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Berlin

Möglicher Sprengsatz in Fluggepäck entdeckt

dpa

Wenige Stunden nach der Terrorwarnung der Bundesregierung hat ein Bombenalarm vor dem Start eines Air-Berlin-Flugs von Namibia nach München neue Unruhe ausgelöst.

Hauptbahnhof Berlin
Zwei bewaffnete Bundespolizisten führen im Hauptbahnhof in Berlin eine Ausweiskontrolle von zwei Reisenden durch.

Flughafen Düsseldorf
Bundespolizisten patrouillieren am Donnerstag in Düsseldorf im Flughafenterminal. Auf Flughäfen und Bahnhöfen sowie an den Grenzen gibt es strengere Kontrollen.

Der mögliche Sprengsatz wurde aus dem Verkehr gezogen, bevor er auf dem Flughafen von Windhuk in den Airbus verladen wurde. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Eine schnelle Verschärfung der Sicherheitsgesetze lehnt er ab.

Hauptbahnhof Frankfurt/Main
An den Anblick von Maschinenpistolen muss man sich gewöhnen. Eine Streife der Bundespolizei sichert den Hauptbahnhof in Frankfurt am Main.

Nach Angaben der Ermittler befand sich der mögliche Sprengsatz in einem verdächtigen Gepäckstück von der Größe eines Laptops. Beim Durchleuchten wurden Batterien sichtbar, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden waren. Die 296 Passagiere des Airbus kamen viele Stunden verspätet in Deutschland an.

Flughafen Düsseldorf
Bundespolizisten fahren in Düsseldorf im Flughafenterminal auf Sagways an einem Schalter der Fluggesellschaft Air Berlin vorbei.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa befand sich der verdächtige Koffer ohne jegliche Adresse unmittelbar bei dem Gepäck, das für den Air-Berlin-Flug nach Deutschland bestimmt war. Ob der Koffer tatsächlich einen zündfähigen Sprengsatz enthielt, werde sich erst durch kriminaltechnische Untersuchungen feststellen lassen, erklärte das BKA. Die Sprecherin des Flughafens in Windhuk sagte der dpa, man sei auf das in Plastik verpackte Gepäckstück aufmerksam geworden, weil der Adressaufkleber gefehlt habe.

Hafen voon Rostock
Bundespolizisten patrouillieren im Seehafen Rostock vor einer Skandinavien-Fähre, die für die Fahrt ins schwedische Trelleborg abgefertigt wird.

De Maizière äußerte sich in der ZDF-Sendung «Was nun?» zurückhaltend zu dem möglichen Sprengsatz. Befragt nach Angaben, wonach es sich dabei um eine Attrappe handelt, wie sie die Amerikaner zu Testzwecken benutzen, sagte der Minister, er wolle auf die Auskünfte seiner Sicherheitsexperten warten.

Hauptbahnhof Nürnberg
Mit Maschinenpistole und kugelsicherer Weste patrouillieren Polizisten am Mittwoch (17.11.2010) im Hauptbahnhof in Nürnberg.

Das BKA entsandte seinen Verbindungsmann aus Südafrika nach Windhuk, auch aus Deutschland flogen Ermittler nach Namibia. De Maizière sagte am Rande der Innenministerkonferenz in Hamburg, es spreche viel dafür, dass das Gepäckstück in der Maschine habe transportiert werden sollen. Zugleich lobte er: «Die Kontrollen haben auf jeden Fall funktioniert.»

Sicherheitsmaßnahme nach Terrorwarnung
Der Schriftzug «Bitte achten Sie auf verlassene Gegenstände und Gepäckstücke» läuft am Donnerstag (18.11.2010) auf dem Bahnsteig eines U-Bahnhofes in Berlin über eine Anzeigentafel.

In Deutschland haben die Behörden «konkrete Hinweise» auf Berlin, München und Hamburg, wie der rheinland-pfälzische Innenministers Karl Peter Bruch (SPD) sagte. Aber auch der Großraum des Ruhrgebiets sei mögliches Anschlagsziel, sagte er im Südwestrundfunk (SWR).

Polizeipräsenz
Polizeibeamter vor dem Bundesinnenministerium in Berlin.

