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    Kabul

    Tote bei Protesten gegen Koranverbrennung

    Trotz einer Entschuldigung der US-Regierung hat die unbedachte Koranverbrennung durch Soldaten in Afghanistan schwere Ausschreitungen mit zahlreichen Toten ausgelöst.

    Protest in Afghanistan
    Protest in Afghanistan über eine Koranverbrennung durch US-Truppen.
    Foto: S. Sabawoon – DPA

    Proteste gegen Koran-Verbrennung
    Wütende Demonstranten skandieren in Kabul: Die Internationale Schutztruppe Isaf bestätigte, dass Soldaten in der US-Basis Bagram Ausgaben des Korans zur Entsorgung versehentlich zu einer Verbrennungsanlage gebracht hätten.
    Foto: S. Sabawoon – DPA

    Am zweiten Tag der Proteste kamen nach Angaben des Innenministeriums bei Zusammenstößen in der Hauptstadt Kabul und in drei weiteren Provinzen mindestens sieben Demonstranten ums Leben, 30 Menschen wurden verletzt. Landesweit protestierten am Mittwoch Tausende Muslime.

    Proteste gegen Koran-Verbrennung
    Demonstranten werfen Steine auf ein mutmaßliches NATO-Gebäude in Kabul.
    Foto: S. Sabawoon – DPA

    Nach Angaben der Regierung der nördlich von Kabul gelegenen Provinz Parwan wurden dort sechs Demonstranten getötet, die das Verwaltungsgebäude eines Distrikts stürmen wollten. Dagegen meldete das Innenministerium aus Parwan vier Tote. Das Ministerium teilte weiter mit, in Kabul sei ein Demonstrant vor einem Militärcamp erschossen worden. In der ostafghanischen Provinz Logar und in der Stadt Dschalalabad sei ebenfalls je ein Demonstrant ums Leben gekommen.

    Proteste gegen Koran-Verbrennung
    Ausländische Sicherheitskräfte stehen vor einem befestigten Gebäude in Afghanistans Hauptstadt Kabul.
    Foto: S. Sabawoon – DPA

    Die Internationale Schutztruppe Isaf bestätigte, dass Soldaten in der US-Basis Bagram in Parwan Ausgaben des Korans zur Entsorgung versehentlich zu einer Verbrennungsanlage gebracht hätten. In einer Direktive verpflichtete Isaf-Kommandeur John Allen alle Soldaten dazu, bis zum 3. März an Schulungen zum angemessenen Umgang mit religiösen Schriften wie dem Koran teilzunehmen. Allen und US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigten sich ausdrücklich für den Vorfall.

    Wut
    Demonstranten gehen mit Schlagstöcken gegen ein befestigtes Gebäude in Kabul vor.
    Foto: S. Sabawoon – DPA

    Die US-Botschaft, die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen stoppten alle Bewegungen ihrer Mitarbeiter in Kabul bis auf weiteres. Vor einem Wohnkomplex von Ausländern in Kabul skandierten Hunderte Demonstranten «Tod für Amerika» und – an die Adresse von Präsident Hamid Karsai – «Stirb, Karsai».

    Proteste gegen Koran-Verbrennung
    In Jalalabad brennen Reifen auf der Straße.
    Foto: Baz Muhammad Abid – DPA

    Augenzeugen berichteten, mit Eisenstangen und Steinschleudern bewaffnete Aufrührer hätten die Polizei an dem Wohnkomplex mit Steinen beworfen. Der Mob habe einen Lastwagen in Brand gesteckt. In Dschalalabad zündeten Demonstranten nach Angaben der Provinzregierung mehrere Tanklastwagen an. Das Innenministerium teilte am Mittwochabend mit, landesweit seien die Proteste vorerst beendet.

    Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde. Aus Militärkreisen hieß es, die religiösen Schriften, die entsorgt werden sollten, seien Insassen des umstrittenen Gefängnisses auf der US-Basis in Bagram zur Verfügung gestellt worden. Es sei vermutet worden, dass sich die Häftlinge über Notizen in den Schriften untereinander ausgetauscht hätten.

    Die Taliban teilten mit, sie unterstützten die Proteste. Die Aufständischen riefen alle «nationalistischen afghanischen Muslime» dazu auf, die ausländischen Truppen anzugreifen.

    Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines Predigers in Florida 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN- Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.

    Isaf-Mitteilung Schulung

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