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    Kostenexplosion in Limburg: «Bischof soll zurücktreten»

    Limburg/Wiesbaden (dpa) - Rund 31 Millionen Euro wird der neue Limburger Bischofssitz wohl kosten, zehnmal so viel wie einst geschätzt. Zur Kostenexplosion kommen Täuschungsvorwürfe gegen den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Für viele Katholiken ist er nicht mehr glaubwürdig. Einige fordern seinen Rücktritt.

    Protest
    "Du sollst nicht stehlen": Lichtprojektion des Düsseldorfer Lichtkünstlers Bienkowski am Dom in Limburg.
    Foto: Thomas Frey - DPA

    Der Theologe Thomas Schüller von der Uni Münster und der Sprecher des «Hofheimer Kreises» von 20 kritischen Pfarrern, Ludwig Reichert, fordern seinen Rücktritt. Der Priesterrat des Bistums sieht das Vertrauen zerstört.

    Bischofshaus Limburg
    Bischofshaus: Nach Bistumsangaben hat die Residenz auf dem Limburger Domberg 31 Millionen Euro gekostet.
    Foto: Fredrik von Erichsen - DPA

    Die Baukosten für den neuen Bischofssitz summieren sich nach einer verwaltungsinternen Kostenrechnung auf rund 31 Millionen Euro. Dies hatte die Pressestelle des Bistums am Montagabend mitgeteilt - und zwar zunächst gegen den Willen des Bischofs, wie es beim Vermögens- und Verwaltungsrat hieß.

    Das Bistum selbst hatte noch vor wenigen Wochen Berichte zurückgewiesen, die Baukosten könnten bei 20 Millionen Euro liegen. Von mehr als 10 Millionen Euro war zuletzt die Rede gewesen, ursprünglich veranschlagt waren aber nur etwa 2,5 Millionen Euro. Kritiker werfen dem Bischof Täuschung vor.

    «Wir sind hinter das Licht geführt worden», sagte ein Sprecher des Vermögens- und Verwaltungsrats, der für die Kontrolle der Finanzen des Bischöflichen Stuhls in Limburg zuständig ist. Dieses Ausmaß der Kosten sei völlig unbekannt gewesen. 2012 und 2013 sei der vorgeschriebene Haushaltsplan nicht vorgelegt worden.

    Das Bistum erklärte, «denkmalpflegerische und technische Gesichtspunkte» hätten die Kosten für die Alte Vikarie in die Höhe schnellen lassen. In dem 500 Jahre alten Fachwerkhaus, das von Grund auf saniert wurde, hat Bischof Tebartz-van Elst sein Büro.

    Die hohen Kosten sind nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege allerdings nicht auf staatliche Vorgaben zurückzuführen. Kirchen brauchten sich Umbau oder Sanierung ihrer Baudenkmäler laut Gesetz nicht genehmigen zu lassen, erklärte die Behörde. Zur Sanierung der Alten Vikarie habe es nur einen Informationsaustausch gegeben, keine Auflagen.

    Tebartz-van Elst müsse die Verantwortung für die Kostensteigerung übernehmen, sagte Professor Schüller dem Radiosender hr-info. «Das ist ein großer Flurschaden, nicht nur im Bistum Limburg. Das trifft die gesamte Kirche in Deutschland. Das ist ein Skandal und es muss Konsequenzen haben.» Reichert vom «Hofheimer Kreis» sagte dem selben Sender: «Ich denke, dass die Glaubwürdigkeit schwer erschüttert ist.» Wenn sich der eigene Verwaltungsrat hinter das Licht geführt fühle, könne der Bischof sein Amt nicht mehr verantwortlich ausüben.

    Der Sprecher des Priesterrats des Bistums, Pfarrer Reinhold Kalteier, sieht den Vatikan in der Pflicht: «Die Aufgabe liegt jetzt in Rom und bei den deutschen Bischöfen damit umzugehen.» Er könne sich jedoch nicht vorstellen, wie der Bischof Vertrauen wieder herstellen könne.

    «Solch hohe Kosten für die Wohn- und Arbeitsräume eines einzelnen Menschen sind den Gläubigen nicht zu vermitteln», sagte der Frankfurter Pfarrer Werner Otto, ebenfalls Mitglied des «Hofheimer Kreises». Noch erschreckender sei jedoch, dass der Bischof offenbar den Vermögens- und Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls getäuscht habe. «Wenn das zutrifft und er die Haushalte nicht vorgelegt hat, dann ist sein Amt extrem beschädigt.» Tebartz-van Elst werde nun einiges zu erklären haben.

    Dieser sagte am Dienstag aber erst einmal einen öffentlichen Termin in Wiesbaden ab. Er setze auf die Prüfung durch die Deutsche Bischofskonferenz: «Wir warten ab, was der Prüfbericht ergibt», sagte Bistums-Sprecher Martin Wind. Wegen der andauernden Kritik an dem teuren Bau soll eine Kommission der Bischofskonferenz die Finanzierung prüfen. Die Kommission werde in Kürze mit der Arbeit beginnen, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Wind verwies auch darauf, dass der Bischof der geistliche Leiter des Bistums sei. Für Verwaltungsfragen seien andere zuständig.

    Tebartz-van Elst steht seit längerem in den eigenen Reihen wegen seiner Amtsführung in der Kritik, ihm werden autoritärer Stil und Verschwendung vorgeworfen. Die Situation in seinem Bistum wurde auch vom Vatikan als problematisch eingeschätzt. Papst Franziskus, der für Bescheidenheit und Hinwendung zu den Armen steht, hatte deshalb im September eigens einen Gesandten nach Limburg geschickt.

    Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt ebenfalls gegen Tebartz-van Elst. Dabei geht es um den Vorwurf der Falschaussage in Zusammenhang mit einem teuren Flug nach Indien. Ob Anklage erhoben wird, war am Dienstag noch unklar.

    Pressemitteilung Bistum

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