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    Sex-Horror im Westerwald: Ein deutscher Fall Fritzl?

    Fluterschen/Koblenz (dpa) - Ein Vater als Sex-Monster: Über zwei Jahrzehnte soll ein Mann mehrere Familienmitglieder sexuell missbraucht haben. Die Vorwürfe haben ein in Deutschland ein bislang unbekanntes Ausmaß.

    Missbrauchverdacht in Fluterschen
    Ortseingang der Gemeinde Fluterschen, wo ein Familienvater seine Tochter und seine Stieftochter jahrelang sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben, soll.

    Nach den Horror-Berichten über sexuellen Missbrauch in einer Familie aus dem Westerwald hat sich die Stieftochter des angeklagten Familienvaters erstmals geäußert. Sie hoffe auf ein Geständnis ihres Peinigers, sagte die 28-Jährige am Freitag in einem Interview mit dem Nachrichtensender N24. Damit würde er «uns diesen Weg auch etwas erleichtern», fügte sie mit Blick auf den Prozessbeginn am Dienstag in Koblenz hinzu. Der Mann soll mit ihr acht Kinder gezeugt haben. Gegen den 48-Jährigen war bereits 2002 wegen sexueller und tätlicher Übergriffe auf seine Kinder ermittelt worden, wie die Staatsanwaltschaft Koblenz auf dpa-Anfrage mitteilte. Das Verfahren wurde damals eingestellt.

    Der 48-Jährige aus dem Dorf Fluterschen soll die Stieftochter und eine leibliche Tochter, die er ebenso wie einen Stiefsohn missbrauchte, auch zur Prostitution gezwungen haben. Zur Frage, wie der Missbrauch über nahezu 23 Jahre lang möglich war, sagte die 28-jährige Stieftochter: «Das ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Das hat mit der Psyche und den Zwanghaftigkeiten zu tun gehabt.» Der Vater bestreitet nach Angaben seines Verteidigers die Vorwürfe.

    Medien nennen den Tatverdächtigen den «deutschen Fritzl». Der Fall weckt Erinnerungen an Josef Fritzl, der seine Tochter 24 Jahre lang im Keller seines Hauses im österreichischen Amstetten eingesperrt, sie vergewaltigt und dabei sieben Kinder gezeugt hatte. 2008 wurde das Verlies entdeckt. Fritzl verbüßt eine lebenslange Haftstrafe.

    Die vielköpfige Familie des Angeklagten und seiner 52 Jahre alten Ehefrau lebte in einem Haus mitten im Dorf. Das Jugendamt vermutete schon früher, dass er der Vater der sieben Kinder der 28-Jährigen sei - eines starb wenige Wochen nach der Geburt. Das habe die junge Frau jedoch stets abgestritten. Ein Ermittlungsverfahren nach einer Anzeige des Jugendamtes 2002 wurde eingestellt, weil sich die Kinder wie auch die Mutter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht beriefen. So gab es keine anderen Beweise, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

    Die Polizei nahm den Mann nun fest, nachdem die Stieftochter einen Abschiedsbrief seiner leiblichen Tochter an das Jugendamt weitergeleitet hatte. Die heute 18-Jährige wollte ausziehen. Der Mann sitzt bereits seit August 2010 in U-Haft. Gutachten hätten inzwischen die Vaterschaft des Angeklagten bei den sieben Kindern zu 99,99 Prozent erwiesen, sagte ein Sprecher des Koblenzer Landgerichts. Die Mutter der 28-Jährigen will laut Staatsanwaltschaft nichts bemerkt haben. Es habe sich bislang kein Anfangsverdacht der Beihilfe ergeben. Die Opfer würden der Mutter auch keine Schuld oder Mitwisserschaft unterstellen.

    Nach Einschätzung eines Opferhilfe-Vereins ist es bei sexuellem Missbrauch in der Familie nicht ungewöhnlich, dass sich die Opfer auch über Jahre hinweg nicht gegen den Täter verbünden. Die Gründe dafür könnten in der Persönlichkeit liegen. «Um so intime Details zu teilen, muss ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis bestehen», sagte Veit Schiemann vom Verein «Weißer Ring». Und es gelte: «Wenn die Tat geschieht, dann ist jeder für sich allein.» Zudem sei der psychische Druck des Täters auf die Opfer enorm.

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