindersoldatinnen werden in den Milizen oft sexuell missbraucht. Von den Kindersoldaten in Yambio habe Nonkes gehört, dass einige auch etwa als Köche oder Spione genutzt worden seien. „Alle sagen, dass es schlimm war und sie nicht wollen, dass andere Kinder dort auch hingehen müssen“, sagt der Mitarbeiter von World Vision.

Doch auch eine Befreiung stellt nicht sofort ein Ende der Odyssee dar. Für die meisten Ex-Kindersoldaten ist es extrem schwierig, in die Normalität zurückzukehren. „Ihnen fehlt ein großes Stück Kindheit“, sagt Vedasto Nsanzugwanko, ein Kinderschutz-Beauftragter bei Unicef im Südsudan. Sie müssen schwere Traumata bewältigen. Viele können nicht lesen und schreiben. Und oftmals finden sie nicht in ihr altes Leben zurück.

„Die Kinder werden oft von ihren Gemeinden abgelehnt“, erklärt Betty Lalam. Denn durch die Straftaten, die sie begehen mussten, sind sie in vielen Gesellschaften mit einem Stigma behaftet. Lalam leitet eine Organisation in Uganda, die ehemalige Kindersoldaten unterstützt. In dem Land trieb jahrelang die Rebellengruppe Lord's Resistance Army unter der Führung von Joseph Kony ihr Unwesen, die systematisch Kinder entführte und als Kämpfer einsetzte. Nach diesen Erfahrungen seien viele der Kinder von ihren Familien und Bekannten mit Feindseligkeit begrüßt worden, sagt Lalam.

„Wenn man sich nicht um sie kümmert, ist das schlimmste, dass sie zu den Milizen zurückkehren“, sagt Niedecken. Sein Projekt „Rebound“ bietet Kindersoldaten neben psychologischer Betreuung auch eine Schul- oder Berufsausbildung, um ihnen einen Neustart im Leben zu ermöglichen. Vor zehn Jahren begann die Initiative, Ex-Kindersoldaten in Uganda zu unterstützen, heute ist sie im Ost-Kongo aktiv.

Einem jungen Kongolesen mit den Spitznamen Zebra etwa konnte „Rebound“ zum Schreiner ausbilden, wie sich Niedecken erinnert. Jahre später habe er Zebra besucht, der inzwischen eine eigene Schreinerei mit sechs Angestellten sowie eine Frau und Kinder gehabt habe. „Das hat mich vom Sockel gehauen“, sagt Niedecken. Auch hat er demnach erlebt, wie ein junges Mädchen, das von einer Miliz zur Prostitution gezwungen worden war, als erste Frau durch „Rebound“ eine Ausbildung zur Automechanikerin machte.

Der Musiker weiß, dass die Rekrutierung von Kindern in Konflikten kaum zu beenden ist. Befreiungen von Kindersoldaten wie im Südsudan kommen nicht oft vor, wohl nur Frieden in den Konfliktregionen kann das Problem nachhaltig lösen. Es sei ein „fast hoffnungsloses Thema“, sagt Niedecken. Die Hoffnung gibt er aber nicht auf: „So lange man da auch nur ein Kind rausholen kann, dann lohnt es sich schon.“

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