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Kommentar: Marktmacht wirkt, wo Politik bislang versagt

Nicole Mieding

Nach zäher, giftig geführter Debatte um mehr Tierschutz geht nun ausgerechnet ein Discounter voran. Noch dazu Europas größter. Kritiker betonen, dass das Geschäftsmodell dieser Branche auf Preis-, Lohn- und Umweltdumping basiert. Will Lidl also bloß sein Image aufpolieren?

Nicole Mieding.
Nicole Mieding.
Foto: Jens Weber

Keine Frage: In Sachen Marketing ist der „Haltungskompass“ ein kluger Schritt: Mit der freiwilligen Initiative dreht Lidl den Spieß um und demonstriert, dass Marktmacht nicht negativ sein muss, sondern auch von Nutzen für die Gesellschaft sein kann. Konkurrent Aldi hatte das schon im Fipronilskandal vorgeführt, als er Eierlieferanten zwang, die Unbedenklichkeit ihrer Ware per Test zu quittieren. Nun setzt Lidl also seinen längeren Hebel beim Tierwohl an. Sämtliche politischen Anstrengungen wurden bislang zwischen den unterschiedlichen Interessen von Lobbyverbänden zerrieben.

Lidls Coup ist gelungen, weil er bestehende Initiativen weit übertrifft und zudem leicht verständlich ist. Die neue Kennzeichnung schafft Klarheit und bietet Kunden erstmals eine echte Wahl: Sie erkennen auf einen Blick, woher ihr Fleisch stammt, und können Preisunterschiede zwischen den Haltungsarten nachvollziehen. Besser geht es den Tieren dadurch noch nicht. Aber mit seinem Vorstoß setzt Lidl die Konkurrenz unter Druck. Will die die Gunst ihrer Kunden nicht verspielen, wird sie nachziehen müssen.

Auch die Landwirte könnten mittelfristig profitieren. Denn für sie soll sich Tierschutz künftig rentieren: Bessere Haltung – wertigere Ware – höherer Ertrag muss die Logik sein. Da hilft, dass das Lidl-Siegel Tierschutzstandards und Packungspreis vergleichen lässt. Dass das Wohl der Tiere beim Einkauf eine Rolle spielt, hat die Kennzeichnung von Eiern bewiesen. Weil die Kunden keine Käfigeier wollten, sind die daraufhin aus den Läden verschwunden. Warum sollte dieser Mechanismus nicht auch beim Fleisch funktionieren? Voraussetzung ist, dass Handel, Kunden und Politik an einem Strang ziehen.

E-Mail an: nicole.mieding@rhein-zeitung.net

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