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    NSU-Spuren führen ins Berliner Rocker-Milieu

    Wie eng sind Neonazis und Rocker-Banden verbunden? Eine DNA-Spur aus dem letzten Versteck der Terrorzelle NSU wirft neue Fragen auf. In der NSU-Affäre führen Hinweise ins Berliner Rocker-Milieu.

    Berlins Innensenator Frank Henkel
    Unter Druck: Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU).
    Foto: Wolfgang Kumm - DPA

    Eine DNA-Spur, die nach einer Schießerei vor dem Clubhaus der Bandidos in Berlin-Wedding am 5. Juli gefunden wurde, stimmt zumindest teilweise mit einer Spur aus dem letzten Versteck der Terrorzelle NSU in Zwickau überein, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Die Bundesanwaltschaft bestätigte den Fall. Jedoch gebe es «keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Verbindungen» zwischen dem Terrortrio und dem Rockermilieu.

    Nach einer BKA-Bewertung gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass beide Spuren vom gleichen Mann stammen. Weitere Tests sollen Gewissheit bringen. Darüber hinaus führt nach dpa-Informationen auch eine weitere DNA-Spur aus einem anderen Zusammenhang nach Berlin.

    Bei der Schießerei im Juli waren zwei Bandidos verletzt worden, die Täter konnten entkommen. Als Hintergrund werden Machtkämpfe mit Rockern der Hells Angels vermutet. Beamte stellten später eine Patronenhülse mit DNA-Material sicher. Beim Abgleich fanden sich einige Übereinstimmungen mit Spuren an einem Datenträger, der in den Trümmern des gesprengten Hauses des Terrortrios in Zwickau lag.

    «Nach den der Bundesanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt bislang vorliegenden Erkenntnissen sind die wenigen Merkmalsübereinstimmungen nicht als Beleg dafür geeignet, dass die Spuren von ein und derselben Person herrühren», sagte Bundesanwaltschaftssprecher Marcus Köhler.

    Nach Medien-Informationen soll das Terrortrio aber sehr wohl Kontakte zu Rockern gehabt haben. Demnach will ein Rechtsanwalt die NSU-Frau Beate Zschäpe im vergangenen Jahr in Erfurt bei einem Prozess gegen Bandidos-Mitglieder gesehen haben. Ein Beamter sagte der dpa, Rocker handelten mit Waffen, die auch in der rechten Szene Abnehmer fänden. «Das ist eine problematische Mischung.»

    Wie dpa außerdem erfuhr, sollen nun auch DNA-Spuren aus dem Wohnmobil der Terrorzelle Ähnlichkeit mit Spuren eines Fahrzeugdiebstahls in Berlin von 2002 haben. Das Auto war in Brandenburg gefunden worden, die Berliner Polizei ermittelte. Weil der Fall verjährt ist, wurden die Akten bei der Berliner Staatsanwaltschaft inzwischen vernichtet.

    Die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten sich am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach in ihrem Wohnmobil erschossen, als die Polizei sie entdeckt hatte. Der Terrorzelle werden zehn Morde angelastet. Zschäpe sitzt in Haft.

    Unterdessen steht Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) in der Affäre um einen V-Mann der Polizei weiter unter Druck. Ein Schreiben des Berliner Staatsschutz-Chefs Oliver Stepien an die Bundesanwaltschaft von April belege, dass die Polizei die Akten über den V-Mann Thomas S. habe zurückhalten wollen, berichtete der «Spiegel». Die Übersendung sei verweigert worden, da mit Blick auf den Bundestag «Einsicht durch den Untersuchungsausschuss nicht ausgeschlossen werden» konnte.

    Ein Polizeisprecher kritisierte, es werde nur ein Satz aus dem Schreiben zitiert. Dort stehe auch, die Polizei habe das Ziel, «grundsätzlich offen zu kommunizieren». Bevor die Akten hätten übermittelt werden können, habe wie vorgeschrieben geklärt werden müssen, ob die dem V-Mann zugesicherte Vertraulichkeit und dessen Sicherheit auf dem Spiel stünden, hieß es. Die Bundesanwaltschaft wollte sich dazu nicht weiter äußern.

    Dass der NSU-Ausschuss erst im Juli informiert wurde, hatte Henkel mit einer Vereinbarung zwischen Polizei und Bundesanwaltschaft begründet. Die bestreitet dies. Die Bundes-Grünen kritisierten am Sonntag, es entstehe zunehmend der Eindruck, Henkel habe Parlament und Öffentlichkeit belogen. «Die Informationspannen in Berlin werden immer mehr zu einer Affäre Henkel», sagte der Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Der Berliner Senator müsse endlich Klarheit schaffen.

    Der langjährige V-Mann Thomas S. gab der Berliner Polizei 2002 einen brisanten Hinweis zu dem Terrortrio. Dieser blieb aber möglicherweise unbeachtet. Unterdessen gab S. gegenüber der «Welt am Sonntag» zu, der Terrorgruppe Sprengstoff besorgt zu haben. «Ich habe das gemacht, um mir etwas zu beweisen - und sicherlich auch, um Beate zu imponieren.» Mit Zschäpe will er kurzzeitig liiert gewesen sein.

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