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Tokio

Japan leitet verseuchtes Wasser ins Meer

Wegen der Wassermassen in der Atomruine von Fukushima sieht sich der Betreiber gezwungen, Teile der radioaktiven Brühe ins Meer zu leiten. Der Energiekonzern Tepco begann am Montag damit, 11 500 Tonnen Abwasser in den Pazifik zu pumpen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Japanische Marine
Mitarbeiter der japanischen Marine arbeiten von einem Schiff von der Meeresseite aus an den havarierten Atomkraftwerk Fukushima.
Foto: DPA

Suche nach Opfern
Japanische Soldaten suchen in einem Fluss in Natori in der Präfektur Miyagi nach Opfern des Tsunamis. 20 000 Menschen sind bislang tot geborgen oder vermisst gemeldet worden.
Foto: DPA

Es sei nur leicht belastet, versicherte das Unternehmen. Gleichzeitig kämpfen die Arbeiter weiter gegen ein Leck, aus dem unkontrolliert stark verseuchtes Wasser in den Ozean strömt.

Letzter Abschied
Ein Überlebender betet vor einer improvisierten Gedenkstätte für die Opfer der Katastrophe. Währenddessen gehen die Suchaktionen weiter.
Foto: DPA

Wie der Energiekonzern mitteilte, stammt der Großteil des Abwassers, das ins Meer geleitet wird, aus einer Speicheranlage auf dem Kraftwerksgelände. Mit der Aktion soll dort Platz geschaffen werden, um stärker strahlendes Abwasser lagern zu können. Dies sei nötig, weil vor allem im Turbinenraum von Block 2 sehr viel Flüssigkeit stehe, erklärte Tepco. Aus dem Block konnte die giftige Brühe bisher nicht abgepumpt werden, weil es an Tanks fehlt.

Leben in Trümmern
Eine einsame Gestalt streift die Gasse entlang, die in der Stadt Natori im nordöstlichen Japan durch die Trümmer gezogen wurde.
Foto: DPA

Regierungssprecher Yukio Edano sagte, das Vorgehen von Tepco sei ohne Alternative. Größere Gesundheitsrisiken befürchte die Regierung nicht.

Stilles Gebet
Ein buddhistischer Priester betet barfüßig für die Seelen derer, die noch in den Trümmern der Stadt Yamada verschüttet sind.
Foto: DPA

Zudem macht den unter Lebensgefahr arbeitenden Helfern ein Leck zu schaffen, das am Wochenende entdeckt worden war. Versuche, die undichte Stelle mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stopfen, scheiterten. Das Wasser hatte sich im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 2 sowie in einem tunnelförmigen Verbindungsrohr angesammelt.

Bauern ruiniert
Zwischen Reisfeldern liegen Grabsteine wie Bauklötze aufeinander. 10 000 Hektar der Felder wurden vom Meerwasser überflutet und sind nach Expertenmeinung zehn Jahre lang nicht mehr zu bestellen.
Foto: DPA

Zunächst war versucht worden, den 20 Zentimeter langen Riss in der Wand eines Kabelschachtes am Ende des Rohrs mit Zement zu schließen. Als dies nichts brachte, gossen die Männer das Bindemittel, das zusätzlich mit Sägemehl und geschredderten Zeitungen angereichert wurde, durch ein Loch in das Verbindungsrohr.

Strahlungs-Messung
0,175 Micro-Sievert pro Stunde misst der Geiger-Zähler auf einem Bauernhof rund 60 Kilometer östlich von Tokio.
Foto: DPA

Als auch dies nicht wirkte, kippten die Arbeiter am Montag ein weißes Färbemittel in das Wasser, um seinen genauen Verlauf in der Anlage festzustellen. Doch das gefärbte Wasser kam nicht bei den Abflussausgängen an. Nun wird befürchtet, dass das Wasser aus Gesteinschichten heraus sickere, berichtete die Agentur Jiji unter Berufung auf Tepco.

Kein Konsum
Die Katastrophe hält die Kunden fern. Viele ausländische Touristen und Geschäftsleute stornieren ihre Reisen nach Japan.
Foto: DPA

Während die Suche nach dem genauen Wasserlauf weitergeht, erwägt Tepco, im Meer Barrieren zu errichten, um eine Ausbreitung radioaktiver Partikel in den Pazifischen Ozean einzudämmen. Dies wird laut Atomaufsichtsbehörde vermutlich einige Tage dauern.

Alltag kommt zurück
Diese Japanerin geht an einem Poster vorbei, dass ein Surf-Festival in der Präfektur Chiba ankündigt. Nach der Flutkatastrophe beginnen vielen Menschen wieder, ihr alltägliches Leben aufzunehmen.
Foto: DPA

Das in dem Kabelschacht angesammelte radioaktiv verseuchte Wasser stammt vermutlich aus dem Reaktor Nummer 2. Dort war es an den Brennstäben zu einer Kernschmelze gekommen. Die Verstrahlung des im Kabelschacht gefundenen Wassers mit Jod-131 liegt laut Tepco um das 10 000-Fache über der gesetzlichen Höchstgrenze.

Fukushima Daichii
Das Handout der japanischen Selbstverteidigungskräfte zeigt die Ruinen des havarierten AKW Fukushima von der Seeseite aus, aufgenommen am 31.03.2011.
Foto: DPA

Doch offensichtlich entweicht nicht nur über das Wasser Radioaktivität in die Umwelt, sondern auch über die Luft. Auch mehrere Gemüsesorten sind bereits verstrahlt und dürfen auf Weisung der Behörden nicht mehr verkauft werden. Das trifft die Landwirtschaft schwer. In der Unglücksprovinz Fukushima, wo auch das havarierte Kernkraft liegt, sind nun auch in Shiitake-Pilzen radioaktive Substanzen gefunden worden. Die Provinzregierung wies 23 Pilzbauern an, keine der Pilze auszuliefern.

Wegen der ungelösten Atomkrise in Fukushima zweifelt die japanische Regierung inzwischen an den eigenen Klimaschutzzielen. Es könne sein, dass das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent im Vergleich zum Stand von 1990 überdacht werden muss, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Atomenergie ist weitgehend CO2-frei und war daher für die Klimaziele fest eingeplant.

Das Kraftwerk Fukushima Eins wurde bei dem Erdbeben vom 11. März stark beschädigt. Seitdem kämpfen die Arbeiter darum, die Kontrolle über die Atomruine zurückzugewinnen.

Satelliten-Bild des AKW Fukushima

Nachrichtenagentur Kyodo

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