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    Kathmandu

    Regen erschwert Rettungsarbeiten in Nepal

    Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben im Himalaya haben Retter Überlebende aus den Trümmern in Nepal geborgen. Heute fanden Helfer nach Angaben des Innenministeriums einen 18-Jährigen Nepalesen in den Ruinen einer mehrstöckigen Pension in der Hauptstadt Kathmandu.

    Gerettet
    Der 15-Jährige blinzelte im hellen Tageslicht, als er in Sicherheit gebracht wurde.
    Foto: Hemanta Shrestha - dpa

    Wenige Stunden später wurde ganz in der Nähe eine Nepalesin geborgen, die sich allerdings in kritischem Zustand befand. Am Vortag hatte ein Rettungsteam ein elfjähriges Mädchen gerettet. Im Katastrophengebiet stieg unterdessen die Zahl der Toten auf mehr als 5500, noch immer werden Dutzende Deutsche vermisst.

    Trümmerberg
    Rettungskräfte aus Deutschland und Großbritannien vor den Trümmern eines eingestürzten Hauses. 
    Foto: Will Oliver - dpa

    Trotz aller Zerstörung versuchten die Menschen in Nepals Hauptstadt, langsam wieder in den Alltag zurückzufinden. Die Banken nahmen den Betrieb erstmals seit der Katastrophe vom Samstag wieder auf. Auch einige Läden, Restaurants und Cafés öffneten wieder.

    Erschöpft
    Wie viele Tote noch geborgen werden, ist nicht abzusehen.
    Foto: Palani Mohan / International Federation Red Cross - dpa

    Außerhalb der Hauptstadt aber ist die Arbeit der Rettungskräfte beschwerlich, auch wegen heftiger Regenfälle. Viele Menschen befürchteten Erdrutsche. Auch Trümmer, fehlende Logistik und schlechter Handy-Empfang bereiteten Probleme, berichtete das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha). Trotz allem erreichten erste Teams entlegene Gebiete und verteilten Hilfsgüter.

    Zudem sorgten Gerüchte über ein erneutes Beben für Unruhe. Die Behörden riefen dazu auf, Ruhe zu bewahren und nicht auf derlei Äußerungen zu hören. Solche Gerüchte kämen in aller Regel von Kriminellen, die anschließend verlassene Wohnungen ausrauben wollten. Nach der Katastrophe kam es schon vielfach zu Einbrüchen.

    Das Beben der Stärke 7,8 hatte die Region am Samstag erschüttert. In den Nachbarländern Indien und China starben zusammen mindestens 100 Menschen. Helfer fürchten, dass die Zahl noch deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen in Nepal erreicht werden.

    Nach Einschätzung der Welternährungsorganisation (FAO) brauchen etwa 3,5 Millionen Menschen in Nepal akute Nahrungsmittelhilfe. Der Einfluss des Bebens auf die Landwirtschaft und die Lebensmittelsicherheit in dem Land sei enorm. Wenn die Landwirte nicht die bevorstehende Pflanzsaison für Reis vorbereiten könnten, drohe ihnen der Verlust der Reisernte, einem Grundnahrungsmittel des Landes. Dazu komme die Vernichtung von Vorräten sowie Weizen- und Mais-Ernten, die die Lebensmittelversorgung in Nepal massiv einschränken könne.

    Zahlreiche Bewohner Nepals sind wütend auf die Regierung. Sie glauben, dass nicht genug getan werde, um Lebensmittel und Wasser zu verteilen. Zudem werde in vielen verlassenen und zum Teil zerstörten Häusern geplündert. «Die Polizei konzentriert sich ausschließlich auf die Rettungsarbeiten, so dass Diebe freie Hand haben», klagte ein Anwohner.

    Als Premierminister Koirala den Stadtteil Basantapur in Kathmandu besuchte, hätten zahlreiche Überlebende ihn umzingelt und ihrem Zorn Ausdruck verliehen, berichtete die Zeitung «Kantipur» online. Hunderte Menschen hätten auch vor Regierungsgebäuden demonstriert. Sie forderten demnach, die Regierung solle Busse bereitstellen, damit sie Kathmandu verlassen und zu Verwandten fahren können.

    Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin bewegt sich die Zahl der Bundesbürger, zu denen kein Kontakt bestehe, unverändert im hohen zweistelligen Bereich. Ähnlich hoch sei mittlerweile die Zahl der Menschen, die sich mit der Bitte um Hilfe an die deutsche Botschaft in Kathmandu gewandt hätten. Bestätigt ist bislang der Tod eines Professors aus Göttingen, der bei einer Exkursion im Himalaya ums Leben gekommen war.

    Für die Retter vor Ort gab es bei allem Leid aber auch Momente der Freude: So wurde die Rettung des jungen Mannes aus den Trümmern von Kathmandu von den Beteiligten ausgelassen gefeiert. Nepalesische Polizisten, die bei der Suche mit einem US-Team zusammenarbeiteten, reckten den Daumen nach oben. Der Teenager war nach offiziellen Angaben in guter Verfassung. Er habe als Helfer im Hidden Guest House in der Nähe der Busstation Gongabu gearbeitet, als die Katastrophe passierte. Wenige Stunden später wurde nahe der Stelle eine Nepalesin lebend gefunden, allerdings laut Behörden in kritischem Zustand.

    Viele Familien in Kathmandu verlassen die Zelte und kehren in ihre Häuser zurück. Die Zahl der Nachbeben nimmt ab, und sie werden schwächer. «Ich denke, es ist jetzt sicher, nach Hause zu gehen», sagte Dev Limbu, Vater von fünf Kindern. Schulen und Universitäten bleiben nach offiziellen Angaben aber zunächst geschlossen. Auch Strom ist in Teilen der Stadt wieder verfügbar.

    Manche Gegenden Nepals könnten nur zu Fuß erreicht werden, seien aber vier bis fünf Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt, erklärte die UN weiter. Es stünden aber zwei Helikopter zur Verfügung, um Nahrungsmittel im Distrikt Gorkha zu verteilen, wo das Epizentrum des Bebens lag.

    Unterstützung für die Menschen in Nepal kommt aus aller Welt: Aus Indien schickten Menschen Essenspakete und auch in Deutschland ist die Spendenbereitschaft nach Angaben von Hilfsorganisationen sehr hoch.

    Jüngste Zahlen der Vereinten Nationen zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe: Acht Millionen Betroffene. 2,8 Millionen Menschen sind den Schätzungen zufolge obdachlos. Derzeit verteilen die Helfer vor allem Planen, Zelte, Decken und Hygiene-Sets. Allerdings mache es ihnen zu schaffen, dass es in den Zeltstädten keine Verwaltung gebe und bislang keine Daten erhoben wurden, was die Menschen dort brauchen.

    Die UN koordiniert mittlerweile mehr als 1700 spezialisierte Helfer aus mindestens 22 Ländern in Nepal, darunter mindestens 58 Deutsche.

    Trotz des verheerenden Erdbebens will die Regierung Nepals den Mount Everest nicht für Bergsteiger schließen. «Wenn die Kletterer gehen wollen, können sie noch immer gehen», sagte ein Sprecher des Tourismusministeriums. Am höchsten Berg der Welt waren mindestens 18 Menschen gestorben.

    Angaben US-Erdbebenwarte

    Angaben Geoforschungszentrum

    Grafik der UN zu Zahlen, 29.4.

    Bericht von OCHA, 29.4.

    Twitter-Liste der dpa

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