Die Warnung des Bundesinnenministers vor konkreten Terroranschlägen heizte die Debatte über die umstrittene Vorratsdatenspeicherung wieder an. Einzelne Politiker von Union und SPD dringen auf eine schnelle Neuregelung. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bleibt dabei, dass sie nichts überstürzen will. De Maizière warnte davor, die Terrorgefahr für politische Zwecke zu instrumentalisieren: «Das ist jetzt nicht die Stunde, auf dem Rücken dieses Themas rechtspolitische Auseinandersetzungen zu verschärfen oder abzumildern.»

Schwedenkai in Kiel
Ein Streifenwagen der Bundespolizei fährt über das Terminal am Schwedenkai in Kiel, im Hintergrund ist die aus Norwegen einlaufende Fähre zu sehen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die deutsche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung im März gekippt. Seitdem dürfen Telefon- und Internetdaten nicht mehr ohne Anlass für sechs Monate gespeichert werden. Leutheusser-Schnarrenberger möchte vor einer Neuregelung erst abwarten, was mit der EU-Richtlinie geschieht, nach der die Daten gespeichert werden müssen. Dagegen hatten Sicherheitsexperten wiederholt auf «Sicherheitslücken» hingewiesen.

Schwedenkai in Kiel
Der Schwedenkai in Kiel: Nach den Terrorwarnungen wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen, Flughäfen und Grenzübergängen verschärft.

De Maizière erklärte in Hamburg: «Der internationale Terrorismus möchte in unserem Land Angst und Schrecken verbreiten. Das lassen wir nicht zu. Wir bleiben unserer freiheitlichen Lebensauffassung und dem Verhalten in Freiheit in einem freien Land treu.»

Hauptbahnhof Dresden
Zwei Polizeibeamte stehen am Donnerstag im Hauptbahnhof in Dresden: Die Bundesregierung hat Hinweise auf einen für Ende November in Deutschland mutmaßlich geplanten Anschlag.

Wegen der akuten Terrorwarnungen müssen sich die Bürger in Deutschland längerfristig auf erhöhte Sicherheitsvorkehrungen einstellen. Flug- und Seehäfen sowie Bahnhöfe und Züge werden stärker überwacht, mehr Polizisten als sonst sind auf der Straße unterwegs. Auch an Grenzen wird wieder schärfer kontrolliert.

Hauptbahnhof Nürnberg
Nach Hinweisen auf einen in Deutschland geplanten Terroranschlag hat die Bundespolizei Nürnberg die Sicherheitsmaßnahmen am Hauptbahnhof verstärkt.

Das Reichstagsgebäude in Berlin wurde mit Absperrgittern besonders gesichert. In U- und S-Bahn wurde die Bevölkerung per Durchsage gebeten, Verdächtiges zu melden. Kurzzeitig kam es in der Hauptstadt zu einem Verkehrschaos: Es war ein verdächtiger Koffer entdeckt worden, der sich später als harmlos herausstellte. Die Gewerkschaft der Polizei kündigte an, dass die Beamten trotz massiver Überlastungen alles tun, um die erhöhte Terrorgefahr abzuwehren.

De Maizière sagte im ZDF, es gebe verschiedene Anschlagszenarien. Ein Szenario sei, dass Terroristen nach Deutschland reisten und bald nach ihrer Ankunft ohne Vorwarnung in einem Gebäude oder auf einem Platz einen Anschlag verübten. Es könne aber auch fanatisierte Einzeltäter ohne Auftrag geben, die sich berufen fühlten, im Kleineren etwas zu tun.

Experten fürchten, dass Weihnachtsmärkte Ziel eines Anschlags sein könnten. Spekuliert wird auch über Attentate wie in Bombay (Mumbai) in Indien, wo 2008 bei einem Terrorüberfall von Islamisten auf Hotels mehr als 160 Menschen starben. Die Budenbetreiber auf den bundesweit 2500 Advents- und Christkindlmärkten wollen künftig stärker auf verdächtige Personen und Gegenstände achten. Auch die rund 400 000 Geschäfte schulen Wachleute und sensibilisieren Mitarbeiter.

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