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    Berlin/Termes

    Merkel hält an Afghanistan-Einsatz fest

    Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht auch nach dem Tod von vier weiteren deutschen Soldaten in Afghanistan keinen Anlass für einen Kurswechsel.

    Guttenberg begleitet Verwundete
    Bundeswehrsoldaten bringen in Termes im südlichen Usbekistan verwundete Kameraden zu einem Airbus der Bundeswehr.

    Die CDU-Vorsitzende stellte sich am Freitag demonstrativ hinter den Einsatz, für den es nach allen Umfragen in der Bevölkerung keine Mehrheit gibt. Mit fast einem Tag Verspätung wurde bekannt, dass die Männer im Alter von 24 bis 38 Jahren bei zwei verschiedenen Anschlägen starben. Die bei dem Anschlag verletzten fünf Soldaten trafen am späten Freitagabend mit einem Flugzeug in Istanbul ein.

    Drei der Soldaten wurden in der Nähe der nordafghanischen Stadt Baghlan durch die Explosion einer ferngezündeten Sprengfalle getötet - und nicht durch einen Raketenangriff, wie es zunächst geheißen hatte. Der vierte Soldat, ein Sanitätsoffizier, kam erst vier Stunden später durch eine Granate ums Leben, als er auf dem Weg zum Schauplatz des ersten Angriffs war. Für die Todesopfer soll es in Afghanistan und in Deutschland Trauerfeiern geben. Bei den Attacken waren fünf deutsche und auch afghanische Soldaten verletzt worden.

    Merkel sagte kurz vor ihrer Abreise aus den USA: «Ich weiß, dass viele Menschen Zweifel haben, ob der Einsatz richtig ist. Doch ich will auch sagen, dass ich ganz bewusst hinter diesem Einsatz stehe, damit das Land stabilisiert wird und selbst für seine Verantwortung sorgen kann.» Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stellten sich hinter die bisherige Strategie.

    Guttenberg begleitete die fünf verletzten Soldaten auf ihrem Weg nach Deutschland. Die Maschine flog wegen der Wolke aus Vulkanasche über Europa und der Sperrung zahlreicher Flughäfen aber zunächst nach Istanbul. Die Verletzten würden dort in ein Krankenhaus gebracht, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. «Plan ist es, so schnell wie möglich nach Deutschland weiterzufliegen.»

    Bei einem Zwischenstopp im usbekischen Termes sagte Guttenberg, der Einsatz bleibe gefährlich. «Wir müssen die Realitäten in Afghanistan offen benennen.» Drei der verletzten Soldaten seien ansprechbar. «Sie sind bereits wieder sehr stabil, und der eine oder andere sogar zu Scherzen aufgelegt. Es ist eine tolle Truppe.» Die Verletzten sollen in Bundeswehr-Krankenhäuser in Ulm und Koblenz gebracht werden. Der Minister war am Donnerstag auf der Rückreise aus Afghanistan, als die neuen Todesfälle bekanntwurden.

    Die SPD sieht ebenfalls keinen Anlass für ein neues Afghanistan- Mandat. Ihr Verteidigungsexperte Rainer Arnold verlangte im Deutschlandfunk aber ein klärendes Wort von der Kanzlerin, ob es sich nach ihrer Einschätzung um Krieg handele. SPD-Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier wandte sich in der ARD gegen einen überstürzten Abzug: «Wir sind nicht kopflos hineingegangen, und wir dürfen jetzt nicht kopflos hinausgehen.»

    Die Linksfraktion im Bundestag forderte dagegen auf ihrer Klausur in Dortmund einen unverzüglichen Abzug. «Die Bundeswehr ist schon lange Konfliktpartei in diesem Krieg. Terrorismus lässt sich mit vielen Mitteln bekämpfen, aber niemals wirksam mit Krieg.»

    Nach Umfragen sind zwei Drittel der Bundesbürger dafür, dass die Bundeswehr Afghanistan schnellstmöglichst verlässt. Der Einsatz dauert bereits seit Herbst 2001. Seither starben in Afghanistan bereits 43 deutsche Soldaten.

    Für die vier Gefallenen vom Donnerstag soll am Sonntag im Feldlager Masar-i-Scharif eine Trauerfeier stattfinden, an der Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker teilnehmen wird. Nach der Heimkehr der Toten ist auch eine Trauerfeier in Deutschland geplant.

    Alle vier Toten stammen aus Süddeutschland. Dabei handelt es sich um einen 33-jährigen Oberstabsarzt aus Ulm (Baden-Württemberg) sowie einen 38-jährigen Major aus Weiden und zwei 24 und 32 Jahre alte Soldaten aus Ingolstadt (Bayern). Der Zustand der verletzten Soldaten war am Freitagmorgen nach Angaben der Bundeswehr stabil.

    Das Verteidigungsministerium musste erste Angaben zum Ablauf korrigieren. Demnach starben drei der Männer gegen 14.30 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) in der Nähe der Stadt Baghlan durch eine ferngezündete Sprengfalle. Ihr Fahrzeug - ein gepanzerter «Eagle IV» - war das letzte einer Kolonne, die aus afghanischen Soldaten und anderen Angehörigen der Internationalen Schutztruppe ISAF bestand. Andere Fahrzeuge hatten die Stelle ohne Zwischenfall passiert.

    Der vierte deutsche Soldat kam gegen 18.30 Uhr Ortszeit in einigen Kilometern Entfernung ums Leben, als ein gepanzertes Sanitätsfahrzeug vom Typ «Yak» beschossen wurde. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam hatte schon gegen 15.00 Uhr deutscher Zeit (17.30 Uhr Ortszeit) den Tod von vier Soldaten bestätigt. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte dazu: «Die Meldung war der Unklarheit der Situation geschuldet.»

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