40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Deutschland & Welt
  • » Terroranschlag auf Polizisten überschattet Frankreich-Wahl
  • Aus unserem Archiv

    Terroranschlag auf Polizisten überschattet Frankreich-Wahl

    Schock vor der Präsidentenwahl: Auf dem Vorzeige-Boulevard der französischen Hauptstadt fallen Schüsse, die Terrormiliz IS reklamiert den Anschlag für sich. Beeinflusst das die Entscheidung der Wähler am Sonntag?

    Bluttat
    Der tödliche Angriff auf Polizisten belastet die kommende Wahl erheblich.
    Foto: Kamil Zihnioglu - dpa

    Paris (dpa). Der tödliche Anschlag auf Polizisten in Paris hat das Wahlkampf-Finale vor der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl überschattet. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Attacke des 39-jährigen Karim C. am Freitag als „terroristische Tat“.

    Am nächsten Tag
    Der Verkehr fließt wieder vor dem Arc de Triomphe.
    Foto: Michel Euler - dpa

    Der Mann hatte am Vorabend auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées einen Polizisten erschossen. Eine deutsche Passantin und zwei weitere Beamte wurden verletzt, bevor die Polizei den Angreifer tötete. Der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte Angriff entfachte kurz vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung heftigen Streit über die Sicherheitspolitik.

    Passanten auf den Champs-Élysées
    Passanten heben ihre Arme, während die Champs-Élysées von der Polizei gesichert wird.
    Foto: Thibault Camus - dpa

    Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen warf der Regierung Nachlässigkeit im Anti-Terror-Kampf vor. Premierminister Bernard Cazeneuve erwiderte ungewöhnlich scharf, Le Pen schlachte das Drama zu Wahlkampfzwecken aus. Nun stellt sich die Frage, ob der Anschlag einen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten beim ersten Wahlgang am Sonntag hat. Das Rennen gilt als Schicksalswahl für Europa.

    Einschussloch
    Französische Sicherheitskräfte wurden bereits mehrfach attackiert. Im Juni 2016 wurde ein Polizistenpaar im Umland von Paris ermordet.
    Foto: Michel Euler - dpa

    In Umfragen lag der pro-europäische Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron zuletzt leicht vorn, gefolgt von Europa-Feindin Le Pen, die ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft will. Aber auch der Konservative François Fillon und der ebenfalls mit scharfer EU-Kritik auftretende Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon können sich noch Hoffnungen machen, sich für die entscheidende Stichwahl am 7. Mai zu qualifizieren. Mehrere Kandidaten unterbrachen nach dem Anschlag ihren Wahlkampf oder sagten Kundgebungen ab.

    Äußerung
    Der französische Innenminister, Matthias Fekl (l-r), der französische Ministerpresident Bernard Cazeneuve und der französische Justizminister Jean-Jacques Urvoas sprechen vor dem Elysee-Palast. Zuvor
    Foto: dpa

    Der Angreifer hatte am Donnerstagabend mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr das Feuer auf einen Mannschaftswagen der Polizei eröffnet. In der Nähe seiner Leiche fanden die Beamten einen handschriftlichen Zettel, auf dem der IS verteidigt wurde - er sei wahrscheinlich aus der Tasche des Mannes gefallen, so Staatsanwalt François Molins. Im Auto des Angreifers lagen ein Koran und eine weitere Schusswaffe.

    Paris
    Polizeieinheiten auf dem Champs Elysees in Paris.
    Foto: TV/AP/dpa

    Die Behörden hatten den Mann Anfang des Jahres bereits im Visier: Es habe Hinweise auf Äußerungen gegeben, dass er Polizisten umbringen wollte, sagte der Chefermittler. Die Untersuchung habe jedoch zunächst keine ausreichenden Beweise erbracht. Der Angreifer war 2005 schon einmal wegen eines Angriffs auf Polizisten zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Es folgen noch drei weitere Verurteilungen, unter anderem wegen Gewalt gegen einen Justiz-Beschäftigten. Einschließlich Untersuchungshaft saß er damit von 2001 bis 2015 fast durchgängig in Haft. In dieser Zeit habe es keine Hinweise auf eine Radikalisierung gegeben.

    Schüsse in Paris
    Ein Polizist sichert am Abend den Ort des Geschehens.
    Foto: Thibault Camus - dpa

    Nachdem erst wenige Tage zuvor in Marseille ein Anschlagsplan vereitelt worden war, erhöht die Attacke die Anspannung im terrorgeplagten Frankreich. Regierungschef Cazeneuve rief seine Landsleute auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Nichts darf diesen für unser Land fundamentalen demokratischen Augenblick beeinträchtigen“, sagte er.

    Polizeieinsatz
    Bewaffnete Polizisten stehen vor einem Geschäft auf dem Prachtboulevard.
    Foto: Thibault Camus - dpa

    In den kommenden Tagen werden mehr als 50 000 Polizisten eingesetzt, um die Präsidentenwahl zu schützen. Auch Spezialeinheiten der Polizei sind dann in Alarmbereitschaft. In dem Land gilt nach einer beispiellosen islamistischen Anschlagsserie mit mehr als 230 Toten der Ausnahmezustand.

    Am Arc de Triomphe
    Ein Soldat sichert das Gebiet um den Arc de Triomphe.
    Foto: Kamil Zihnioglu - dpa

    Le Pen forderte am Freitag erneut ein härteres Vorgehen im Kampf gegen den Terror. Unter anderem will sie Ausländer abschieben, die von den Behörden in eine Datei mutmaßlicher Gefährder aufgenommen wurden. Seit zehn Jahren sei unter den Regierungen der Konservativen und der Sozialisten alles getan worden, damit Frankreich den „Krieg“ gegen den Terrorismus verliere, so Le Pen. „Sie versucht schamlos, die Angst und die Emotion zu rein politischen Zielen auszuschlachten“, kommentierte Premierminister Cazeneuve.

    Freitag war offiziell der letzte Wahlkampf-Tag vor der ersten Runde, am Wochenende ist dann die Veröffentlichung neuer Umfragen verboten. US-Präsident Donald Trump zeigte sich bereits überzeugt, dass der neue Anschlag einen „großen Effekt“ auf die Wahl haben werde. „Die französischen Menschen werden sich das nicht länger gefallen lassen“, schrieb er auf Twitter.

    Laut einer noch vor dem Anschlag erstellten Ipsos-Umfrage könnten 31 Prozent derjenigen, die sicher zur Wahl gehen wollen, ihre Wahlentscheidung noch ändern. Der Sozialliberale Emmanuel Macron lag demnach bei 24 Prozent, gefolgt von Le Pen mit 22 Prozent. Der Konservative Fillon und der Linkspolitiker Mélenchon kamen beide auf 19 Prozent.

    Zahlreiche Staats- und Regierungschefs kondolierten dem französischen Präsidenten François Hollande nach dem Anschlag. Darunter waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Trump und die britische Premierministerin Theresa May.

    Ergebnisse der Elabe-Umfrage, Frz.

    Ergebnisse der Ipsos-Umfrage, Frz.

    Deutschland & Welt
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst
    Maximilian Eckhardt
    0261/892743
    Kontakt per Mail
    Fragen zum Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Dienstag

    8°C - 22°C
    Mittwoch

    10°C - 21°C
    Donnerstag

    13°C - 21°C
    Freitag

    11°C - 17°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!