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Brüssel

Rettungsplan: Das sind die Konsequenzen für Sparer und Banken

Zypern wird vorerst nicht pleitegehen. Die internationalen Geldgeber greifen dem Inselstaat mit einem 10 Milliarden Euro schweren Hilfspaket unter die Arme. Im Gegenzug muss Zypern seinen überdimensionierten Bankensektor radikal verkleinern. Dafür werden Großkunden, Gläubiger und Aktionäre herangezogen.

So sehen die Folgen der Rettung aus:

Jeroen Dijsselbloem
Jeroen Dijsselbloem

Wie viel Hilfe bekommt Zypern?

Das Rettungspaket umfasst Hilfskredite von bis zu 10 Milliarden Euro. Einen Teil davon übernimmt der Internationale Währungsfonds. Die Hilfen der Euro-Staaten kommen aus dem Rettungsfonds ESM. Der deutsche Haftungsanteil an diesem Topf beträgt 190 Milliarden Euro. Der deutsche Steuerzahler verliert also erst Geld, wenn Nikosia die Kredite nicht – wie jetzt vereinbart – zurückzahlen könnte.

Was ist der Unterschied zum ersten, gescheiterten Rettungsplan?

Der wohl größte Unterschied ist, dass Kleinsparer nun doch verschont bleiben. Sie werden nicht für die Rettungskosten herangezogen. „Konten bis zu 100 000 Euro sind geschützt, daran gibt es keinen Zweifel“, sagte Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem. In der Europäischen Union (EU) sind Guthaben bis zu dieser Grenze bei Bankpleiten sicher.

Europa will so das Vertrauen in die europäische Einlagengarantie wahren. Beim ersten Anlauf vor zehn Tagen hatten die Euro-Finanzminister eine Zwangsabgabe auf sämtliche Sparguthaben in Zypern geplant. Das stieß auf heftige Proteste, nicht nur in Zypern. Das zyprische Parlament lehnte die Pläne ab; auch international gab es Unruhe.

„Mit dem beschlossenen Rettungspaket kehrt mehr Ruhe und Stabilität in die Euro-Zone zurück“, sagt der Präsident des Bankenverbandes, Andreas Schmitz.

Wie wird verhindert, dass die zyprischen Sparer Geld abziehen?

Das zyprische Parlament hat bereits Gesetze verabschiedet, um den freien Zahlungsverkehr einzuschränken, damit die Kunden der Banken auf Zypern in den kommenden Tagen keine großen Summen ins Ausland bringen können.

Sonst würden die Banken und die gesamte Wirtschaft zu sehr belastet. Die Filialen sollen nach rund 14 Tagen Schließung allerdings erst am Donnerstag wieder öffnen, sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris am Abend. Zuvor hatte die Zentralbank erklärt, dass am heutigen Dienstag alle kleinen Kooperativbanken, die kleine zyprische Hellenic Bank sowie alle ausländischen Banken aufmachen würden.

Die beiden angeschlagenen großen Banken, Bank of Cyprus und Laiki Bank, sollten von vornherein erst am Donnerstag wieder öffnen. Die kleinen Banken haben aber offenbar heftig gegen ihre Öffnung getrennt von den großen protestiert. Sie befürchteten einen Ansturm der Kunden, hieß es. Aber auch am Donnerstag können Kontoinhaber erst einmal nur kleinere Beträge abheben oder überweisen.

Welche Rolle spielen die Banken bei der Zypern-Rettung?

Der überdimensionierte Bankensektor der Insel wird drastisch verkleinert. Zypern muss das aus eigener Kraft schaffen, aus dem Hilfsprogramm gibt es laut Erklärung der Euro-Gruppe keine Mittel für Finanzspritzen an die Banken. Erstmals in der Euro-Schuldenkrise müssen alle bluten: Die beiden insolventen Großbanken Zyperns werden auf Kosten von Großkunden, Gläubigern und Aktionären zusammengelegt, und die größere Bank wird stabilisiert.

Reiche Bankkunden mit mehr als 100 000 Euro Guthaben verlieren einen erheblichen Teil ihres Vermögens. Damit will die EU reiche Ausländer belasten, vor allem Russen, die hohe Summen auf Konten in Zypern halten.

Wie sieht das im Detail aus?

Die zweitgrößte Bank Laiki wird komplett abgewickelt. So kann Zypern viel Geld sparen, das sonst zur Stützung des maroden Instituts nötig wäre. Der überlebensfähige Teil – inklusive der gesicherten Guthaben von weniger als 100 000 Euro – wird auf den Marktführer, die Cyprus Bank, übertragen.

Die Einlagen der Kleinsparer sind dort laut Regierung ausdrücklich geschützt. Der Rest wird in eine Bad Bank ausgelagert, auch nicht bediente Bankkredite. Somit verlieren alle großen Gläubiger, Anteilseigner und Großkunden von Laiki ihre Forderungen ersatzlos, insgesamt geschätzte 4,2 Milliarden Euro. Ebenfalls übertragen werden Notkredite der Zentralbank von 9 Milliarden Euro. Die Cyprus Bank bleibt erhalten, wird aber gestutzt.

Guthaben von mehr als 100 000 Euro werden in haftendes Kapital umgewandelt, bis eine Kernkapitalquote von 9 Prozent erreicht ist. Die betreffenden Kontoinhaber verlieren demnach gut die Hälfte ihres Geldes.

Was wird künftig aus dem internationalen Finanzplatz Zypern?

Der dürfte verschwinden. „Das Geschäftsmodell war einfach nicht brauchbar“, sagt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. „Zypern muss neue Quellen für Wachstum finden.“

Experten rechnen mit einer Kapitalflucht von der Insel. Die Wirtschaft wird wohl in eine tiefe Rezession stürzen.

Mit Zypern schlüpft das fünfte Euro- Land unter einen Rettungsschirm. Ist die Krise nun endlich überwunden?

Nein, aber die Krise hat gezeigt, dass die Märkte nicht mehr so nervös auf eine drohende Staatspleite reagieren wie vor einigen Monaten. Die Schutzmauern von Politik und Zentralbank zeigen Wirkung. Zudem gehen von Zypern geringere Gefahren aus als von einem großen Land wie etwa Italien. Euro-Gruppenchef Dijsselbloem bilanziert: „Wir haben die Unsicherheit für Zypern und die Euro-Zone beendet.“

Von Marion Trimborn, Harald Schmidt, Hannes Breustedt und Anja Ingenrieth

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